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Interview : "Mit dem Tor im Hinterkopf nach Mainz"

  • -Aktualisiert am

Conor Casey, Fußballprofi vom FSV Mainz 05, ist zu Beginn der Saison vom Karksruher SC zum Erstligaaufsteiger gekommen. An diesem Dienstag trifft er im Pokalspiel auf seinen alten Klub.

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          Wenn Sie an Karlruhe denken, was fällt Ihnen als erstes ein?

          Da fallen mir zunächst die Jungs vom letzten Jahr ein, die Mannschaftskameraden. Wir haben eine gute Zeit zusammen verbracht, es war ein schönes Jahr in Karlsruhe. Ich habe noch viele Freunde dort.

          Und Ihr letztes Tor, das Sie für den KSC geschossen haben?

          Ja, das war eine schöne Sache, es war für den Verein sehr wichtig, daß wir am letzten Spieltag den Klassenerhalt geschafft haben. Es gab viele Gerüchte vorher, daß der Verein im Fall eines Abstiegs aus der zweiten Liga kein Geld mehr gehabt hätte, auch nicht für die Regionalliga. Dann wäre der KSC in die vierte Liga gerutscht, und das wäre katastrophal gewesen. Deshalb war das Tor und der Sieg und der Klassenerhalt Erleichterung pur.

          War Ihnen damals auf Anhieb klar, daß Sie und Ihr Tor auch in Mainz begeistert gefeiert würden?

          Eigentlich nicht. Ich wußte, daß die Mainzer unsere Hilfe brauchten, aber während des Spiels habe ich daran nicht gedacht. Später war ich dann sehr glücklich, daß das alles so gelaufen ist.

          War dieses Tor auch ein Grund dafür, daß Sie im Anschluß nach Mainz gewechselt sind und nicht nach Mönchengladbach?

          Vielleicht hat das Tor im Hinterkopf tatsächlich ein bißchen dazu beigetragen, daß ich nach Mainz gekommen bin.

          Warum Mainz, warum nicht Mönchengladbach?

          Einen ganz genauen Grund kann ich nicht nennen. Ich hatte aus dem Bauch heraus das Gefühl, daß Mainz die richtige Entscheidung ist. Natürlich hat Jürgen Klopp, der Trainer, eine größere Rolle gespielt. Er hat mir als Typ sehr gut gefallen. Vielleicht hat auch das Tor eine Rolle gespielt, jedenfalls hatte ich das Gefühl, daß es für mich besser wäre, nach Mainz zu gehen.

          Ihr persönlicher Start war holprig, erst eine Verletzung, dann ein Stammplatz, den Sie nach einer Dienstreise mit der amerikanischen Nationalmannschaft aber wieder verloren.

          Die Saison ist für uns bis jetzt ganz gut gelaufen. Wir haben gut gespielt und viele Punkte geholt. Ich war zehn Tage mit der Nationalmannschaft unterwegs und bin erst einen Tag vor dem Spiel gegen Leverkusen zurückgekommen, da habe ich dann zu Recht nicht gespielt. Benni Auer hat eine starke Leistung geboten, und dann kann der Trainer eine Mannschaft im nächsten Spiel natürlich nicht wechseln. Ich warte geduldig und werde wieder meine Chance bekommen.

          Mit welchen Zielen, mit welchen Träumen sind Sie vor fast vier Jahren mit 19 nach Europa gekommen?

          Ich wollte es schaffen. Ich war sehr jung, und wußte gar nicht, was dieser Schritt bedeutet. Ich wollte spielen und Tore machen in der ersten Liga. Jetzt bin ich schon dreieinhalb Jahre hier und habe es noch nicht geschafft. Ich hatte erwartet, daß es schneller geht. Aber es ist so gelaufen, wie es ist. Ich hoffe, daß ich dieses Jahr weiterkomme. Ich versuche, mich zu verbessern, und will ein gutes Jahr spielen. Ich habe viele Ziele, das erste ist der Klassenerhalt mit Mainz. Dann kann man weiter nach vorne schauen.

          Dortmund, Hannover, Karlsruhe - was unterscheidet Ihre bisherigen Stationen von Mainz?

          Die Mainzer Mannschaft ist schon lange zusammen, die Spieler kennen einander sehr, sehr gut. Bei den anderen Mannschaften waren entweder viele neue Spieler gekommen oder doch eine Gruppe vorhanden, die noch nicht so lange zusammenspielte. Man merkt in Mainz ganz deutlich, daß dies eine Mannschaft ist, die sich gut kennt, privat und auf dem Platz.

          Ist es für einen Neuen schwer, in diese Gruppe hineinzufinden?

          Ich hatte das gedacht, aber es ist nicht so. Ich fühle mich sehr wohl.

          Es gibt viele gute amerikanische Fußballspieler. Woran liegt es, daß kaum einer von ihnen in Europa den Durchbruch geschafft hat?

          Es gibt wenige, das stimmt. Ein paar Spieler haben über kürzere Zeit Erfolg gehabt, aber Claudio Reyna ist wohl der einzige, der über längere Zeit richtig gut gespielt und den Durchbruch geschafft hat. Warum so wenige? Vielleicht liegt es daran, daß wir es gewohnt sind, zu Hause zu leben. Woanders zu leben ist für viele Amerikaner schwierig - ich glaube, das spielt eine Rolle. Aber wir haben schon ein paar junge Spieler in England, bei PSV Eindhoven in Holland, das entwickelt sich langsam.

          Jürgen Klinsmann hat als Bundestrainer das amerikanische Element in den deutschen Fußball eingeführt - wie beurteilen Sie das?

          Ich finde das gut. Er hat auch ab und zu Kontakt mit der amerikanischen Nationalmannschaft gehabt.

          Was kann man lernen von Amerikanern im Fußball, im Sport?

          Die Lockerheit. In den Staaten trainierst du und hast die ganze Woche Spaß, und am Wochenende gibst du neunzig Minuten alles im Spiel. Du kannst den Fußball genießen. Ich finde, in Mainz geht das genau in diese Richtung. Es wird intensiv gearbeitet, alle wollen gewinnen, aber alles ist nicht so verbissen. Ich war in anderen Mannschaften, wo die ganze Woche alles sehr verkrampft war, wo du nicht gewußt hast, ob du lachen darfst oder nicht.

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