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Fußball : Den Enkeln vom Aufstieg erzählen

"Ich fühle eigentlich gar nichts, nur Leere." Mit diesen Worten begann für Jürgen Klopp der zweite große Anlauf. Die unfaßbare Leere, die sich am 5.Mai 2002 nach der Niederlage von Mainz 05 bei Union Berlin und dem verpaßten Aufstieg in die Bundesliga breitgemacht hatte, hielt nicht lange.

          "Ich fühle eigentlich gar nichts, nur Leere." Mit diesen Worten begann für Jürgen Klopp der zweite große Anlauf. Die unfaßbare Leere, die sich am 5.Mai 2002 nach der Niederlage der Mainzer bei Union Berlin und dem verpaßten Aufstieg in die Bundesliga breitgemacht hatte, hielt nicht lange. Eigentlich nur einen Tag, dann fing Klopp wieder von vorne an. "Ich will, wenn die nächste Saison beginnt, jeden Zuschauer, der sein Herz für uns entdeckt hat, in unserem neuen Stadion sehen." Und sie sind alle gekommen; im letzten, 5:1 gewonnenen Heimspiel gegen Lübeck waren es fast 19000 - soviel wie noch nie in der Vereinsgeschichte. Sie haben den Schock von damals überwunden, Mannschaft wie Zuschauer, aber eine ganz leichte Übung war das nicht. Klopp hatte drei seiner besten Spieler verloren: Manuel Friedrich ging nach Bremen, Blaise N'Kufo und Markus Schuler verbesserten sich in Richtung Hannover - wenn auch nur finanziell, regelmäßig Fußball gespielt haben sie seither nicht mehr. Rund vier Millionen Euro brachten die Verkäufe in die Mainzer Kasse, nur 60000 Euro gaben sie zunächst wieder aus: für Mathias Abel, Andreas Buck, Spasoje Bulajic und Igoris Morinas. Später ließen sie sich Benjamin Auer noch eine bescheidene sechsstellige Summe kosten - das mußte reichen, den Rest steckten sie ins Stadion.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Die Runde begann dort, wo sie in der letzten Saison geendet hatte: bei Union Berlin, diesmal mit einem 2:0-Sieg. Zwei weitere Siege folgten, dann ging es allmählich bergab, bis auf Platz neun am zwölften Spieltag. Damit war der Tiefpunkt erreicht, vier Spieltage später stand die Mannschaft wieder auf Platz vier und spielte von da an ausnahmslos um den dritten Platz mit. Eine Spitzenmannschaft mit bescheidenen Mitteln - Klopp hatte aus wenig wieder viel gemacht.

          Verlassen konnte er sich dabei in erster Linie auf Andrej Woronin. Der 23 Jahre ukrainische Angreifer geht mit zwanzig Toren und damit als bester Torjäger der Liga ins Saisonfinale. Woronins enormer Leistungssprung hat Klopp über einige Probleme hinweggeholfen, die nach dem Abschied von Manuel Friedrich und Markus Schuler in der Abwehr auftauchten und am schmerzhaftesten beim 3:4 in Ahlen zu spüren waren.

          Was auffiel in dieser wiederum starken Mainzer Saison: Den wenigen schwachen Spielen - zu Hause gegen Greuth, in Aachen, in Ahlen - ließen die Mainzer jeweils umgehend furiose Auftritte folgen: beim 4:1 in Köln, beim 3:2 gegen Frankfurt, beim 5:1 gegen Lübeck. Immer wenn sie schon halb abgeschrieben waren, kamen sie eindrucksvoll zurück.

          Was die Mainzer weitergebracht hat in ihrer dreizehnten Zweitligasaison ist das neue Stadion, das noch immer nicht ganz fertiggestellt ist, aber schon jetzt eine dichte Fußballatmosphäre garantiert, ein Erlebnis für Spieler und Fans, das ansteckend und leistungsfördernd wirkt. "Wir haben jetzt eine Fußballkultur in Mainz", sagt Manager Christian Heidel, und schon dafür hat sich diese Saison für die Rheinhessen gelohnt.

          Am Sonntag fahren sie nun wieder zu einem "Endspiel", diesmal nach Braunschweig. Wieder haben sie es in der Hand; sie müssen gewinnen, wenn auch die Frankfurter Eintracht gewinnt, und sie brauchen dabei einen Sieg, der mindestens ein Tor höher ausfällt als jener zu erwartende der Eintracht gegen den SSV Reutlingen. "Ich hatte gehofft, daß man von dieser Saison und vom Aufstieg noch seinen Enkeln erzählen kann", hatte Klopp im Mai vergangenen Jahres gesagt. Der Traum war damals in Berlin geplatzt, jetzt darf er in Braunschweig noch einmal geträumt werden.

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