https://www.faz.net/-gzg-12kso

Gutenberg-Marathon : Die besten Läufer machen einen Bogen um Mainz

  • -Aktualisiert am

Dieses Jahr laufen beim Gutenberg-Marathon nicht die deutschen Asse mit. Bild:

Der Gutenberg-Marathon ist zwar die offizielle deutsche Meisterschaft über die klassische 42,195-Kilometer-Strecke - doch die nationalen Asse fehlen. Die finanziellen Gewinnmöglichkeiten sind begrenzt.

          Vielleicht, sagt Disziplintrainer Detlef Uhlemann, könne man die Situation am besten mit dem alpinen Skizirkus vergleichen. Dort sind die besten deutschen Frauen und Männer monatelang im Einsatz, quasi weltweit, Punkte und Siege bedeuten bares Geld, und wenn die nationalen Meisterschaften anstehen, sind sie zumeist nicht am Start. Ähnlich verhält es sich mit den deutschen Marathontitelkämpfen an diesem Sonntag in Mainz, wobei es kein neues Phänomen ist, dass die Elite überwiegend fernbleibt. Doch noch selten war die Abwesenheit der Spitzenklasse so auffällig wie in diesem Jahr. Beim Gutenberg-Marathon sind die finanziellen Gewinnmöglichkeiten sehr begrenzt, und weil die laufenden Profis maximal dreimal im Jahr die klassischen 42,195 Kilometer absolvieren können, wählen sie den Asphalt in Städten, wo sie angemessen honoriert werden.

          Irina Mikitenko, derzeit weltbeste Marathonläuferin, ist bereits Ende April beim London-Marathon am Start gewesen, Europameisterin Ulrike Maisch startete quasi zeitgleich in Hamburg, am zurückliegenden Sonntag in Düsseldorf waren Susanne Hahn und Claudia Dreher vertreten. Luminita Zaituc wird am 17. Mai beim Ruhr-Marathon an der Linie stehen, Sabrina Mockenhaupt konzentriert sich bis zur Weltmeisterschaft im August auf die Bahnsaison. Was bleibt für Mainz aus den aktuellen Top Ten, sind Bernadette Pichlmaier (LAG Mittlere Isar/2:38:00), Silvia Krull (LG Lage/Detmold/2:38:21) und Birgitt Bohn (Spiridon Frankfurt/2:43:04). Bei den Männern ist die deutsche Nummer 4, Stefan Koch vom TV Wattenscheid, der Titelfavorit. Und die anderen? Der Jahresbeste 2008, Falk Cierpinski von der SG Spergau (2:13:30), lief ebenso in Düsseldorf wie der beste Deutsche vom Frankfurter Oktober 2008, André Pollmächer aus Chemnitz (2:14:18), Titelverteidiger Martin Beckmann sowie der Jahresbeste von 2006, Ulrich Steidl.

          Ausgebucht mit 10000 Teilnehmern

          Man könne schließlich niemanden zwingen, in Mainz teilzunehmen, sagt Uhlemann. Dennoch hätten die Meisterschaften ihren Stellenwert, jedenfalls intern, denn in der Liste der Normwettkämpfe auf dem Weg zum WM-Marathon in Berlin genießt der Gutenberg-Marathon höchste Priorität. Die Wirklichkeit allerdings wird vom Markt geregelt. Weil in Mainz nur Sieg- und Plazierungsprämien und keine Antrittsgelder gezahlt werden, halten sich die Besten zurück, obwohl Susanne Hahn im Vorjahr mit 2:29:33 Stunden gezeigt hat, dass der Kurs recht schnell ist. Doch ihren Titel verteidigen wollte sie nicht, gewann stattdessen in Düsseldorf in 2:29:26 Stunden, persönlicher Bestzeit. „Mit den ganz Großen werden und wollen wir nicht mithalten“, sagt Projektleiter Dieter Ebert vom Sportamt Mainz. 200 Kilometer entfernt hingegen teilte der nicht unvermögende Düsseldorfer Renndirektor Jan Winschermann mit, dass er auf „private Mittel“ zurückgegriffen habe, um sein Elitefeld zu besetzen.

          Der Gutenberg-Marathon ist beliebt in der Szene und stets rasch ausgebucht mit 10 000 Teilnehmern, doch er bleibt auch im zehnten Jahr seines Bestehens vornehmlich eine Breitensportveranstaltung. Das Label „deutsche Meisterschaft“, das zum dritten Mal in Folge präsentiert wird, änderte daran wenig. Aber es eröffnet zumindest Chancen für die Läuferinnen und Läufer aus der dritten und vierten Reihe, die allerdings mit der WM-Nominierung von Uhlemann zwei Wochen später nichts zu haben. Und so dürfte Koch (Bestzeit 2008: 2:15:38) der einzige deutsche Mainz-Starter sein, den man drei Monate später bei der WM wiedersehen könnte. Rein theoretisch bestünde die Möglichkeit, die Meisterschaften in die zahlungskräftigen Topveranstaltungen zu integrieren und somit die besten Deutschen quasi „im Paket“ zu verpflichten. Etwa in Berlin, in Hamburg, in Frankfurt, in Köln oder in Düsseldorf. Doch unabhängig davon, ob die jeweiligen Renndirektoren dies überhaupt wollen, stehen diesem Ansatz die Interessen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), genauer des DLV-Topsponsors Nike, entgegen. Berlin wird vom Konkurrenten Adidas unterstützt, Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf von Asics, Köln von Puma. Und mehr als ein kooperierender Sportartikelhersteller pro Standort geht nun einmal nicht.

          Weitere Themen

          Gift im Herzen

          „Othello“ in Darmstadt : Gift im Herzen

          Dieses Drama kann man nicht nur als einen Text über Rassismus lesen: Am Staatstheater Darmstadt geht es in Shakespeares „Othello“ um den Kampf zwischen Gut und Böse.

          Topmeldungen

          2007 sitzt Kanzlerin Angela Merkel von dem Eqi Gletscher in Dänemark – heute ist der Klimawandel eine ihrer größten Herausforderungen. (Archivbild)

          Klimapolitik der CDU : Die größte Baustelle der Merkel-Ära

          Die CDU will endlich den gordischen Klima-Knoten durchschlagen. Es wäre aber schon viel gewonnen, wenn der Preis auf Kohlendioxid nicht so endet wie die Energiewende.

          Brexit-Treffen : Johnson blitzt bei Juncker ab

          Der britische Premierminister Johnson hatte Zuversicht verbreitet, doch seine Gespräche mit Kommissionschef Juncker blieben ohne konkretes Ergebnis. Das erste Treffen zwischen den beiden Politikern findet ein kurioses Ende.
          Samstagabend in Lampedusa: 82 Gerettete wurden an Land gebracht

          Italien und die Seenotrettung : Vorübergehend berechenbar

          Die neue Regierung in Italien dreht im Streit über private Seenotretter bei. Doch das Grundproblem des Dubliner Übereinkommens bleibt bestehen. Regierungschef Conte verlangt Reformen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.