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Frankfurt Skyliners : Mit dem richtigen Kick

Balanceakt geglückt: Derrick Allen freut sich über die Rückkehr ins Meisterschaftsrennen Bild: Wonge Bergmann

Der Ausflug in eine fremde Disziplin macht die Skyliners locker und führt zum 69:56 im vierten Play-off-Finale gegen Bamberg. Die Meisterentscheidung fällt endgültig an diesem Donnerstag.

          Zwischen am Boden zerstört und hellauf begeistert lagen nur 48 Stunden. 69:56 hatten die Frankfurt Skyliners gerade die Partie gegen die Baskets Bamberg gewonnen und sich damit jubelnd zurückgemeldet im Play-off der Basketball-Bundesliga. Am Sonntag noch hatten die Profis von Cheftrainer Gordon Herbert als beinahe schon geschlagen gegolten im Kampf um den Meistertitel, nachdem sie die Partie in Bamberg deklassierend 52:97 verloren hatten. Das lag gerade einmal zwei Tage zurück, und die Chancen der Hessen, in der Serie „Best of five“ noch einmal den Ausgleich zu schaffen, schienen äußerst gering zu sein. Sie haben es dennoch geschafft – vor den Augen des designierten hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, der unter den 5000 Zuschauern in der ausverkauften Ballsporthalle war. Und eine Frage drängte sich auf: Wie?

          Die Antwort war verblüffend: „Wir haben Fußball gespielt am Montag“, erklärte Kamil Novak. In drei Gruppen aufgeteilt genossen die Skyliners am Tag vor ihrem mutmaßlichen Ausscheiden aus dem Meisterschaftskampf in aller Ruhe einen gepflegten Kick. „Und anschließend sind wir alle gemeinsam eine Kleinigkeit essen gegangen.“ Der Ausflug in eine andere Disziplin, der Wechsel der Perspektiven und der Faktor Spaß hatten offenbar in dieser Zusammensetzung eine segensreiche Wirkung. Die Skyliners spielten, als habe es diesen schwarzen Sonntag nie gegeben, an dem sie gegen Bamberg chancenlos schienen – in jenem Spiel dort und eigentlich auch im Kampf um die Meisterkrone. Dass sie es doch nicht sind, haben sie am Dienstag mit ihrer bemerkenswerten Rückkehr als Kandidat für den Titel bewiesen.

          Womöglich gab eine Fußballeinlage den richtigen Kick

          Von Beginn an hatten die Hessen das Spiel geprägt und das Tempo auf dem Feld bestimmt. Nur zweimal bekamen sie leichte Probleme, jedesmal hatten die Bamberger von einer „Pick and roll“-Verteidigung, bei der die ballführenden Spieler in ihren Block- und Laufmöglichkeiten eingeschränkt werden sollen, auf eine Zonenverteidigung umstellten. In diesem Momenten glänzte im Bamberger Angriff vor allem Casey Jacobsen, den die Frankfurter aber trotz seiner 14 Punkte insgesamt viel besser im Griff hatten als im Spiel zuvor. Ansonsten waren die Skyliners die spielbestimmende Mannschaft – auch wenn man von Leichtigkeit dabei nicht unbedingt sprechen konnte. Verglichen mit dem Spiel, das sie sich zwei Tage zuvor geleistet hatten, war die vierte Partie in der Serie „Best of five“ sicherlich nicht leicht, aber doch erleichternd.

          Offenbar war die Taktik von Cheftrainer Gordon Herbert diesmal aufgegangen. Noch am vergangenen Freitag war er während des Trainings mit seinen müde wirkenden Profis laut geworden. Vor dem jüngsten Spiel hatte der Kanadier nun locker gelassen. Es ist durchaus möglich, dass die kleine Fußballeinlage den Skyliners am Dienstag den richtigen Kick zum Sieg über Bamberg gegeben hat. „Es war sehr lustig“, erzählte Sportdirektor Novak von dem Ausflug in die andere Disziplin. „Es war locker, und der Fokus lag dabei nicht auf dem bevorstehenden Spiel.“ Und auch Klaus Perwas, der Frankfurter Co-Trainer, sah Vorteile in der lässigen Art der Vorbereitung auf die so ernste Partie gegen Bamberg: „Wir sind dadurch konzentriert, aber sehr offen an das Spiel herangegangen.“

          Auch ohne Vuvuzelas wird es in Bamberg laut

          Den Spaßfaktor Fußball konnte man nach der Partie beim Gespräch mit den Profis nachvollziehen. „Klar bin ich ein guter Fußballspieler“, sagte Dragan Labovic strahlend, „bevor ich mit Basketball angefangen habe, habe ich gekickt. Ich bin der Pekovic von den Skyliners.“ Als Basketballprofi wird Labovic aber deutlich mehr eingesetzt als sein Fußballvorbild Milorad Pekovic zuletzt beim FSV Mainz 05.

          Nun richtet sich der Blick auf das schon an diesem Donnerstag bevorstehende Spiel in Bamberg (19.55 Uhr/live auf Sport1). 6800 unerhört laute Fans werden aus der Arena wieder die „Frankenhölle“ machen. Und wer schon einmal dort war, weiß, dass dieser Name berechtigt ist. Bamberg ist der Beweis dafür, dass es auch ohne Vuvuzelas immer noch ein Stückchen lauter geht. In der Favoritenrolle sind die Skyliners schon aufgrund dieser brutal lautstarken Kulisse nicht.

          Den Baskets die Party in der eigenen Halle vermasseln

          Dennoch haben die Hessen eine realistische Chance auf den Titel. Die größte Gefahr ist abgewendet: Denn eine Niederlage in eigener Halle wäre nach dem 11. April, als die Frankfurter gegen Bamberg das Pokalfinale verloren, das zweite Mal gewesen, dass die Hessen Gast in ihrem eigenen Hause gewesen wären, und Bamberg wieder die Sektkorken im „Wohnzimmer“ der Skyliners hätten knallen lassen.

          Nun haben die Profis von Cheftrainer Herbert die große Chance, das Bamberger Double aus Pokalsieg und Meisterschaft zu verhindern und den Baskets die Party in eigener Halle zu vermasseln. Folgt man dem Gesetz der Serie, wären eigentlich die Oberfranken an der Reihe. Denn in den Endspielen 2004, als die Skyliners gegen Bamberg Meister wurden, und 2005 als die Baskets gegen Frankfurt den Titel holten, siegte jeweils die Heimmannschaft. Dagegen wiederum spricht die Vielseitigkeit der Hessen. Sie spielen Basketball, Fußball – und sind ein prima Partyschreck.

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