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Skyliners Frankfurt : Jagd auf Turnier und Titel

Großes Spiel, kleines Tänzchen: Justin Cobbs (rechts) und Topscorer Johannes Voigtmann (26 Punkte) legen eine flotte Sohle aufs Parkett. Bild: Imago

Die Fraport Skyliners stehen erstmals im Final Four der Euro-Challenge. Der Klub wäre gern der Ausrichter. Nun wird vor allem das Geld über die Vergabe entscheiden.

          Es war ein Kraftakt, der den Fraport Skyliners Flügel verlieh. Als Johannes Voigtmann mit langen Schritten durch die Abwehr des BC Enisey Krasnojarsk stürmte, gab es kein Halten mehr. Voigtmann katapultierte sich mit einem gewaltigen Satz, schon fast schräg in der Luft liegend, nach oben und donnerte mit beiden Händen den Ball in den Ring des Teams aus Sibirien. 72:71 stand es da – es war die erste Führung der Frankfurter in diesem letzten Spiel des Viertelfinales in der Euro Challenge. Der Gegner, der so stark angefangen und die erste Halbzeit dominiert hatte, war eingebrochen. 25:44 hatte das Team von Gordon Herbert zur Halbzeit hinten gelegen – und dann die Partie noch 85:80 gewonnen. Nun stehen die Frankfurter erstmals in einem internationalen Final-Four-Turnier.

          Das ist ein großer, überraschender Erfolg, den man vor ein paar Monaten den Hessen nicht unbedingt hatte zutrauen können. Gespielt werden das Halbfinale und das Finale vom 24. bis zum 26. April. Wo, steht noch nicht fest; aber Gunnar Wöbke, der geschäftsführende Gesellschafter und Manager des Basketball-Bundesligaklubs, teilte schon kurz nach dem Sieg im entscheidenden Spiel der „Best of three“-Serie gegen Krasnojarsk schriftlich mit: „Natürlich kann es nur ein Ziel geben: Wir wollen das Turnier gemeinsam mit und für unsere Fans hier in Frankfurt gewinnen.“ Bis Freitag hat Wöbke, der zum Zeitpunkt des Spiels verreist war, nun Zeit, einen „letter of intent“ beim europäischen Basketballverband Fiba Europe in München einzureichen, um sich mit Frankfurt als Austragungsort des Turniers zu bewerben.

          Verein mit höchstem Gebot bekommt Zuschlag

          Alle vier für das Final Four qualifizierten Teams können dies tun. Der Frankfurter Gegner im Halbfinale kommt aus Frankreich. Der JSF Nanterre ist ein Verein aus einem Vorort von Paris und steht in der französischen Liga auf dem zweiten Platz hinter Tabellenführer Straßburg. Die beiden anderen Halbfinalisten sind der rumänische Klub Energia Targu Jiu und Trabzonspor Medical Park aus der Stadt Trabzon, hoch im Nordosten der Türkei an der Schwarzmeerküste gelegen. Die besten Karten auf das Finalturnier hat sicher der Klub, der den höchsten Beitrag an den Lizenzgeber des Turniers, die Fiba Europe, zahlen kann. „Es gibt keine feste Summe für diese Lizenzgebühr“, sagte am Mittwoch der Generalsekretär der Fiba Europe, Kamil Novak, dieser Zeitung.

          Gerechnet werden kann wohl als Minimum mit einer niedrigen sechsstelligen Summe. Der kantige Tscheche Novak war von 2005 bis 2012 Sportdirektor der Skyliners, bevor er nach München zog und dort einer der Spitzenfunktionäre des europäischen Verbandes wurde. Novaks Frankfurter Vergangenheit kann bei der Entscheidung über den Austragungsort des Final Four natürlich keine Rolle spielen. „Ich freue mich für jeden Verein, der es in dieses Turnier schafft“, sagt er diplomatisch. Das Interesse an der Ausrichtung der Veranstaltung sei groß, erklärt Novak. Was wiederum bedeutet, dass sich wohl mehr als nur ein Klub als Ausrichter beworben hat. Die Entscheidung, welcher Verein den Zuschlag erhalte, falle im Laufe der kommenden Woche, sagt der Generalsekretär.

          „Es wird ein gutes Turnier“

          Das eingenommene Geld, so Novak, bleibe jedoch nicht beim Verband, sondern werde unter den Teilnehmern des Finalturniers wieder ausgeteilt – wobei der Europapokalsieger am Ende mehr bekommen wird als die Teams, die er hinter sich gelassen hat. In den vergangenen beiden Jahren hätten die gastgebenden Klubs, also 2014 Bologna in Italien und 2013 Izmir in der Türkei, jeweils Gewinn mit dem Turnier gemacht, sagt Novak. Zudem habe der Verband schon jetzt die Zusage eines Sponsors, der weiteres Geld in die Kasse bringe, das ebenfalls unter den Klubs aufgeteilt werde. „Es wird auf jeden Fall ein gutes Turnier“ sagt Novak, „und wir wollen schnell darüber entscheiden, wo es stattfinden wird.“ Ob wirklich alle Kosten für die Skyliners, die schon jetzt einen sechsstelligen Betrag in das Abenteuer Europa investiert haben, gedeckt werden, bleibt jedoch abzuwarten. Die Nebenkosten für das Turnier dürften beträchtlich sein.

          Wöbke hofft natürlich auf Unterstützung, wenn es darum geht, die Argumente für Frankfurt beim europäischen Verband vorzubringen: „Das Erreichen des Euro Challenge Final Four und die damit verbundene Chance auf den Gewinn eines internationalen Titels“, schrieb Wöbke in seiner Stellungnahme, „ist nicht nur eine herausragende sportliche Leistung unserer jungen Truppe, sondern insbesondere eine Riesenchance für die Stadt Frankfurt, sich international als Sportstadt zu präsentieren.“ Da es um einen „Event mit internationaler Strahlkraft“ gehe und der „Rechteinhaber, die Fiba, sich das (leider) auch bezahlen“ lasse, werde er nun „mit der Stadt, den TV-Anstalten und unserem Umfeld die begonnenen Gespräche zu Ende führen, um zu klären, welches Interesse besteht, den Event nach Frankfurt zu holen“.

          Das von Wöbke und den Skyliners ist auf jeden Fall riesengroß, und deshalb ließ der Vereinschef auch wissen: Es ist eine – für die nächsten Jahre vermutlich einmalige – Chance, einen internationalen Titel nach Frankfurt zu holen.“

          Ein bisschen Druck darf sein, und tatsächlich stellt sich die Frage, wie lange die Skyliners noch in der Lage sein werden, auf so einem hohen Niveau zu spielen. Das Überraschungsteam dieser Saison sind sie schon jetzt, stehen als jüngstes Team der Bundesliga immer noch auf dem siebten und damit auf einen Play-off-Platz. Ihre starken Seiten zeigen können die Frankfurter schon an diesem Samstag wieder, wenn sie in Hagen zum Bundesligaspiel antreten. Die Fans in Frankfurt können die famosen Korbjäger am Dienstag wieder in der Ballsporthalle sehen, wenn das Nachholspiel gegen die Artland Dragons steigt.

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