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Ironman-Siegerin : Der Angst entwischt

  • -Aktualisiert am

Rekordfrau: Daniela Ryf lief nach 8:51 Stunden als erste ins Ziel Bild: dpa

Am Morgen fürchtet sich Daniela Ryf vor dem Wettkampf in Frankfurt – Stunden später strahlt sie als Europameisterin in der Sonne.

          Richtig geheuer war der Schweizerin Daniela Ryf die Ankündigung von nahezu vierzig Grad während des Ironman in Frankfurt nicht. „Riesigen Respekt“ habe sie vor dem Rennen gehabt, sagte die Frankfurt-Debütantin. Diese Skepsis steigerte sich dann sogar: Sie hatte „Angst“, gab sie im Abschluss an den Wettkampf ohne Umschweife zu.

          Die sollte sich aber als unbegründet herausstellen: Daniela Ryf gewann souverän in exakt 8:51 Stunden vor der Deutschen Julia Gajer (9:01:58 Stunden) und ihrer Landsfrau sowie Titelfavoritin Caroline Steffen (9:11:55). Einen Streckenrekord stellte Daniela Ryf dabei auch noch auf.

          Schweizer Schwimmmeisterin überrascht

          „Der längste Tag“ wird der Ironman auch genannt. Nicht zu unrecht, denn schon am Sonntagmorgen begann der Wettkampf im Langener Waldsee mit 3,8 Kilometer Schwimmen. Erstmals beim Frankfurter Ironman starteten die Frauen zwei Minuten nach den Männern und konnten sich so auf ihr Rennen konzentrieren. Etwas ungläubig schaute dort Caroline Steffen drein, als sie nach anderthalb Kilometern zum kurzen Landgang kam. Einen schnellen Blick nach hinten wagte die Schweizerin und musste feststellen: Da ist ja noch jemand!

          Sie hatte es sich anders vorgestellt, die 17-malige Schweizer Schwimmmeisterin, die den Frankfurter Ironman schon zwei Mal, in den Jahren 2011 und 2012, gewinnen und somit die Europameisterschaft für sich entscheiden konnte. Die Strecke durch die Stadt am Main sei ihr „Lieblingsrennen“, sagte sie. Mit einem größeren Abstand beim Schwimmen hatte nicht nur sie selbst gerechnet. Nun aber tauchten da auch noch die Dänin Michelle Vesterby, Daniela Ryf und die deutsche Podiumshoffnung Julia Gajer auf.

          Ryf nach dem Schwimmen nur dritte

          Auch die restlichen 2,3 Kilometer durch den mit 27 Grad lauschig warmen See änderten nichts an der Reihenfolge. Nachdem Caroline Steffen nach 52:42 Minuten zum Wechsel auf das Fahrrad kam, folgte ihr Michelle Vesterby mit drei Sekunden Rückstand, Daniela Ryf kam nach 52:46, und Julia Gajer nach 52:47 Minuten zur Wechselstation. Sie blieben der 36-Jährigen dicht auf den Fersen.

          Den Wechsel auf das Rad vollzog die Gruppe um Caroline Steffen ohne Probleme. Während die Zuschauer vor den heimischen Fernsehern auf Bilder des Radrennens der Frauen verzichten mussten – der Hessische Rundfunk nannte technische Probleme als Ursache einer Übertragungsstörung – hatte auch Caroline Steffen mit Schwierigkeiten beim Radfahren zu kämpfen. Ihre schwache Leistung begründete sie nach dem Rennen mit Krankheiten, die sie in letzter Zeit hatte.

          Der fehlende Vorsprung vom Schwimmen rächte sich, und Daniela Ryf übernahm die Führung. Auch Julia Gajer konnte an der Schweizerin vorbeiziehen, die ihre Panne zwar gut in den Griff bekam, trotzdem aber viel Zeit einbüßte. Daniela Ryf gab nun den Ton an.

          Blutendes Knie und Sturz

          Nach 5:43:37 Stunden kam sie in die Wechselzone am Main. Die „vierte Disziplin“ im Triathlon – das Wechseln von der Rad- zur Laufbekleidung – bewältigte sie ohne Probleme, allerdings mit einem blutenden Knie. Beim Aufsteigen auf das Fahrrad blieb sie an der daran montierten Trinkflasche hängen und kippte um. „Der Sturz war mein bisher schwerster. Aber er hatte keinen Einfluss auf das Rennen“, sagte sie hinterher.

          Auch beim Laufen zeigte sie sich fehlerfrei und vergrößerte ihren Vorsprung weiter. Nach 8:51 Stunden überquerte sie die Ziellinie vor hunderten Fans, die in der Sonne auf die Läufer warteten. Den Streckenrekord hatte sie damit um 24 Sekunden überboten. Julia Gajer lief zehn Minuten später ins Ziel.

          Auf Platz drei kam Caroline Steffen mit einem Abstand von mehr als 20 Minuten. Nach dem Rennen zeigte sie sich enttäuscht: „Mit dem dritten Platz, der Zeit und der Leistung auf dem Rad kann ich nicht zufrieden sein“, urteilte sie. 2014 war schon das Jahr der Daniela Ryf – und es scheint 2015 noch weiter bergauf zu gehen. Siege bei den Ironman-Rennen in Zürich in Kopenhagen, Welt- und Europameistertitel in der Ironman 70.3 Kategorie über die halbe Ironman-Distanz und Platz zwei beim Klassiker in Hawaii sind nur ein paar der Meilensteine ihrer Karriere. Ihrer Trophäen-Sammlung fügte sie in Frankfurt ein weiteres strahlendes Schmuckstück hinzu.

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