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Im Gespräch: Bernd Moos-Achenbach : „Chancen für Henninger-Rennen 2009 stehen 50:50“

  • -Aktualisiert am

„Die Chancen stehen 50:50”: Ob das Traditionsrennen in diesem Jahr stattfindet, ist ungewiss Bild: F.A.Z. - Wonge Bergmann

Der Dopingfall Stefan Schumacher hat auch Konsequenzen für das Rad-Rennen „Rund um den Henninger Turm“. Es ist mehr denn je gefährdet, wie der Veranstalter, Bernd Moos-Achenbach, berichtet. Zumal noch ein neuer Titel-Sponsor gesucht wird.

          Der Dopingfall Stefan Schumacher vom Team Gerolsteiner hat auch Konsequenzen für das Rad-Rennen „Rund um den Henninger Turm“. Es ist mehr denn je gefährdet, berichtet der Veranstalter.

          Was war denn ihr erster Gedanke, als sie vom Dopingfall des Radprofis Stefan Schumacher gehört haben?

          Mein erster Gedanke war, dass es immer noch dumme Radsportler gibt. Der Herr Schumacher ist doch im vergangenen Jahr nur knapp nicht des Dopings überführt worden. Dass der immer noch nichts gelernt hat, da habe ich überhaupt kein Verständnis für.

          Ihr zweiter Gedanke galt sicher dem eigenen Rennen „Rund um den Henninger-Turm“, oder?

          Die Nachricht kam genau in dem Moment, als ich mitten in den Verhandlungen mit einem neuen möglichen Titelsponsor stand. Und das macht sich dann überhaupt nicht gut.

          Gehen Ihnen jetzt die Argument aus?

          Die Argumente sind sicherlich nicht mehr so gut wie sie mal waren. Ich muss wieder neu für mein Rennen werben, weil viele nicht wissen, dass ich ja nicht nur Profis am Start habe, sondern auch junge Fahrer, die Jedermänner, die Skater und so weiter.

          Aber vor drei Tagen waren die Argumente pro professioneller Radsport doch auch nicht viel besser, oder?

          Vorher waren die Argumente nicht viel besser, allerdings ist durch die Überlegungen der ARD, die Radsportübertragung womöglich einzustellen, die Lage noch einmal schwieriger geworden.

          Was bedeutet das für Sie?

          Wenn die ARD aussteigt, bedeutet das für mich, dass ich das nicht weiterführen kann, was ich bisher gemacht habe. Wir hatten zuletzt 36 Stunden Liveübertragung weltweit – und das ist schon ein Zugpferd. Wenn das wegfällt, wird es noch schwieriger.

          Ist es denn eine Alternative für Sie, sich aus dem Profiradsport zurückzuziehen und nur noch ein Amateur- und Jedermannrennen zu veranstalten? Einfach um das Henninger-Rennen am 1. Mai nicht sterben zu lassen.

          Darüber haben wir auch schon nachgedacht. Mein Vater und mein Onkel, die das Henninger-Rennen groß gemacht haben, hatten das Ziel, für die Jugend zu arbeiten. Wir haben ja am 1. Mai nie eine große Show gemacht, sondern auf den Sport und auf die jungen Leute gesetzt. Wenn ich ohne Profis fahre, entstehen aber wieder andere Probleme: Allein die Absperrmaßnahmen für das Rennen, die würden ja genauso aufwendig bleiben. Nur mit Profis bekommt man die Zuschauer und die Medien. Ohne das Profirennen würde ich in großen Teilen aufgeben.

          Also kommt eine Rennen ohne Profis nicht infrage?

          Nein, ich habe mich von dem Gedanken noch nicht verabschiedet. Ich muss das noch durchrechnen. Für mich ist das Entscheidende: Was machen die Medien.

          Wird am 1. Mai 2009 ein Henninger-Rennen in Frankfurt gestartet?

          Die Chancen stehen 50:50.

          Ihr Kölner Kollege, der Veranstalter des Rennens „Rund um Köln“, hat gesagt: „Die Dopingproblematik reißt uns den Boden unter den Füßen weg.“

          Es ist ja auch die Frage, was da noch alles herauskommt. Überall wird jetzt berichtet, dass noch 30 weitere Rennfahrer überführt werden könnten. Wenn das so weitergeht, ist das natürlich unserem Rennen nicht zuträglich.

          Stefan Schumacher galt auch mal als Repräsentant der neuen, deutschen, sauberen Radsportgeneration . . .

          . . . beim Stefan Schumacher habe ich mich ehrlich gesagt nicht groß gewundert. Mich würde es wundern, wenn ein Linus Gerdemann auffallen würde – das ist für mich die neue Generation. Wenn die Jungen auffallen würden, fände ich das sehr schade. Dann wäre es noch verlogener.

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