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FSV Mainz 05 : Atmosphäre genießen, Zweikämpfe suchen

Zumindest ein Leverkusener wird sich am Samstag im Bruchwegstadion ganz wie daheim fühlen. Andrej Woronin, der ukrainische Nationalstürmer, der von Mainz über die Station Köln nach Leverkusen wechselte, ist an seinem alten Arbeitsplatz noch immer ein gern gesehener Mann.

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          Zumindest ein Leverkusener wird sich am Samstag im Bruchwegstadion ganz wie daheim fühlen. Andrej Woronin, der ukrainische Nationalstürmer, der von Mainz über die Station Köln nach Leverkusen wechselte, ist an seinem alten Arbeitsplatz noch immer ein gern gesehener Mann. Woronin ist als Torschützenkönig der Zweiten Fußball-Bundesliga gegangen und trifft nun in der ersten Liga wieder auf die alten Kollegen. Persönlich angelangt in der ersten Liga ist er noch nicht: Im erstklassig besetzten Leverkusener Kader ist er bislang nicht über die Rolle des Jokers hinausgekommen, am Samstag in Mainz dürfte er zunächst wieder nur einen Platz auf der Ersatzbank sicher haben. Dort saß er vor drei Wochen schon einmal, als die Leverkusener in der ersten Pokalrunde bei den Mainzer Regionalliga-Amateuren nicht ohne Mühe 3:1 gewannen. Die alte Verbundenheit war damals nicht zu übersehen und zu überhören. Als die Mainzer Zuschauer ihren beliebten Schlager "Wir sind nur ein Karnevalsverein" anstimmten, sang Woronin aus voller Brust mit.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Eine ähnliche Einlage wird Bayer-Trainer Klaus Augenthaler diesmal wohl kaum tolerieren, schon nach dem beeindruckenden 4:1-Sieg seiner Mannschaft gegen Bayern München vor zwei Wochen wies er mit ernstem Gesicht auf die kommende "schwere Aufgabe" in Mainz hin, für die er vorab eine hundertprozentige Einstellung verlangte. Augenthaler hat seine hochtalentierte Mannschaft schon oft am eigenen Schlendrian scheitern sehen, und wenn Franca, Berbatow, Juan und Roque Junior einen Gegner in der Bundesliga unterschätzen könnten, dann die Mainzer, die aus den ersten drei Spielen zwar die ansprechende Bilanz von vier Punkten vorweisen können, von der Konkurrenz und den meisten Kommentaren aber immer noch nicht ganz ernst genommen werden. Je länger dieser Zustand andauert, desto besser für die Rheinhessen. Die haben längst gemerkt, daß in der Bundesliga nicht nur Ausnahmekönner unterwegs sind und mit kämpferischer Entschlossenheit und taktischem Know-how auch gegen Gegner einiges zu erreichen ist, deren Kader eine Auswahl von hochbezahlten Nationalspielern aus aller Herren Länder darstellt. Leverkusen spielt am Samstag in Mainz und am Mittwoch kommender Woche in der Champions League gegen Real Madrid. "Wenn ein Bayer-Spieler Angst hat, sich gegen Mainz weh zu tun, und dann gegen Real fehlen könnte, dann ist er herzlich eingeladen, das zu tun", sagt der Mainzer Trainer Jürgen Klopp.

          Bis auf Michael Falkenmayer hat Klopp seinen kompletten Kader zur Verfügung. Fraglich ist allerdings noch der Einsatz von Conor Casey, der für die amerikanische Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation unterwegs war und erst am Donnerstag abend zurückerwartet wurde. Inwieweit der 23 Jahre alte Stürmer die Reisestrapazen überstanden, will Klopp an diesem Freitag beurteilen. Alles sei möglich, sagt er: daß Casey in der Startformation stehe - oder daß er nur auf der Bank sitze.

          Die zwei Wochen Pause seit dem 1:1 bei Hertha BSC Berlin hat Klopp zu intensiven Trainingseinheiten inspiriert, die einige Spieler aus der zweiten Reihe offenbar genutzt haben, um Ansprüche auf einen Platz in der Mannschaft anzumelden. Benjamin Weigelt gehört dazu, der ebenso junge wie spielstarke linke Verteidiger. Auch Mittelfeldspieler Mimoun Azaouagh hat nach überstandenem Pfeifferschem Drüsenfieber den Anschluß wieder geschafft, beide - Weigelt und Azaouagh - stehen für ein technisch anspruchsvolles Spiel mit Offensivaktionen, das den Mainzer in Berlin noch nicht so recht gelingen wollte.

          Klopp freut sich auf "ein sehr reizvolles Spiel", das den Mainzern einen neuen Zuschauerrekord bringen wird: Durch die neue Zusatztribüne, an der am Donnerstag noch feste geschraubt wurde, erhöht sich die Kapazität des Bruchwegstadions auf 19500 Zuschauer. "Wir wollen wieder eine richtige Fußballatmosphäre schaffen", sagt Klopp. "Das funktioniert über Zweikämpfe, und die werden wir suchen, egal wo."

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