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Im Finale : Matchball für die Skyliners

Schon wieder Finale: Die Frankfurt Skyliners. Bild: Wonge Bergmann

Der starke Auftritt beim überraschenden 79:53 in Bremerhaven macht es möglich: Zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte der Frankfurter können die Basketballprofis ins Finale einziehen.

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          Kamil Novak ist ein exzellenter Analytiker und ein manchmal knallharter Realist. „Das wird eine Schlacht. Hier entscheidet nur der Wille“, sagte der Sportdirektor der Frankfurt Skyliners nach dem 79:53-Überraschungssieg seiner Mannschaft gegen die Bremerhavener Eisbären im dritten Spiel des Play-off-Halbfinales der Basketball-Bundesliga. Die „Schlacht“, von der Novak sprach, wird an diesem Dienstag ausgetragen. Der Schauplatz der Auseinandersetzung wird die Frankfurter Ballsporthalle sein (18 Uhr). Und tatsächlich darf man erwarten, dass beide Teams alle Register ihres Könnens ziehen werden. Denn in dieser Partie geht es vor allem für Bremerhaven um eine wichtige Entscheidung, die sich in drei Worte fassen lässt: Finale oder nichts. Während die Eisbären, die durch die bittere Heimniederlage in der Runde „Best of five“ auf 1:2 Siege zurückgefallen sind, zum Erfolg verdammt sind, können sich die Skyliners sogar noch eine Schlappe leisten. Sie müssten dann freilich am Donnerstag abermals einen Auswärtssieg in der Bremerhavener Stadthalle abliefern. Und Heimniederlagen der Eisbären wie die am Samstag haben Seltenheitswert. So also werden die Hessen alles tun, um eine weitere Reise in den Norden zu vermeiden. „Wir wollen auf keinen Fall hierher zurückkommen“, sagte der Frankfurter Forward Seth Doliboa, kurz bevor er in den Teambus stieg. Draußen standen einige Fans der Eisbären in der hereinbrechenden, kühlen Mainacht, winkten dem Bus zu und riefen hoffnungsvoll: „Auf Wiedersehen!“

          Dass die Skyliners in Bremerhaven so dominieren würden, hatte man nicht erwarten können. Denn einer ihrer wichtigsten Spieler hatte es vorgezogen, auf der Bank Platz zu nehmen und die Angelegenheit von seinen Kollegen regeln zu lassen. Dass Aubrey Reese alles andere als glücklich über seinen verletzungsbedingten Aussetzer war, konnte man ihm deutlich ansehen. „Sicherheitshalber“, sagte er, habe er sich dazu entschieden, nicht zu spielen. Eine halbe Stunde vor dem Anpfiff der Partie hatte er es beim Warmmachen versucht, sich aber dann für die Rolle des Bankdrückers entschieden – schweren Herzens, was man dem Point Guard leicht glauben konnte. Am Dienstag will Reese wieder dabei sein – wenn das Knie hält. Ganz offensichtlich hat der Amerikaner Probleme mit dem linken Knie, das im Februar operiert worden ist. Reese hob nur verlegen lächelnd die breiten Schultern, als er danach gefragt wurde. In den Play-offs sind derartige Informationen Geheimsache. Selbst wenn sie auf der Hand liegen.

          Sehr gutes Splitting

          Es ging auch ohne Reese. Und wie. Selbst Kapitän Pascal Roller war überrascht von der Entscheidung, dass er nach geraumer Zeit als zweiter Mann auf der zentralen Position wieder einmal die Rolle des Starters spielen sollte. „Erst kurz vor Spielbeginn“ habe er es erfahren. „Nein“, sagte Roller nach dem spektakulären Sieg, „das hat mir eigentlich keine Probleme gemacht. Was mir aber Sorgen bereitet, ist, dass ich nicht gerade behaupten kann, einen guten Rhythmus gefunden zu haben.“ Die Selbstkritik war angesichts der elf wichtigen Punkte, die Roller zum Sieg beigesteuert hatte, und seines vollen Einsatzes vielleicht etwas zu hart. Aber auch Roller lebte an diesem denkwürdigen Tag vor allem von einem Prädikat der Skyliners: der inneren Ausgeglichenheit. Mit Roller, Dragan Labovic und Derrick Allen waren gleich drei Spieler mit jeweils elf Punkten im zweistelligen Bereich. Hinzu kamen weitere Frankfurter Profis, wie Greg Jenkins, Quantez Robertson und Dominik Bahiense de Mello (jeweils 8 Punkte), die Wertvolles zum Sieg beitrugen.

          Ein junger Spieler der Skyliners hatte besonderen Grund zur Freude: Grayson Moyer (6 Punkte). Der Amerikaner teilte sich die Spielmacherposition mit Roller und Robertson; ein Splitting, das ausgezeichnet funktionierte. Moyer, der in den zurückliegenden Spielen nicht gerade häufig eingesetzt worden war, war auf den Punkt fit. „Der Trainer hat mir immer wieder gesagt, ich soll den Kopf oben behalten und bereit sein“, erzählte Moyer, „mein Tag würde kommen.“ Und am Samstag, vor 3600 Zuschauern in der Bremerhavener Stadthalle, war es so weit. Moyer spielte deutlich mehr als zwanzig Minuten – und er spielte eine wichtige Rolle. „Im dritten Viertel hat er den Unterschied ausgemacht“, sagte Cheftrainer Herbert. Wer weiß, wie sparsam der Kanadier mit Einzellob umgeht, kann ahnen, welche Auszeichnung diese knappe Einschätzung darstellt.

          Neue Kräfte müssen her

          Nun richtet sich also der Blick auf das vierte Spiel an diesem Dienstag. Können sich die Bremerhavener noch einmal aufrappeln und sich nach ihrer desolaten Leistung bei ihrer ersten Heimniederlage in diesem Play-off signifikant steigern? Eisbären-Headcoach Doug Spradley hatte im letzten Viertel angesichts eines aussichtslos erscheinenden Rückstandes von zwanzig Punkten seine wichtigsten Spieler auf der Bank gelassen – um ihre Kräfte für Dienstag zu schonen. „Das wird sicherlich kein Spaziergang“, sagte Roller. Dass sich Bremerhaven noch einmal so schwach präsentieren wird, damit rechnet kaum einer.

          Dass die Skyliners nun in eigener Halle Matchball haben und zum dritten Mal in ihrer Vereinsgeschichte – nach dem Meisterjahr 2004 und dem zweiten Platz 2005 – ins Finale einziehen können, „bedeutet erst einmal gar nichts“, sagte der Kapitän. Eines dürfte aber klar sein: Schaffen es die Eisbären nicht, bis Dienstag neue Kräfte zu tanken, könnte es eng werden mit dem Projekt Finale. Denn auch das sagte Roller: „Vielleicht sind wir jetzt das Team, das mehr Kraft hat.“

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