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Ironman : Raelert läuft allen den Rang ab

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Der Triumph des Lässigen: Andreas Raelert zelebriert seinen Erfolg vor den Zuschaeurn im Ziel auf dem Römerberg. Bild: DDP

Trotz einer fünf Kilometer längeren Radstrecke, trotz großer Hitze, trotz starker Konkurrenz gelingt dem Dreiunddreißigjährigen beim 9. Frankfurter Ironman eine fabelhafte Leistung.

          Es war heiß, es war schwül. Beim Schwimmen durfte der übliche Neoprenanzug nicht getragen werden, weil das Wasser im Langener Waldsee viel zu warm war. So mussten die Triathleten am Sonntag per Muskelkraft selbst für den notwendigen Auftrieb sorgen, was auch den Besten auf der 3,8 Kilometer langen Strecke mindestens zwei Minuten kostet. Schließlich war die Radstrecke des 9. Frankfurter Ironman wegen Bauarbeiten auf der Strecke fünf Kilometer länger als in allen anderen Jahren, 185 statt 180 Kilometer. Gemessen an diesen extrem schweren Bedingungen war die Leistung von Andreas Raelert phänomenal. Der 33 Jahre alte Rostocker feierte nach 8:05:15 Stunden auf dem Römerberg einen Start-Ziel-Sieg und düpierte die Konkurrenz, darunter Vorjahressieger Timo Bracht (8:10:22) aus Eberbach am Neckar, den australischen Hawaii-Sieger von 2007, Chris McCormack (8:14:43), und den Neuseeländer Cameron Brown (8:18:33). Raelert fuhr auf dem Rad einen Vorsprung von elf Minuten heraus, und Bracht hatte keine Chance, den großen Rückstand beim Laufen noch einmal aufzuholen. „Das war im Triathlon eine der besten Radleistungen aller Zeiten“, sagte Bracht, der nach 23 Kilometern einen Platten hatte und den Servicewagen zum Reifenwechsel bemühen musste. Mit der schnellsten Laufzeit halbierte Bracht zwar die Differenz, konnte Raelert aber nie wirklich gefährden. „Ich habe beim Laufen auf den ersten zwanzig Kilometern noch einmal voll dagegen gehalten“, sagte Raelert, „um den anderen nicht die zweite Luft zu geben.“ Auf der restlichen Strecke konnte er das Tempo drosseln. Dennoch, sagte er, sei er am Limit gewesen.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Sogar Bracht, der selbst eine starke Vorstellung ablieferte, war an diesem denkwürdigen Tag einem überragenden Gegner unterlegen. Sein Trost: Der im vergangenen Jahr aufgestellte Streckenrekord von 7:59:15 Stunden ist ihm geblieben, auch wenn Raelerts Leistung in diesem Jahr höher einzuschätzen ist. Raelert war – trotz der fünf zusätzlichen Kilometer – auf der Radstrecke vier Minuten schneller als Bracht bei seinem Sieg im vergangenen Jahr. In 4:20:35 Stunden übertraf er sogar den Streckenrekord von Normann Stadler aus dem Jahr 2006 um rund zwei Minuten. Für die weltbesten Triathleten ist das eine denkbar schlechte Nachricht. Bislang nämlich galt Raelert als überragender Schwimmer und überragender Läufer. Dass er jetzt plötzlich auch noch überragend Rad fährt, verheißt der Konkurrenz nichts Gutes. Die Frage ist: Wer kann ihn in dieser Form überhaupt noch schlagen? Viele Namen fallen einem da nicht ein. Bracht an einem perfekten Tag vielleicht, oder Hawaii-Sieger Craig Alexander, aber selbst der Australier wird Raelerts Frankfurter Auftritt mit Interesse und Respekt verfolgt haben.

          Die Konkurrenz wird sich ziemlich spuren müssen

          „Es lief noch besser als geplant“, sagte Raelert nach seinem Triumph. „Ich war bereit, ein gewisses Risiko einzugehen. Als ich mich aufs Rad gesetzt habe, habe ich mich gut gefühlt und mir vorgenommen, schnell zu starten und eine kleine Führungsgruppe hinzustellen, und als mir niemand gefolgt ist, habe ich mir gesagt, dann fährst du halt allein und probierst es. Ich war am Ende sehr überrascht, mit elf Minuten Vorsprung vom Fahrrad gestiegen zu sein.“ Und dann gab es kein Zurück mehr. „Ich sagte mir: Jetzt hast du es probiert, jetzt musst du es auch durchziehen.“ Wie hoch Raelerts Leistung einzuschätzen ist, zeigte auch eine kleine Episode auf der abschließenden Marathonstrecke. Raelert war mit rund elf Minuten Vorsprung auf den Vier-Runden-Kurs gegangen, und es dauerte keine anderthalb Stunden, da hatte er Lothar Leder, den Lokalmatador aus Darmstadt, überrundet. Leder, ein Medienprofi, der weiß, wie man dem Fernsehen auch ohne Siegchance ein paar hübsche Bilder liefert, heftete sich an Raelerts Fersen und reichte ihm an den Verpflegungsstationen die Schwämme zur Kühlung. „Das war nicht geplant“, sagte Raelert zu seinem Helfer, der wie er für das Erdinger-Team startet, „in dieser Phase des Rennens war ich schon in einer anderen Sphäre.“ Leder, der erste Triathlet, der einen Ironman unter acht Stunden gelaufen war (1996 in Roth), als Wasserträger für den neuen Star der Szene – es war ein Sinnbild des Zeitenwandels im Triathlon.

          Raelert hat in Frankfurt allen den Rang abgelaufen hat, nicht nur Leder, der seine Karriere ausklingen lässt. National kann ihm nur Bracht gefährlich werden; und auch die internationale Konkurrenz wird sich ziemlich sputen müssen, wenn sie verhindern will, dass Raelert im Oktober den Klassiker auf Hawaii gewinnt. Im vergangenen Jahr war er Dritter auf Big Island, und wie es scheint, hat er sich in diesem Jahr noch einmal deutlich verbessert. Leder wurde am Ende in 9:01:21 Stunden Dreizehnter. Bester Hesse war der Wiesbadener Uwe Widmann, der sich als Sechster (8:31:28) ebenso die Qualifikation für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii sicherte wie Frank Vytrisal (8:35:39). Der 43 Jahre alte Berufsschullehrer aus Darmstadt kämpfte sich auf Platz acht.

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