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Fußball : Benjamin Auer befreit sich selbst

Da sage noch einer, Benjamin Auer sei nicht schnell auf den Beinen. Zwar hat der Mainzer Mittelstürmer bei 1,86 Meter Größe 81 Kilogramm zu bewegen, aber er erzielte das entscheidende 3:2 im Spiel gegen die Eintracht.

          Da sage noch einer, Benjamin Auer sei nicht schnell auf den Beinen. Zwar hat der bullige Mainzer Mittelstürmer bei 1,86 Meter Größe 81 Kilogramm zu bewegen, aber nach seinem Tor zum 3:2 in vorletzter Minute gegen die Frankfurter Eintracht sprintete er rasend schnell an der Außenlinie entlang. Es war ein Befreiungslauf, ein Triumphlauf, und es war nicht nur das für Mainz überaus wichtige Tor, das Auer wie erlöst davonlaufen ließ. "Es war ein wunderbares Gefühl, den entscheidenden Treffer zu erzielen", sagte Auer später, und noch immer strahlte er voller Glück. "Ich habe allen meinen Kritikern gezeigt, daß ich noch da bin," so der Stürmer des FSV Mainz 05.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Da klang eine Portion Verbitterung mit, und Auer wollte auch darüber reden, nicht nur über sein Tor, das er im Stile eines Torjägers erzielte, der in der entscheidenden Sekunde an der richtigen Stelle steht. "Es war ein ständiges Auf und Ab in dieser Saison", sagte er. "Und es waren schwere Stunden dabei."

          Auer war im Herbst vergangenen Jahres von Borussia Mönchengladbach gekommen, um in der zweiten Liga einen neuen Anlauf zu nehmen, aber es dauerte lange, ehe er als gelernter Strafraumstürmer das laufintensive Mainzer Spiel so weit verinnerlicht hatte, daß ihn Trainer Jürgen Klopp regelmäßig aufs Feld schickte. Doch vor vier Wochen, nach dem 1:3 gegen Greuther Fürth, fand sich Auer plötzlich auf der Ersatzbank wieder, und weil die Mannschaft in Köln ohne ihn triumphal 4:1 gewann, war an eine schnelle Rückkehr nicht zu denken. Dann folgte unter der Woche der nächste Tiefschlag, als Auer, der auf immerhin 68 Junioren-Länderspiele zurückschauen kann, in der "U 21"-Nationalmannschaft nicht mehr berücksichtigt wurde. Seine Eltern, sagt Auer, hätten ihm geholfen, ihn "wieder aufgebaut", er habe versucht, sich im Training vor dem Frankfurt-Spiel aufzudrängen, was denn auch Trainer Klopp nicht verborgen blieb. Als gegen die Eintracht Mittelfeldspieler Mimoun Azaouagh zur Pause mit einer Schulterverletzung passen mußte, wählte Klopp die mutige Variante und ersetzte ihn durch einen Stürmer, durch Benjamin Auer.

          Und der nutzte seine Chance, auch wenn sie erst ganz am Ende, in der 89. Minute, kam. Als der Frankfurter Torhüter Oka Nikolov den Schuß von Christof Babatz nur abklatschte, war er zur Stelle - und nachdem man ihn irgendwo an der Mittellinie wieder eingefangen hatte, war er ein gefeierter Mann. Klopp herzte ihn dermaßen, daß jetzt "ein paar blaue Flecken abheilen müssen", wie Auer berichtete.

          Den Mainzer Manager Christian Heidel überraschte Auers Treffer nicht. "Benni ist ein Knipser", sagte er. "Der hält im richtigen Moment die Fußspitze hin." Also keine Überraschung, daß ausgerechnet ihm der alles entscheidende Treffer gelang? "Nein", sagte Heidel "dafür haben wir ihn geholt."

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