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Frankfurt Skyliners : Das Zeitspiel des Gordon Herbert

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Ob erbleibt, ist fraglich: Gordon Herbert, Trainer der Skyliners Bild: Wonge Bergmann

Der Trainer der Skyliners kokettiert mit Abgang aus Frankfurt. „Russland ist für mich sehr interessant“, sagt Basketball-Trainer Gordon Herbert.

          An diesem Dienstag will Gordon Herbert aus Finnland aus nach Frankfurt zurückkehren. Aber womöglich ist der Basketballtrainer, dessen Vertrag bei den Frankfurt Skyliners in diesem Monat ausläuft, nur auf der Durchreise - um eventuell nach Russland weiterzufliegen. Denn von dort liegen dem Kanadier wie vor einigen Jahren zwei Angebote vor. „Russland ist für mich sehr interessant“, sagte Herbert am Montag im Gespräch mit dieser Zeitung: „Meine Frau spricht zum Beispiel russisch.“

          Die Skyliners würden die Zusammenarbeit mit dem Zweiundfünfzigjährigen in der Bundesliga ebenfalls gerne fortsetzen. Und der Headcoach „respektiert und versteht“ deren Offerte auch. Nur Herbert will sich noch nicht entscheiden - „weil einige Dinge vor mir liegen, die ich klären möchte. Es ist wie beim Autokauf. Man testet erst einige Wagen, bevor man sich entscheidet.“ Dass er damit ein Risiko eingeht, dessen ist sich der Trainer bewusst: „Ich verstehe, dass die Skyliners nicht auf mich warten können“, sagte er. So hat sich der Klub bereits einen Überblick auf dem Trainermarkt verschafft. Mit möglichen Kandidaten sollen die Frankfurter aber noch nicht gesprochen haben. „Wir haben Gordon Herbert keine Deadline gesetzt“, teilte Sportdirektor Kamil Novak mit. „Doch wir müssen relativ schnell Klarheit haben. Schließlich müssen wir langsam anfangen, das Team für die neue Saison zusammenzustellen.“

          Gestiegener Marktwert

          Verhandelt wird offenbar nicht mehr: „Der Ball liegt jetzt in der Hälfte von Herbert.“ Über die Güte des Skyliners-Angebots an den Headcoach möchte Novak keine Auskunft erteilen. Es soll jedoch deutlich erhöht worden sein. Und die angebotene Laufzeit beträgt mehr als ein Jahr. Trotzdem müssen die Zahlen Herbert nicht überzeugt haben. Und das dürfte bei den Frankfurtern Verwunderung ausgelöst haben. Vor allem, weil sich der Verein und der Trainer schon vor einigen Monaten intensiv über eine gemeinsame Zukunft ausgetauscht haben. Zumindest damals erweckte der Trainer den Eindruck, in Frankfurt seine weitere berufliche Zukunft zu sehen. Mit dem Hinweis darauf, in einem „professionell geführten Klub“ fast perfekte Arbeitsbedingungen vorzufinden.

          Auf der anderen Seite weiß Herbert um sein Renommee und seinen gestiegenen Marktwert. Trotz einiger Widrigkeiten wie die vielen Kurzzeitverträge und das Verletzungspech führte er die Skyliners in der abgelaufenen Runde auf Platz drei. Mit einem Etat, welcher sich, so der ausgebildete Psychologe, „im Vergleich mit den anderen Mannschaften zwischen Platz sieben und neun bewegt hat. Unter diesen Umständen haben wir eine herausragende Saison gespielt“. Das Budget der Skyliners für die neue Spielzeit soll wieder nicht mit den vier finanzkräftigsten Klubs der Liga mithalten können. So lautet die Einschätzung von Herbert.

          Blick nach Berlin

          In Russland,wo zum Beispiel der Dritte nach der Hauptrunde, Lokomotiv Kuban, einen neuen Headcoach sucht, würde er sich wirtschaftlich wohl verbessern. Und Herbert könnte sich eine Mannschaft mit namhaften Profis zusammenstellen. Wer ihn kennt, weiß, dass er in Zukunft wieder einen Titel gewinnen möchte. So wie 2004 mit den Frankfurtern. Womöglich zweifelt er nun daran, dass ihm dieses Kunststück noch einmal gelingt. Wegen der zeitlich befristeten Spielerverträge sei die zurückliegende Runde „finanziell sehr stressig“ gewesen, sagte Herbert. In der Bundesliga lukrative Rahmenbedingungen könnte auch Alba Berlin dem ehemaligen Profi bieten. Es ist bekannt, dass Geschäftsführer Marco Baldi die Arbeit von Herbert außerordentlich schätzt. Und noch steht nicht fest, ob der Meisterschaftszweite weiter mit dem Israeli Muli Katzurin plant.

          Auch das könnte das Zeitspiel von Herbert erklären: „Ich will die für mich beste Entscheidung treffen und mir nicht den Vorwurf machen müssen, mich zu früh festgelegt zu haben“, sagte er. Im Augenblick sind die Skyliners für ihn demnach nicht die erste Option. All zu lange aber wird sich Herbert das Taktieren nicht mehr erlauben können. Dann werden die Hessen dem Poker ihres Wunschtrainers ein Ende setzen - und den „Plan B“ (Novak) in Angriff nehmen. Zur momentanen Qualität auf dem Trainermarkt äußert sich der Sportdirektor nicht. Noch hofft er darauf, dass Herbert das Drehkreuz Frankfurt nicht zum Abflug nutzt.

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