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Fußball : Klopp will seine Mainzer stark machen

Als die Stuttgarter Fans zum ersten Mal die Welle auf die Reise durchs Gottlieb-Daimler-Stadion schickten, strandete sie im Mainzer Block. Pfiffe. Die Rheinhessen als Spielverderber?

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          Als die Stuttgarter Fans zum ersten Mal die Welle auf die Reise durchs Gottlieb-Daimler-Stadion schickten, strandete sie im Mainzer Block. Pfiffe. Die Rheinhessen als Spielverderber? Nun, man mußte Nachsicht haben mit den Mainzer Anhängern, was sie bis dahin sahen, war nicht das, worauf sie gehofft hatten. Die Bundesligapremiere des Aufsteigers aus Mainz war am Ende nicht nur wegen des Ergebnisses von 2:4 einigermaßen mißraten, sondern auch wegen des Spielverlaufs, der über weite Phasen der Partie doch arg einseitig war. Damit mußten sich die Mainzer Fans, rund achttausend hatten sich auf den Weg nach Stuttgart gemacht, erst einmal anfreunden. Doch im Laufe der zweiten Halbzeit schafften es die Mainzer Spieler auf dem Platz, den Anhang auf den Tribünen zu versöhnen. Trainer Jürgen Klopp hatte zur Pause reagiert, den völlig indisponierten Mittelfeldmann da Silva durch den routinierten Kramny ersetzt und später auch noch Casey und Weber für Auer und Dworrak gebracht, und weil auch die Stuttgarter zwar ihre Tore immer noch schossen, wenn sie vonnöten waren, sich ansonsten aber ein bißchen in lustvoller Schönspielerei übten, sah das Ganze für den Aufsteiger doch deutlich besser aus. Als Cacau zwölf Minuten vor Schluß die Stuttgarter Führung zum Endstand ausgebaut hatte, war das Spiel zwar endgültig für die eindeutig bessere Mannschaft entschieden, doch ein Debakel, nach dem es vor der Halbzeit noch ausgesehen hatte, war es nicht geworden. Die Mainzer Fans hatten sich zu diesem Zeitpunkt ebenso wie die Spieler längst mit der Niederlage abgefunden - und sich offenbar entschlossen, darüber die gute Laune nicht zu verlieren. Und so lief die Welle, wieder angezählt im Stuttgarter Block, diesmal rund und ungebremst durch das Stuttgarter Stadion.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          So richtig gute Laune wollte unter den Mainzer Spielern dann aber doch nicht aufkommen. Sie wirkten niedergeschlagen, wußten, daß sie sich unter Wert verkauft hatten, daß sie mit zuviel Respekt in die Partie gegangen waren, daß sie den Stuttgartern mit haarsträubenden Stellungsfehlern die Tore mehr oder weniger geschenkt hatten. "Bei den ersten drei Treffern haben wir mitgeholfen", sagte Kramny, der in der ersten Halbzeit von außen mit ansehen mußte, wie die Mainzer ihr laufintensives Spiel, ihr Offensivpressing nicht durchsetzen konnten. "Wir sind viel gelaufen", sagte Kramny. "Aber wenn man nur hinterherläuft, dann reicht das nicht." Jede Balleroberung war für die Mainzer ein Kraftakt, und kaum hatten sie das Spielgerät einmal in ihren Reihen, war es umgehend wieder verloren. "Zuwenig Mut", bemängelte Kramny, zuwenig Schwung und Selbstbewußtsein im Spiel nach vorn. Der Gegner zu übermächtig? Gut, einen technisch brillanten Spieler wie Hleb haben die Mainzer nicht zu bieten, Soldo ist eine Größe im defensiven Mittelfeld und Cacau treffsicher wie noch nie, doch der Rest? "Spieler wie Hinkel", sagt Kramny, "das sind auch keine Überkicker. Aber sie haben das gegen uns ziemlich cool heruntergespielt." Ruhig aufgebaut, die freien Räume mit einfachen, schnörkellosen Pässen genutzt, im richtigen Augenblick die Seiten gewechselt, präzise geflankt, so spielten die Stuttgarter - und so hatten auch die Mainzer spielen wollen. Doch was ihnen fehlte, war in manchen Szenen die individuelle Qualität, in den meisten aber einfach der übergroße Respekt, mit dem der Aufsteiger ins Stadion gekommen war. Das sollte sich ändern lassen. "Meine Spieler wissen noch nicht, wie stark sie sein können", sagte Trainer Klopp. "Wir werden so lange arbeiten, bis sie es wissen." Was Klopp in Stuttgart als Erfolg wertete, war die zweite Halbzeit. In der Phase vor der Pause sei seine Mannschaft "weggebrochen", sagte er. Da habe sie völlig den Glauben an sich verloren. Diese kritische Phase habe sie überstanden, nun werde man die Woche nutzen, um die Fehler zu analysieren - und es am Samstag im Heimspiel gegen den Hamburger SV besser zu machen. Der Mithilfe von 18000 Zuschauern können die Mainzer dabei gewiß sein.

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