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Fußball : Der mit der Legende lebt

  • -Aktualisiert am

Sie nennen ihn Holz: Bernd Hölzenbein Bild: imago

Seit fast 32 Jahren lebt er mit der Legende. Mit der „Schwalbe“ im Weltmeisterschaftsfinale von 1974. Der große Frankfurter Fußballspieler Bernd Hölzenbein wird 60 Jahre alt.

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          Sie nennen ihn Holz. Der Kosename kommt aber nicht von seiner einstigen Spielweise, „denn die war eher schneeflockenhaft leicht, bisweilen sogar eine Art musischer Fußball, kaum zu sehen hierzulande, höchstens in Brasilien“. So hat einmal der schwäbische Publizist Hans Blickensdörfer von der Leichtigkeit Bernd Hölzenbeins geschwärmt, Fußball zu spielen, und klargestellt, daß Holz das hessische Kürzel von Hölzenbein und nicht die Kurzform von Hölzern ist. Denn wie ein Schmetterling pflegte Bernd Hölzenbein durch den Strafraum zu schweben - so auch durch den holländischen im Endspiel um die Fußball-Weltmeisterschaft 1974.

          Drei Holländer, als letzter Johan Neeskens, konnten die Nummer 17 nicht stoppen. Da fuhr Wim Jansen seitlich die Grätsche aus, um das Dribbling endlich zu beenden. Aus dem Schmetterling wurde eine Schwalbe. Der Abflug führte zum Elfmeter - und führte zum Ausgleich durch Paul Breitner. Die Wende. Gerd Müller schoß das 2:1. Deutschland wurde Weltmeister. Die Schwalbe aber ist zur Legende geworden wie das Wembley-Tor im Endspiel England gegen Deutschland acht Jahre zu vor.

          „Instinktiver Selbstschutz“

          An diesem Donnerstag wird Bernd Hölzenbein sechzig Jahre alt - ein Jubiläumstag, an dem seine schillernde Karriere in der Laudatio wieder einmal auf diese Münchner Momentaufnahme in der 25. Minute am 7. Juli 1974 reduziert wird. Trotz der 40 Länderspiele mit fünf Toren, trotz der 420 Bundesligaeinsätze für die Eintracht mit 160 Toren, trotz des Gewinns der Weltmeisterschaft 1974, des Uefa-Cups 1980 und der drei Pokale 1974, 1975 und 1981. Trotz vieler wundervoller Tore für die Eintracht wie das mit dem Kopf auf dem Rasen sitzend in letzter Sekunde gegen Dinamo Bukarest, das das Weiterkommen - und letztlich den Triumph - im UEFA-Pokal 1979/80 bedeutete.

          Deutschland ist Weltmeister: Bernd Hölzenbein mit dem WM-Pokal (1974)

          Seit fast 32 Jahren lebt Bernd Hölzenbein mit der Legende. Die Schwalbe ist zu seinem Wappentier geworden. Der Vogel hat ihn zwar berühmt gemacht, tut ihm aber Unrecht. Nie, auch nicht vertraulich im Freundeskreis und schon gar nicht für viel Geld, das ihm einmal ein holländischer Fernsehsender für das Geständnis, „Ik liet me vallen“, bot, ist Hölzenbein von seiner Überzeugung abgerückt, nichts Unfaires begangen zu haben. Die „Bild-Zeitung“ schockte zwar elf Wochen nach dem WM-Sieg die Nation mit seinem angeblichen Geständnis: „Jawohl, ich habe mich hingelegt.“ Der Frankfurter Reporter, bis dahin ein Vertrauter, habe ihm den Satz in den Mund gelegt. Hölzenbein erzwang eine Gegendarstellung.

          Denn genau das Gegenteil beteuerte er immer wieder. Auch heute noch: „Das Fallen war keine kalkulierte Absicht, sondern instinktiver Selbstschutz gegen den Versuch eines groben Fouls von Jansen. Wer läßt sich schon ein Bein durchtreten und die Knochen brechen? Ich war damals mit dem Ball eng am Fuß extrem schnell und bin immer direkt auf den Gegenspieler zugelaufen, mit hohem Tempo. So schnell konnte Jansen das Bein gar nicht zurückziehen.“ Also ist er instinktiv hochgesprungen und gestolpert. „Ich habe nur automatisch reagiert wie ein Boxer, der einem Schlag ausweicht. Ein Schutzreflex. Ich bin kein Betrüger.“

          „Der ausweichende Gepard“

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