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Eintracht Frankfurt : Der Goldschatz ist noch nicht verloren

  • -Aktualisiert am

Man kann nicht immer Sieger sein: Eintracht-Verteidiger Hinteregger nach der Klatsche von Leverkusen Bild: dpa

Vergebene Chancen, die nächste Europa-Reise vorab zu buchen, fünf Spiele ohne Sieg, die Müdigkeit: Es gibt nun viele Gründe für die Eintracht-Profis, auf der Zielgeraden einzuknicken. Aber der Grund, es nicht zu tun, ist noch viel besser.

          Die anderen Mannschaften spielen für die Eintracht, die Eintracht ist aber nicht mehr in der Lage, für sich selbst zu spielen. Am 32. Spieltag der Bundesliga ereilte sie der Zusammenbruch, den viele schon viel früher erwartet hatten. Es hätte am Sonntag nur eines Unentschiedens gegen die Werkself bedurft, um mit einem Heimsieg am nächsten Sonntag gegen Mainz die Qualifikation für die Königsklasse zu vollziehen. Die Wirksamkeit dieses einen Punktes mag Eintracht-Trainer Hütter mit dazu bewogen haben, es in Leverkusen mit der defensivsten Formation der Saison zu versuchen: vier Innenverteidiger in einer Viererkette mal nebeneinander, mal leicht versetzt aufgereiht, dazwischen Libero Hasebe. Willems und Fernandes als Sechser davor. Der Plan ging so gründlich schief, dass er im Nachhin- ein wie ein Hirngespinst wirkt.

          Sechs Gegentore in 36 Minuten – viel schlimmer kann es ganz ohne Abwehr nicht kommen. Hütter deswegen zu verdammen wäre dennoch ungerecht. Der Österreicher hat über die gesamte Saison sein Gespür dafür bewiesen, den Zustand der Mannschaft auszuloten, welche Maßnahmen er treffen muss, um der Dauerbelastung zu trotzen. Dabei ging er eher behutsam mit dem Rotationsprinzip um, setzte fast immer auf bewährte Lösungen. Wenn er den Eindruck hatte, am 32. Spieltag erstmals auf eine Fünferkette setzen zu müssen, dann entschied er sich nicht aus Übermut dafür, sondern weil er es für unumgänglich hielt.

          Auf dem Zahnfleisch

          In seinem Kader sind nun mal viele zentrale Abwehrspieler fit und in Form (mit Falette, der auf der Ersatzbank saß, fünf). Dagegen gehen viele offensivere Kräfte auf dem Zahnfleisch. Rode (nicht mal im Kader), Gacinovic und Jovic benötigten dringend eine Pause vor der nächsten Aufgabe am Donnerstag in Chelsea. Also suchte Hütter ein System, das den Stärken seiner fitten Spieler entgegenkam.

          Dass die Taktik so krachend scheiterte, hatte mehrere Ursachen. Zunächst die Tatsache, dass die defensive Ausrichtung nach dem ersten Schuss der Leverkusener auf das Frankfurter Tor schon obsolet war. Nach dem 0:1 in der zweiten Minute hätte eine Offensivformation besser gepasst. Das Vertrauen in die Aufstellung war dahin. Dass die Ersatzleute auch kein Vertrauen entwickelten, bedarf keiner Erwähnung. Erschwerend hinzu kamen die Klasse und die Lust einer Leverkusener Mannschaft, die nach neuntägiger Spielpause darauf brannte, ihre Chance wahrzunehmen, doch noch den Einzug in die Champions League möglich zu machen. Für die Eintracht ergab sich eine Spirale des Untergangs, der sie sich auch nicht durch den glücklichen Treffer zum 1:2 entziehen konnte.

          Eintracht hätte es sich leichter machen können

          Die vergebenen Chancen, die nächste Europa-Reise vorab zu buchen, fünf Pflichtspiele ohne Sieg mit der Leverkusener Klatsche als Tiefpunkt, die immer größer werdende Müdigkeit: Es gibt nun viele Gründe für die Eintracht-Profis, auf der Zielgeraden einzuknicken. Aber der Grund, es nicht zu tun, ist noch viel besser. Der Goldschatz liegt noch zum Greifen nahe. Ein 2:2 in London bringt das Finale der Europa League, ein Heimsieg gegen Mainz die Aussicht, Platz vier in der Bundesliga und die damit verbundene Kampagne in der Königsklasse bis zum Schlussvorhang zu verteidigen.

          Dass sie es sich viel leichter beim Bergen des Goldschatzes hätten machen können, müssen die Frankfurter aus ihren Köpfen genauso verbannen wie den Gedanken, dass sie am Ende ganz mit leeren Händen dastehen könnten. Es ist allerdings eine nahezu unmöglich zu lösende Aufgabe.

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