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Interview : „Der Respekt geht verloren“

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Mathias Lippert Bild: F.A.Z. - Helmut Fricke

Fragen an Mathias Lippert, der als Obmann der Schiedsrichter im Fußballkreis Frankfurt für die Unparteiischen in den unteren Ligen verantwortlich ist.

          Fragen an Mathias Lippert, der als Obmann der Schiedsrichter im Fußballkreis Frankfurt für die Unparteiischen in den unteren Ligen verantwortlich ist.

          Als Obmann der Schiedsrichter im Fußballkreis Frankfurt beobachten Sie das Geschehen im Sport genau. Was hat sich aus Sicht der Unparteiischen auf den Fußballfeldern der unteren Ligen verändert?

          Das Verhalten auf und an den Plätzen ist aggressiver geworden. Nicht nur junge Spieler werden ausfallend, sondern auch Eltern beschimpfen vom Spielfeldrand aus immer öfter den Schiedsrichter. Dazu kommen gewalttätige Übergriffe. Erst vor wenigen Wochen musste ein 46 Jahre alter Schiedsrichter nach einem Spiel in Idstein ins Krankenhaus gebracht werden.

          Aber Fouls und meckernde Spieler hat es im Fußball schon immer gegeben.

          Eine Schwierigkeit ist heute: Den Jugendlichen ist der Respekt verlorengegangen. Möglicherweise liegt das an der Erziehung und am gesellschaftlichen Umfeld. Väter, die ihre Kinder nach einem schlechten Spiel ohrfeigen, sind sicher kein gutes Vorbild. Aber auch das Verhalten der Verantwortlichen in den Fußballvereinen lässt oft zu wünschen übrig.

          Was läuft dort nicht richtig?

          Vielen Vereinen sind die Schiedsrichter heute gleichgültig. Gerade für junge Unparteiische ist es wichtig, dass sich vor, während und nach einem Spiel der Schiedsrichterbetreuer der Heimmannschaft um sie kümmert. Leider ist das nicht mehr selbstverständlich. Wegen der aggressiven Stimmung auf dem Platz hört heute rund die Hälfte des Schiedsrichternachwuchses schon im ersten Jahr auf.

          Stimmt es, dass Zuwanderer-Sportvereine besondere Schwierigkeiten machen, wie es die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger jüngst formuliert hat?

          Nein, mit der Herkunft der Spieler lässt sich die Aggression auf dem Platz nicht allein begründen. Schwierigkeiten gibt es auch in sogenannten deutschen und gemischten Mannschaften. Richtig ist aber, dass Zuschauer gelegentlich versuchen, Hass auf einzelne Gruppen zu verbreiten. Provokationen, die unter die Gürtellinie gehen, gibt es nicht nur in der Bundesliga, sondern auch in Kreis- und Bezirksligen.

          Weil die unteren Spielklassen kaum im Rampenlicht stehen, werden die Schwierigkeiten nur selten öffentlich. Ist es da nicht ratsam, so zu reagieren wie kürzlich der Spielleiter im Siegerland, der einen ganzen Spieltag wegen gewalttätiger Auseinandersetzungen abgesagt hat?

          Ehrlich gesagt: Ich habe damals kurz darüber nachgedacht, in Frankfurt das gleiche zu tun. Mit der Reaktion hat der Spielleiter im Siegerland ein überfälliges Zeichen gesetzt. Es ist gut, dass sich jetzt die Medien des Themas annehmen.

          Auch der Deutsche Fußball-Bund hat reagiert und eine Task Force gegen Gewalt eingesetzt. Erreichen solche Initiativen die Beteiligten in Kreis- und Bezirksligen?

          Die Gremien haben die Lage bei Fans und Spielern in den unteren Klassen lange nicht zur Kenntnis genommen. Insofern ist es gut, dass sich nun etwas tut. Doch die Situation verbessert sich bestimmt nicht von heute auf morgen.

          Stehen die Schiedsrichter wirklich auf verlorenem Posten? Ist es nicht auch ihre Aufgabe, Respekt einzufordern?

          Manche Schiedsrichter müssen sich besser präsentieren. Selbstbewusstsein gehört dazu und die Bereitschaft, ein Spiel nicht nur vom Mittelkreis aus zu leiten. Wir müssen deutlich machen: Ohne Schiedsrichter findet kein Spiel statt.

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