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FSV Frankfurt : Wirtschaftlich nicht überlebensfähig

  • -Aktualisiert am

Trostlos: Was wird aus dem FSV? Bild: dpa

Die Geldgeber des FSV Frankfurt träumten einst vom großen Fußball am Bornheimer Hang. Jetzt steht der Klub am Abgrund – sportlich und finanziell. Was nun?

          Die Bornheimer Drittliga-Fußballprofis hatten einen freien Tag, aber der Ball rollte am Dienstag trotzdem. Auf dem Platz vor der Haupttribüne tobte das Leben, mit Begeisterung aktiv waren die Kinder und Jugendlichen der Fußballschule des FSV Frankfurt. Am Ball sind sie die Zukunft. Die Bornheimer Fußball-GmbH hingegen hat keine Zukunft mehr, weil die Gegenwart so düster ist. Der eingetragene Verein als Gesellschafter der GmbH musste am Dienstag beim Amtsgericht Frankfurt wie erwartet für die GmbH wegen Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen. Dieser Schritt sei „alternativlos“ gewesen, sagte Vereinspräsident Michael Görner. „Es wäre völlig unvernünftig und unseriös gewesen, jetzt noch bei Partnern und anderen zu versuchen, Geld zu akquirieren.“

          Aktuell würden dem FSV 400.000 Euro fehlen, „um die großen Gehaltsläufe für alle Mitarbeiter der GmbH“ bis zum Rundenende leisten zu können. Die nächste Gehaltszahlung – unter anderem für Trainer und Mannschaft – wird am 15. April fällig. Außerdem hätten die Frankfurter nach Angaben von Görner ohne den Schnitt vom Dienstag rund drei Millionen Euro an Verbindlichkeiten, von denen knapp eine Million Euro Darlehen von Privatpersonen seien, mit in die kommende Spielzeit genommen. „Außerdem geht die für die Drittliga-Lizenzierung eingereichte Planung für 2017/2018 von einer weiteren Unterdeckung von einer Million Euro aus“, sagte Görner. „Das bedeutet, dass selbst bei einer langfristigen Stundung oder einem Verzicht durch die Darlehensgeber in der Summe derzeit von einer Liquiditätslücke von mindestens drei Millionen Euro auszugehen ist.“ Der FSV war wirtschaftlich nicht mehr überlebensfähig, zu diesem erschreckenden Ergebnis kamen Görner und Vizepräsident Stephan Siegler nach Prüfung der Zahlen.

          Auch der Regionalligabetrieb ist nicht gesichert

          Sie holten sich dabei juristische Unterstützung. Beide übernahmen Verantwortung, nachdem der ehemalige Geschäftsführer Clemens Krüger und das gesamte Präsidium Ende März zurückgetreten waren. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht Fabio Algari. Er hat nun faktisch die volle Kontrolle über die Bornheimer Fußball-GmbH. Der 56 Jahre alte Jurist ist seit 20 Jahren als Insolvenzverwalter tätig und Partner von einer der größten Insolvenzverwalterkanzleien in Deutschland. 2010 übernahm er das Insolvenzverfahren der damals in der Deutschen Eishockey Liga spielenden Frankfurt Lions. „Ich bin sehr ausgerichtet auf die Betriebsfortführung, so sie denn wirtschaftlich möglich ist“, sagte er am Dienstag dieser Zeitung. „Es ist selbstverständlich das Ziel, den Spielbetrieb in dieser Saison aufrechtzuerhalten und die Voraussetzungen für die kommende Saison zu schaffen.“

          Der Frankfurter Insolvenzverwalter ist guter Hoffnung, dass das Heimspiel des FSV am kommenden Sonntag gegen Osnabrück stattfinden kann. „Es wird geprüft, aber eine gewisse Basis an Liquidität ist vorhanden, so dass wir die ersten Schritte durchführen können“, meinte er. Sascha Walter, der Anwalt des Vereins, sieht „gute Chancen“ dafür, dass die Frankfurter die verbleibenden sechs Saisonspiele austragen können. „Es ist nicht viel, aber es sind liquide Mittel da“, sagte er. Durch den gestellten Insolvenzantrag wird der Deutsche Fußball-Bund (DFB) dem FSV wohl neun Punkte abziehen; damit steht der Abstieg des Tabellenvorletzten so gut wie fest. Der FSV habe „den Anspruch“, in Zukunft in der Regionalliga Südwest zu spielen, betonte Görner. Die Frage aber ist, ob das finanziell möglich sein wird.

          Der Überlebenskampf geht weiter

          Der Diplom-Kaufmann deutete an, dass auch der Hauptsponsor des Klubs nicht mehr zur Verfügung stehen könnte. „Priorität hat erst mal, dass wir uns einen vernünftigen Überblick über die Zahlen, die Lage und die Rahmenbedingungen, denen der FSV ausgesetzt ist, verschaffen“, sagte Algari. An diesem Mittwoch wird er seine Tätigkeit am Bornheimer Hang aufnehmen und dann auch Trainer Gino Lettieri und die Mannschaft über den Stand der Dinge unterrichten. Sorgen um die kommenden Gehaltszahlungen müssten sich die Spieler und GmbH-Mitarbeiter nicht machen, sagte Siegler. Mit Hilfe des sogenannten Insolvenzgelds könnten die Betroffenen in der Regel für drei Monate bezahlt werden. „Das vorläufige Insolvenzverfahren kann eine Dauer von zwei bis drei Monaten haben“, sagte Algari. „Dann wird entschieden, ob das Insolvenzverfahren eröffnet wird. Wenn ja, führt man das Verfahren weiter und hoffentlich auch den Spielbetrieb.“

          Zu seiner Aufgabe als Insolvenzverwalter gehört es auch, nun aufzuarbeiten, ob es haftungsrelevante Sachverhalte gibt. Wenn Fehlverhalten zu einer Haftung führen kann, müsste das der Jurist geltend machen. Walter sagte: „Der Insolvenzverwalter muss mögliche Ansprüche prüfen und gegebenenfalls durchsetzen.“ Ob und wie stark die finanzielle Schieflage des eingetragenen Vereins (e.V.) ist, wird sich ebenfalls herausstellen. „Die Forderungen der GmbH an den e.V. müssen noch verifiziert werden – vom Insolvenzverwalter und den handelnden Personen des e.V“, sagte Siegler. „Die Dokumentation ist rudimentär.“ Und Görner sagte: „Es muss geprüft werden, ob die Forderungen der GmbH in der Sache und in der Höhe gerechtfertigt sind.“ Für ihn geht der Überlebenskampf des FSV weiter. „Der Insolvenzantrag war ein wesentlicher Schritt im Rahmen dieses Kampfes.“

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