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Handball : Am Hinrundenende blicken die Wallauer nach vorne

Wer hätte das gedacht? Unbekümmert und jugendlich frisch kommt die SG Wallau/Massenheim daher, klettert in der Handball-Bundesliga behende weiter nach oben.

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          Wer hätte das gedacht? Unbekümmert und jugendlich frisch kommt die SG Wallau/Massenheim daher, klettert in der Handball-Bundesliga behende weiter nach oben und belehrt mit spielerischer Leichtigkeit die vielen Skeptiker, die der von allerlei Problemen gebeutelten Mannschaft in dieser Saison viel weniger zugetraut hätten. Am Samstag abend gelang den Spielern von Trainer Martin Schwalb ein weiterer Beweis, daß mit ihnen zu rechnen ist. Das 40:28, das den "Panthern" gegen Frisch Auf Göppingen gelang, war zwar kein Meisterwerk der hohen Handballkunst, aber doch ein ansehnliches Stück erstklassigen Sports, das 2700 Zuschauer in der Ballsporthalle zeitweise sogar genießen konnten. Durch die Härte, die der abstiegsbedrohte Gegner unnötigerweise ins Spiel brachte, war manches weniger attraktiv, als es hätte sein können. Aber dennoch: Nach sechzig unterhaltsamen und von der SG meist überlegen geführten Spielminuten erhoben sich die Fans von ihren Plätzen und spendeten minutenlang Beifall.

          Platz acht in der Bundesliga ist der Lohn für die gelungene Arbeit. Kein Wunder, daß sich Trainer Schwalb nach dem letzten Spiel der Hinrunde rundherum zufrieden zeigte. "Wir wollten mit einem positiven Punktekonto in die Rückrunde starten, das haben wir erreicht", sagte der Wallauer Trainer. "Mit all dem, was da unten los ist, haben wir nichts zu tun." Da unten - damit ist die Abstiegszone der Liga gemeint. Tatsächlich scheinen sich die Wallauer von deren Sog völlig befreit zu haben. Spätestens das Unentschieden, das die SG von ihrem jüngsten Auswärtsspiel bei TUSEM Essen mitgebracht hatte, zeigte, daß der Trend eher nach oben zeigt.

          Daß derzeit die Wallauer Formkurve ansteigt, dafür ist freilich auch die eine oder andere Voraussetzung nötig. Ein Mann ist in den vergangenen Monaten besonders wertvoll für die SG Wallau geworden: Igor Lawrow. Der Russe, der kürzlich noch angeschlagen war, spielt derzeit auf einem Klasseniveau. Er verteilt als Regisseur in der Angriffsmitte nicht nur den Ball exakt und mit in der Bundesliga nicht allzu verbreiteter technischer Finesse, sondern der vor Kraft strotzende, nicht allzu groß gewachsene Wirbelwind sorgt auch für Tore. Oft sind sie spektakulär, zuweilen schießt Lawrow aus der Hüfte, läßt die pfeilschnellen Würfe auf dem Weg ins Tor ansteigen. Doch Lawrows größtes Talent ist sein Auge für die Mitspieler. So kommt es, daß bei Wallau auch ein Nachwuchsmann wie der vor ein paar Tagen zwanzig Jahre alt gewordene Dominik Klein ein tolles Spiel liefern kann. Klein spielte auf Linksaußen so flink und noch ein Stückchen unbekümmerter als der Rest des Teams - und erzielte dabei auch noch sechs Tore. Natürlich lobte Martin Schwalb seinen Nachwuchsmann, für den die Partie gegen Göppingen sein erster längerer Einsatz in der Bundesliga war. Aber Klein ist ein diffiziles Thema für die Spielgemeinschaft. Der junge Linksaußen ist nur per Zweitspielrecht für die Wallauer aktiv. Seine sportliche Heimat ist der Tuspo Obernburg, bei dem Klein auch mittelfristig seine Zukunft sieht. So jedenfalls ist die offizielle Darstellung von SG-Manager Bülent Aksen. Schon möglich, daß Aksen sich absichtlich bedeckt hält, denn der Fall Klein hat in der Vergangenheit schon für ein wenig Wirbel gesorgt. In Großwallstadt, wo der Linksaußen im vergangenen Jahr noch sein Zweitspielrecht wahrnahm, war man jedenfalls alles andere als angetan über den Wechsel nach Wallau.

          In erstaunlich großer Form zeigte sich gegen den Traditionsklub aus Schwaben auch Kleins Kollege auf der anderen Seite. Nicht der Isländer Einar-Örn Jonsson ist damit gemeint, sondern jener Mann, der ihn in der zweiten Hälfte ablöste: Christian Rose, dessen Stammplatz eigentlich der halbrechte Rückraum ist, spielte mit vollem Einsatz und steuerte sechs Treffer zum Erfolg über Göppingen bei. Das Engagement, mit dem Rose zur Sache geht, ist keineswegs selbstverständlich. Der Nationalspieler hat immer noch mit den Nachwirkungen einer schweren Ellenbogenverletzung zu kämpfen. Vergangene Woche kam nun auch noch ein gebrochenes Nasenbein dazu, das Rose sich im Training bei einem Zusammenprall mit dem wuchtigsten Spieler der Wallauer, Jan Olaf Immel, zugezogen hat. An diesem Montag muß der Linkshänder unters Messer. "Ein kleiner, korrigierender Eingriff", sagt Schwalb, der aber auch nicht weiß, ob Rose am Freitag im mit Spannung erwarteten Topspiel gegen den THW Kiel dabeisein kann. Die Partie gegen das Spitzenteam von der Ostsee hat gute Chancen, ausverkauft, zu sein und könnte eine Reminiszenz an große Handballzeiten werden. Manager Aksen jedenfalls scheint zuversichtlich, was das Interesse der Fans betrifft: "Wenn weniger als 4000 kommen", sagte er locker, "trete ich zurück."

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