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Interview : „Wir stehen nicht schmollend in der Ecke“

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„Wir wollen den Erfolg des DOSB”: LSB-Präsident Rolf Müller Bild: Christian Klein

Kurz vor der geplanten Grundsteinlegung des DOSB in Frankfurt äußert sich der Präsident des Landessportbundes Hessen, Rolf Müller, über die neuen Führungskräfte und die Stellung des Breitensports.

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          Rolf Müller gilt als einer der schärfsten Kritiker der Fusion von Deutschem Sportbund (DSB) und Nationalem Olympischen Komitee (NOK) zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Kurz vor der Besiegelung des Zusammenschlusses in Frankfurt (siehe FAZ.NET-Spezial: DOSB-Gründung) äußert sich der Präsident des Landessportbundes Hessen über die neuen Führungskräfte, die Stellung des Breitensports und eine möglich abermalige Olympia-Bewerbung Deutschlands.

          Sie waren im vergangenen Jahr einer der schärfsten Kritiker der Fusion von Deutschem Sportbund (DSB) und Nationalem Olympischen Komitee (NOK) zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). An diesem Samstag soll der im Dezember beschlossene Zusammenschluß nun in Frankfurt besiegelt werden. Mit welchen Empfindungen erwarten Sie die Verschmelzung?

          Mit überwiegend positiven Gefühlen. Ich habe im Vorfeld dafür gekämpft, in diesem historischen Vereinigungsprozeß auch für die Landessportbünde eine gute Position zu erreichen. Das ist in weiten Teilen gelungen.

          Sie sprechen von einem historischen Ereignis. Warum können Sie den DOSB heute, anders als noch vor einem halben Jahr, freudig begrüßen?

          Anders als damals herrscht heute einigermaßen Klarheit über die allerdings nicht sehr rosige Finanzsituation des DOSB. Das war ja eine unserer Hauptforderungen: Wir wollten genau wissen, in welche finanzielle Ausgangslage sich die beiden Partner begeben. Zweitens hat sich die Stellung der Landessportbünde in diesem Gesamtgefüge positiv verändert, und drittens hat sich die Atmosphäre zwischen den beteiligten Verbänden, nachdem der Beschluß zur Fusion einmal gefaßt war, deutlich entspannt.

          Sie hatten befürchtet, die Landessportbünde würden unter der Neuordnung des Sports leiden müssen. Sind Ihre Bedenken inzwischen ausgeräumt?

          Grundsätzlich ja. Nach wie vor besteht aber ein großes Manko darin, daß man bisher vor allem über Personen gesprochen hat. Ich wünsche mir, daß nach diesem Wochenende ein Konzept für den neuen Sportbund und eine Beschreibung der Kernaufgaben vorgelegt wird. Personen sind gerade am Anfang natürlich von besonderem Interesse, aber jetzt müssen wir sehen, daß wir das Ganze inhaltlich-strukturell und auch in der vertikalen Aufgabenverteilung zwischen DOSB, den Landesportbünden und den Fachverbänden auf Landesebene organisieren.

          Das heißt, Sie stehen jetzt voll hinter dem Projekt DOSB?

          Wir stehen jedenfalls nicht schmollend in der Ecke, weil wir unterlegen sind. Wir arbeiten jetzt aktiv mit, versuchen, aus dieser neuen Situation für den deutschen Sport das Beste zu machen. Wir wollen den Erfolg des DOSB.

          Wie soll die Idee DOSB mit Leben erfüllt werden?

          Ich will es zunächst einmal negativ beschreiben: Es darf kein Wasserkopf werden, der sich ausschließlich dem Spitzensport auf Bundesebene widmet. Nötig ist eine Aufgabenteilung, bei der die wichtige Rolle der Landessportbünde und der Fachverbände auf Landesebene bei der Nachwuchsförderung des Leistungssports gewürdigt wird. Bisher wird mir noch zu sehr darüber geredet, wie wir den Spitzensport auf Bundesebene organisieren können. Das ist wichtig, aber das Ganze braucht auch einen Unterbau.

          Sind Sie mit der geplanten Besetzung der DOSB-Führung zufrieden?

          Nachdem Thomas Bach uns sehr glaubhaft gemacht hat, daß er die Position des DOSB-Präsidenten nicht als Sprungbrett für höhere Aufgaben beim Internationalen Olympischen Komitee sieht, glaube ich, daß er aufgrund seiner Erfahrung auf internationaler Ebene und vor allen Dingen aufgrund der Tatsache, daß er bisher weder im Präsidium des DSB noch in dem des NOK vertreten war, der richtige Mann ist. Deshalb gestehe ich ihm auch zu, daß er sich seine Mannschaft zusammenstellt.

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