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FSV Mainz 05 : Mit Klasse und Anstand - alle Hochachtung, Jürgen Klopp

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Engagiert und fair: Jürgen Klopp, Trainer des FSV Mainz 05 Bild: dpa/dpaweb

Seine Freude war echt, seine Worte waren ehrlich, sein Auftritt war unverfälscht: Diejenigen, die dabei waren, als am Montag abend auf der Bühne des Kölner E-Werks die Fair-Play-Trophäe des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS) überreicht wurde, erlebten Jürgen Klopp pur.

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          Seine Freude war echt, seine Worte waren ehrlich, sein Auftritt war unverfälscht: Diejenigen, die dabei waren, als am Montag abend auf der Bühne des Kölner E-Werks die Fair-Play-Trophäe des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS) überreicht wurde, erlebten Jürgen Klopp pur. Der Trainer des Fußball-Zweitligaklubs FSV Mainz 05 wurde für seine untadelige, anständige und von keinem bösen Wort verdunkelte Haltung ausgezeichnet, in der er zweimal den gleichen schlimmen Augenblick überstand - als seine Mannschaft 2002 und, auf noch dramatischere Weise, 2003 den Aufstieg in die erste Liga verpaßt hatte.

          Die Bilder aus Braunschweig vom letzten Spieltag des vorigen Jahres, als Klopp und seine Spieler nach dem 4:1-Sieg bei der abgestiegenen Eintracht minutenlang gemeinsam darauf warten mußten, wie es der am Ende aufgestiegenen Eintracht aus Frankfurt im Heimspiel gegen Absteiger SSV Reutlingen ergehe, sind in der Erinnerung haften geblieben. Die Frankfurter schafften in der Nachspielzeit noch das scheinbar Unmögliche und schossen beim 6:3-Triumph die Tore, die sie brauchten, um ein kleines Fußballwunder am Main zu vollbringen. Dagegen durchlitten Klopp und seine Mainzer, zu allem Unglück auch noch verhöhnt von Teilen des Braunschweiger Publikums, einen Albtraum in Niedersachsen - und blieben doch so fair, den Hessen ohne jedes trübe Nachwort zu gratulieren.

          Klopp vor allem bewies in dem auch für ihn unfaßbar traurigen Moment Größe, ging von Spieler zu Spieler, tröstete, wo er es noch konnte, und bewahrte eine Contenance, wie sie nicht jedem seiner Kollegen unter diesen Umständen eigen gewesen wäre. "In einem solchen Augenblick ist man sehr echt", erinnerte sich Jürgen Klopp an den 25. Mai 2003, "und man sagt die Worte, die einem auf der Zunge liegen. Frankfurt hatte in den letzten Minuten drei Tore erzielt, und das ist ja auch eine große Leistung." Nie sei ihm der Gedanke gekommen, daß im Waldstadion womöglich nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei. "So ist der Sport, und das kann ich ohne weiteres akzeptieren", sagte Klopp mit dem Abstand eines Jahres am Montag abend.

          Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Der 36 Jahre alte Mainzer Trainer wollte nicht als eine Art Gutmensch falsch verstanden werden. "Ich bin sehr ehrgeizig und will immer gewinnen", stellte Jürgen Klopp fest, "aber wenn es rum ist, ist es rum." Eine Bemerkung, die den gern zur inzwischen schon traditionellen Kölner Feierstunde des VDS, der Sparkassen-Finanzgruppe - sie verlieh Preise an den "Bild"-Nachwuchssportjournalisten Georg Nolte und an die Biathlon-Redaktionen von ARD und ZDF - sowie der Sportfakultät der Technischen Universität München gekommenen Dortmunder BVB-Manager Michael Meier an den Ur-Borussen Adi Preißler erinnerte. "Rum ist rum, das klingt nach ,die Wahrheit liegt auf'm Platz'". Ein Dortmunder hielt auch die Laudatio auf den langen Mainzer: Matthias Sammer, der es einen Tag vor Klopps Sekundenschock mit seiner Borussia versäumt hatte, sich auf direktem Wege für die Champions League zu qualifizieren. Es war, wie man inzwischen weiß, der Anfang vom Ende der allzu riskanten Dortmunder Geschäftspolitik.

          Klopps Kollege Sammer konnte die Minuten, in denen die Mainzer Aufstiegsträume platzten, gut nachempfinden: "Das geschah in einer Weise, wie es schlimmer nicht mehr geht." Um so größer war der Respekt des oft heißblütigen Trainers Sammer vor der Manier, in der Jürgen Klopp die ausweglose Situation zu meistern versuchte: "Wer anschließend so viel Klasse und Anstand rüberbringt, nötigt mir größte Hochachtung ab." Klopp leite zwar noch eine Zweitliga-Mannschaft an, sei aber längst "ein erstklassiger Trainer".

          Der ausgezeichnete Jürgen Klopp freute sich "unglaublich" über den alle Jahre wieder verliehenen Preis und will sein auch in diesem Jahr voraussichtlich noch nicht gekröntes Aufbau- und Aufstiegswerk in Mainz bis auf weiteres fortsetzen. Spekulationen, er werde zur neuen Saison bei der Frankfurter Eintracht Willi Reimann ablösen, widersprach der Mainzer aus Überzeugung eindeutig: "Es wird keine Gespräche geben, ich hoffe, daß Reimann noch fünf Jahre bei der Eintracht bleibt." Klopp selbst ist, obwohl Schwabe und lange in Frankfurt seßhaft, inzwischen derart mit seiner zweiten Heimat verwurzelt, daß für ihn ein umstandsloser Wechsel in die größere Nachbarstadt nicht in Frage käme. Die Vereine sind zu unterschiedlich strukturiert, die Fans mögen sich nicht besonders und dazu befürchtete Klopp für den (hypothetischen) Fall des Falles, "daß ich dann nie mehr nach Mainz zurückkehren könnte". Das aber träfe ihn mindestens so schwer wie der zweimal um Haaresbreite verpaßte Aufstieg mit den 05ern.

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