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FSV Frankfurt vor Abstieg? : Entscheidung am Sonntagnachmittag

  • -Aktualisiert am

Was, wenn an diesem Sonntag für den FSV die Lichter ausgehen? Die Flutlichter im Stadion am Bornheimer Hang Bild: Bergmann, Wonge

Für die Bornheimer Jungs geht es ums Ganze. Dem FSV Frankfurt droht der Abstieg in die dritte Fußball-Bundesliga. Dann wäre ein Neuanfang nötig.

          Eine solch turbulente Woche hat der FSV Frankfurt schon lange nicht mehr erlebt. Die Fußballmannschaft kann einfach nicht mehr gewinnen: elf Spiele ohne Sieg in der zweiten Liga. Nach dem 1:3 zu Hause gegen Union Berlin blockieren verärgerte Anhänger das Stadiontor vor der Haupttribüne und sagen den Spielern ihre Meinung. Dann wirft die Geschäftsführung den lange unantastbaren Trainer Benno Möhlmann raus. Für viele überraschend, trennt sich das Präsidium danach auch von Uwe Stöver, dem Geschäftsführer Sport.

          Und mit Tomas Oral holen die Bornheimer schließlich einen neuen Trainer, der an seinem ersten Arbeitstag mit der Mannschaft durch die Autowaschanlage einer benachbarten Tankstelle am Ratsweg läuft. Das sorgt sogar bundesweit für Aufmerksamkeit. Die heile und überschaubare Fußballwelt des Traditionsvereins im Schatten der großen Eintracht ist mit einem Schlag aus den Fugen geraten. Womöglich waren das nur die Vorläufer eines noch größeren Bebens.

          Finanzielle Folgen wären groß

          Stiege der FSV, der den Relegationsplatz 16 belegt, morgen nach dem Spiel in Düsseldorf in die dritte Profiliga ab, würde am Bornheimer Hang eine neue Zeitrechnung beginnen. Eine, die mit tiefen Einschnitten, großer Unsicherheit und viel Frust und Wehmut verbunden wäre. Das, was sich der FSV in den vergangenen sieben Jahren in der zweiten Liga in teilweise mühevoller Kleinarbeit aufgebaut hat, droht er in kurzer Zeit wieder zu verlieren.

          Der Klub, der besonders auf die Fernsehgelder angewiesen ist, würde im Abstiegsfall knapp sechs Millionen Euro weniger bekommen als bisher. In der dritten Liga belaufen sich diese Einnahmen auf nur noch knapp 800.000 Euro. Der Personaletat für die Mannschaft würde sich mehr als halbieren auf etwa 2,3 Millionen Euro.

          Nur rund 6500 Zuschauer bei den „Bernemer Jungs“

          Die Geschäftsstelle mit rund 20 festangestellten Mitarbeitern - für Zweitligaverhältnisse ist das bescheiden - könnte sich der FSV dann auch nicht mehr leisten. Daher stehen auch einige Arbeitsplätze auf dem Spiel. Von der dreiköpfigen Geschäftsführung bliebe vermutlich nur Finanzchef Clemens Krüger auf seinem Posten. Auch das Nachwuchsleistungszentrum wäre wohl von den Kürzungen betroffen. 180 Kinder und Jugendliche spielen in dem Verein mit seinen etwa 2500 Mitgliedern Fußball.

          Ihren Zuschauerschnitt konnten die Frankfurter, die gerne Familien mit Kindern bei sich begrüßen und damit eine Nische gefunden haben, in einem langen und zähen Prozess auf jetzt über 6500 steigern. Das ist der zweitschlechteste Wert in der zweiten Liga. Doch eine Klasse tiefer käme es voraussichtlich zum großen Einbruch beim Publikumszuspruch - auch weil die nicht so populären Gastmannschaften weniger Zuschauer mitbringen würden.

          „Es wäre der dümmste Abstieg aller Zeiten“

          Immerhin: Die Frankfurter Volksbank wäre auch in Liga drei Namenssponsor des aufwendig sanierten Stadions. Ein neuer Hauptsponsor hingegen ist bisher nicht bekannt geworden. Auch von ihm wird abhängen, wie groß die Strukturanpassungen beim FSV ausfallen müssten. Von den wichtigen Spielern hat keiner einen Vertrag für die dritte Liga. Ein kompletter Neuaufbau wäre erforderlich. Dann wahrscheinlich unter der Voraussetzung, dass der direkte Wiederaufstieg aus wirtschaftlichen Gründen nicht das Ziel sein könnte.

          „Es wäre der dümmste Abstieg aller Zeiten“, sagte der entlassene Stöver. Krüger und sein verbliebener Geschäftsführerkollege Jens-Uwe Münker - er wechselt zum 1. Juni den Arbeitgeber - wollen sich mit dem Horrorszenario öffentlich nicht beschäftigen. Dabei sah erst alles so gut aus: Nach dem 26. Spieltag hatten die Bornheimer 34 Punkte. Mitte März lagen sie damit zwölf Zähler vor dem Relegationsrang 16. Der Klassenverbleib war also zum Greifen nah. Doch mit einer beispiellosen Serie ohne Erfolgserlebnis brachte sich der FSV selbst in Bedrängnis: Nun trennt ihn nur ein Punkt vom direkten Abstieg.

          Und jetzt ist den Vereinsverantwortlichen klar, zu lange darauf vertraut zu haben, dass Möhlmann die Wende gelingen wird - wie schon öfter in der Vergangenheit. Das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft hatte sich jedoch verschlechtert. Außerdem fehlten der Mannschaft in den zurückliegenden Wochen das Format und der Zusammenhalt, sich aus der immer belastender werdenden Lage zu befreien.

          Deshalb könnte sich nun rächen, dass der FSV seine Mannschaft in der Winterpause nicht verstärkt hatte. Mit wenigen Ausnahmen bewegten sich die Bornheimer seit dem Zweitligaaufstieg 2008 Jahr für Jahr sportlich am Abgrund. Jetzt könnten sie herunterstürzen. Es wäre ein tiefer Fall in eine ungewisse Zukunft.

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