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Frankfurt Skyliners : Berlin statt Frankfurt: Gordon Herbert geht

  • -Aktualisiert am

Brettspieler:Herbert bei taktischen Anweisungen. Bild: dpa

Der stille, stets loyale, aber karrierebewusste Trainer der Skyliners wechselt innerhalb der Basketball-Bundesliga zum Großklub Alba. Die Perspektiven am Main reichen ihm nicht.

          Gordon Herbert spielte wohl den Unwissenden. Denn auf der Saisonabschlussfeier der Frankfurt Skyliners Anfang Juni erkundigte sich der Basketballtrainer, wie man bei Alba Berlin über ihn denke. Das war offenbar Teil des Versteckspiels des Zweiundfünfzigjährigen, der mit den Hessen im Halbfinale gegen den späteren Meisterschaftszweiten ausgeschieden war. Und der seit Mittwoch neuer Headcoach in Berlin ist. Schließlich wird Herbert schon kurz nach dem Saison-Aus gewusst haben, dass die Berliner an seiner Verpflichtung interessiert sind – wenn sie ihm das nicht noch deutlicher vermittelt haben. Anders ist sein Verhalten nicht zu erklären. Als der Spielbetrieb in der Saison 2010/2011 gelaufen war, ließ Herbert seine Zukunft in Frankfurt auf einmal vielsagend offen. Jener Trainer, der in den Monaten zuvor kaum Zweifel daran gelassen hatte, seine Karriere bei den Skyliners fortzusetzen. Jetzt ist er weg. Am Mittwoch gaben die Skyliners seinen Wechsel zu Alba bekannt.

          Der diplomierte Sportpsychologe, der in Berlin einen Vertrag bis 2013 erhielt, ist ein Mann der leisen Töne. Konfrontationen meidet er – zumindest in der Öffentlichkeit. Die Klubführung würde er nie kritisieren, selbst wenn der Kanadier mit der Wahlheimat Finnland Anlass dazu hätte. Auch deshalb schätzten ihn die Vereinsverantwortlichen in Frankfurt. Aber trotz aller Zurückhaltung weiß Herbert genau, was er will. Seine Bescheidenheit vertuscht mitunter, dass er ein Karrieremensch ist. So auch 2004, als er mit Frankfurt Meister wurde und danach einen gut dotierten Vertrag in Frankreich unterschrieb. Damals nutzte der ehemalige kanadische Nationalspieler die Skyliners als Sprungbrett für einen Wechsel.

          Untätig waren die Frankfurter in diesem Monat nicht

          Für den Meisterschaftsdritten aus Frankfurt war Herbert der perfekte Trainer. Nur so ist zu erklären, dass die Skyliners die Hängepartie über fast einen Monat mitgemacht haben – und das, obwohl sich früh abzeichnete, dass ihr Trainer eine neue Herausforderung annehmen würde. Insgeheim werden sich Geschäftsführer Gunnar Wöbke und Sportdirektor Kamil Novak über ihn ärgern. Und wundern. Hatten sie doch in den Monaten vor dem Saisonabschluss den Eindruck gewonnen, weiter mit Herbert rechnen zu können. Einen Vorwurf aber machen die Frankfurter ihm nicht. Das gebietet auch die Loyalität, die der Trainer lange gegenüber dem Klub gezeigt hat. Novak sagt nur: „Das Wort Enttäuschung befindet sich nicht in meinem Wortschatz. Wir müssen mit der Entscheidung von Gordie leben.“ Eine, die einen Neuanfang für die Skyliners bedeutet. „In den zurückliegenden vier Jahren hatten wir hier etwas aufgebaut“, so Novak.

          Blickpunkt Berlin: Gordon Herbert hat Ziele, die in Frankfurt nicht erreichbar sind.

          Untätig waren die Frankfurter in diesem Monat nicht. Sie haben bereits mit Nachfolgekandidaten, zu denen der frühere Ulmer Trainer Mike Taylor zählen könnte, gesprochen. Und einige von ihnen haben sich bereits in Frankfurt vorgestellt. Andere werden noch kommen. „Ich sehe keinen Zeitdruck“, sagt Novak. Welchen Trainertyp, ob jung oder alt, die Skyliners suchen, verrät er nicht. „Gut“ und ein „Kenner der Szene“ müsse er auf jeden Fall sein. Ansonsten wollen sich die Frankfurter nicht festlegen. So erhält man auch keine Antwort auf die Frage, ob der Verein Assistenztrainer Klaus Perwas die Chefrolle zutraut. „Wir überlegen alle Optionen“, sagte Novak nur.

          „Warten wir mal ab, was passiert“

          Herbert hole immer das Optimum raus, und er setze intensiv auf die Ausbildung und Integration von Talenten. Die Lobesworte des Berliner Geschäftsführers Marco Baldi für den neuen Headcoach werden die Skyliners schmerzen. Es sind die Gründe, warum Herbert auch so gut nach Frankfurt gepasst hat. Zudem ist er ein Garant für Ruhe im Verein. Baldi muss seine Verpflichtung schon länger ins Auge gefasst haben. Als Frankfurt und Berlin im Halbfinale spielten, dementierte der Geschäftsführer nicht, dass der Skyliners-Headcoach ein geeigneter Kandidat wäre, falls Alba einen Nachfolger für Muli Katzurin sucht. Und Herbert mussten die Berliner dann nicht zweimal fragen. Die Bundesliga ist sein bevorzugter Arbeitsort. Außerdem möchte er in Zukunft wieder Titel gewinnen – als erster nordamerikanischer Trainer Albas überhaupt. „Ich will auf den Euroleague-Level zurückkehren“, sagt er. „Berlin spielt in einer neuen Arena, in der die Möglichkeiten unbegrenzt sind. Mit der Frankfurter Halle sind diese Möglichkeiten leider eingeschränkt.“ Dazu Wöbke: „Die Möglichkeit, sich auf der Euroleague-Ebene zu bewegen, hätte er in Frankfurt in den nächsten Jahren nicht gehabt.“

          Womöglich wird DaShaun Wood, der wertvollste Bundesliga-Spieler der abgelaufenen Runde, Herbert nach Berlin folgen. „Er hat bei uns einen Vertrag. Warten wir mal ab, was passiert“, sagt Novak. Roger Powell ist bereits weg. Der Power Forward beendet seine Spielerkarriere und wird Assistenztrainer in der höchsten amerikanischen College-Liga NCAA bei den Valparaiso Crusaders. Die Skyliners bleiben also in Bewegung – mit oder ohne Herbert.

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