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Ironman : Deutscher Dreikampf in Frankfurt

Gefragter Mann: Ironman-Weltmeister Patrick Lange – ihn gilt es am Sonntag in Frankfurt zu schlagen. Bild: Jan Huebner

Triathlon-Weltmeister Patrick Lange gegen Jan Frodeno und Sebastian Kienle – der Ironman am Sonntag verspricht, ein heißes Rennen zu werden. Die Stars sind sich einig: Der Sieger soll einer aus dem Trio sein.

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          Beim ersten Mal Sechster. Beim zweiten Mal Dritter. „Der Reihe nach müsste jetzt der Sieg kommen.“ Patrick Lange wird am Sonntag genau überprüfen können, ob dies so aufgeht. Richtig ist: Der zweimalige Hawaii-Champion und Ironman-Weltmeister hat mit Frankfurt noch eine Rechnung offen. Bislang ist es dem weiter für den DSW Darmstadt startenden Profitriathleten vergönnt geblieben, bei seinem Heimrennen als Erster im Zielkanal auf dem Römerberg zu sein.

          Unter dem Jubel der Fans dem entgegenlaufen: „Das sind die Momente, die den Geist befeuern können“, sagt der mittlerweile in Hallein bei Salzburg lebende Lange. Der 32 Jahre alte Ausdauerdreikämpfer, geboren und aufgewachsen in Bad Wildungen, sportlich als Darmstädter Triathlet zu einem der Stars der Szene geworden und mit reichlich Ehrungen für seine Erfolge ausgestattet, fühlt sich fit für Frankfurt. Das tun die anderen natürlich auch.

          „Es pusht mich, viele bekannte Gesichter zu sehen“

          Die anderen, das sind Langes deutsche Dauerrivalen Jan Frodeno und Sebastian Kienle. Drei Tage vor dem Europameisterschaftsrennen, das am Sonntag mit dem traditionellen 3,8 Kilometer langen Schwimmen im Langener Waldsee beginnt, präsentiert sich das Trio der Öffentlichkeit. Hoch über den Dächern der Stadt, auch unter den Augen der Hawaii-Ikone Mark Allen, der sechs Mal in Kona triumphierte, ist das Aufeinandertreffen von Lange, Frodeno und Kienle ein erstes verbales Kräftemessen. „Wir sind keine verfeindeten Gegner, die sich bis aufs Blut die Holzklötze zwischen die Beine schmeißen“, sagt Lange – und spielt damit auf so manche Animosität in der Vergangenheit an.

          Das Thema der Gegenwart rund um die heißesten Tage des Jahres ist ein anderes: „Es geht um die innerdeutsche Ehre“, sagt Lange. Darum, dass einer dieses Trios gegen 14.30 Uhr wirklich als Erster die Ziellinie auf dem prallgefüllten Römerberg überquert. Niemand zweifelt daran, dass es einer der drei Deutschen sein wird. „Ich will unbedingt gewinnen“, sagt Lange, der wie in den Vorjahren auch entlang der Strecke „viele bekannte Gesichter sehen wird, was mich nach vorne pusht. Das ist ganz anders als auf Hawaii.“ Auf Big Island herrschen Ödnis und Einsamkeit auf dem Highway und in der Lavawüste, fern abseits der Stadt. Frankfurt ist anders. Am Mainufer, mitten in der City, wird Triathlon nahbar, die Stars sind fast zum Anfassen.

          „Ich gehe jedes Rennen wie mein letztes an“

          Jan Frodeno ist schon länger als Lange ein leuchtender Fixstern am Triathlonhimmel. Olympiasieger, Weltmeister über die Mittel- und Langdistanz – das hat noch keiner geschafft. Mit 37 Jahren ist der zweifache Familienvater der Älteste des deutschen Trios. Am Donnerstag sagt er aus gutem Grund, „dass ich immer noch hungrig bin und Ehrgeiz habe“. Unvergessen die Qualen vorangegangener Rennen in Frankfurt und auch die zuletzt gemachten „schmerzhaften Erfahrungen auf Hawaii“, als das Kreuz verrückt spielte. Auch deshalb, sagt er mit Blick auf die Skyline, „gehe ich jedes Rennen wie mein letztes an“.

          Frankfurt 2019 ist nicht nur für Frodeno der erste Ironman des Jahres. Oliver Schiek, der neue Geschäftsführer von Ironman Europa mit Sitz in Liederbach, kommt sogar erstmals überhaupt in den Genuss eines Rennens am Main. Dass er sich keine Sorgen zu machen braucht, weiß der in Hamburg lebende Manager. „Ich stehe hier ganz ruhig, weil alles funktioniert. Wir haben eine unglaublich gut geölte Maschinerie.“ Mit einem Kapitän an Bord, der in Person von Renndirektor Pascal Morillon ein Kenner der Materie ist. Bei allen bisherigen 17 Frankfurter Rennen ist Morillon dabei gewesen – seit ein paar Jahren und jetzt auch wieder als verantwortlicher Renndirektor, der im Hintergrund mit seiner Mannschaft die Fäden zieht.

          „Die Ruhe, bevor es losgeht, ist etwas ganz besonderes“

          Dass es auch am Sonntag „schön“ wird, wie dies Markus Frank fast schon despektierlich sagt, steht außer Frage. Der Sportdezernent der Stadt Frankfurt, der sich ebenso wie die 3000 Starter auf einen besonders langen Tag einrichten kann, spricht dann immerhin noch von einem „überragenden Produkt, das ein festes Element in unserem Sportkalender ist“. Frank, seit Jahren wie viele andere Politiker und Wirtschaftsführer auch Stammgast beim Ironman, bekräftigt: „Die Vorspannung ist unglaublich.“ Die Minuten rund um den Start, der am Sonntag um 6.25 Uhr für die Profis erfolgen wird, die Ruhe, bevor es losgeht, sind für Frank „etwas ganz Besonderes“.

          Etwas ganz Besonders ist der Wettkampf in Frankfurt auch für Sarah True. Im Vorjahr, bei ihrer Premiere auf der Ironman-Distanz, lief die Amerikanerin auf Anhieb auf Platz zwei. In diesem Jahr, bei ihrer Rückkehr an den Main, sagt die favorisierte 37-Jährige allzu bescheiden, „dass ich weiß, dass ich einen Ironman finishen kann. Ich will aufs Podium.“ Wie auch Daniela Bleymehl. Die Darmstädterin, unter ihrem Mädchennamen Sämmler in die erweiterte Weltspitze gelaufen, fühlt sich ebenso wie ihr Darmstädter Vereinskollege Lange „fit und bereit“. Für die Südhessin, die bislang in ihrer Karriere drei Ironman-Rennen im weltumspannenden Circuit gewonnen hat, gibt es für den heißesten und härtesten Tag des Jahres nur ein Ziel: „Ich will gewinnen. Es wird Zeit, dass eine deutsche Frau gewinnt.“

          Hitzerennen: Trinken, kühlen und auch mal ein Stückchen gehen Was tun gegen die Hitze – vor allem, wenn man einen Ironman absolviert? Trinken, trinken, trinken. Vom Veranstalter des Europameisterschaftsrennens, das an diesem Sonntag zum 18. Mal in Frankfurt ausgetragen wird, werden 30 000 Liter isotonische Getränke bereitgestellt – so viel wie nie zuvor. Auch der Anteil an Eis, das den 3000 Athleten aus 81 Nationen in speziellen Tonnen zur Verfügung gestellt wird, ist von acht auf zwölf Behälter erhöht worden. Vorsorglich und auch in enger Zusammenarbeit mit der Polizei, die bei sportlichen Großereignissen dieser Art grundsätzlich von einer „abstrakten Gefährdung“ ausgeht, wie am Donnerstag ein Sprecher sagte, werden sechs Krankenwagen auf der Laufstrecke dies- und jenseits des Mains positioniert. Zudem haben die Macher um Renndirektor Pascal Morillon die vier Mal zu absolvierende Laufstrecke leicht modifiziert. Im Bereich des Nizza können Profis und Altersklassenathleten auf einem 700 Meter langen Teilstück unter schattenspendenden Bäumen laufen. Der zweimalige Hawaii-Sieger Patrick Lange hat zudem einen ganz pragmatischen Tipp, um der Hitze zu trotzen: „Vielleicht einfach mal ein paar Gehpausen einlegen.“ (raw.)

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