https://www.faz.net/-gzn-6kloi

Frankfurt Skyliners : Alleskönner gesucht

Ran an den Korb: Für die Frankfurt Skyliners geht es wieder los. Bild: Wonge Bergmann

Die Frankfurt Skyliners versuchen, nach dem Weggang von einigen wichtigen Spielern wieder an ihre so erfolgreichen Auftritte aus der zurückliegenden Saison anzuknüpfen. Ob das funktioniert, hängt auch von den Neuzugängen ab.

          Es ist die Zeit der Abschiede. Während sich die Spieler der Basketball-Nationalmannschaft in Istanbul nach ihrem Ausscheiden in der Vorrunde auf die Heimreise machten, packten in Frankfurt die Profis der Skyliners ihre Koffer. Knapp eine Woche werden sie sich in Tschechien auf die bevorstehenden Aufgaben vorbereiten – zunächst in einem Trainigslager, dann bei einem internationalen Turnier. Die Zeit der Abschiede ist auch oft die Zeit des Neubeginns. Bei den Skyliners haben gleich mehrere wichtige Spieler Frankfurt verlassen und versuchen ihr Glück bei anderen Klubs. Seth Doliboa zog es zu Edirne Olin Genclik Spor in die Türkei, genau wie Aubrey Reese, der nun für Mersin Buyuksehir aktiv wird. Auch der vermutlich wichtigste der Frankfurter Spieler ist nicht mehr da: Derrick Allen. Ihn wird man freilich in der Bundesliga spielen sehen. Dass der Amerikaner bei dem wohl renommiertesten deutschen Klub Alba Berlin untergekommen ist, spricht für die Qualität des Power Forwards, der den Skyliners sicher fehlen wird.

          Die Fahndung nach seinem Nachfolger läuft bei den Hessen auf vollen Touren. „Wir haben mehrere Spieler im Visier“, sagt Skyliners-Sportdirektor Kamil Novak, „aber wir sind nach wie vor auf der Suche.“ Spieler wie Allen sind so etwas wie die Alleskönner unter den Basketballprofis. Eckig und mit viel Körpereinsatz müssen sie unter dem Korb auftreten, müssen so flink auf den Beinen sein, dass sie auch große, athletische Center austanzen können – und sie müssen über einen guten Wurf aus der Mitteldistanz sowie idealerweise von jenseits der Dreipunktelinie aus verfügen. Zudem sollten die Männer auf der Position vier auch in der Abwehr hart und effektiv agieren und sich möglichst viele Rebounds greifen. Allen verfügte über all diese Tugenden, ist zudem ein Selbstmotivationskünstler, wie es ihn selten in dieser Liga gibt. Nur eines war der Amerikaner nach fünf Jahren in Frankfurt und nach Auslaufen seines Vertrages mit dem Klub vom Main sicherlich nicht mehr: ein Sonderangebot.

          „Er ist ein athletischer Spieler, der auch dahin geht, wo es weh tut“

          Nicht nur Allens Weggang unterstreicht, dass die Skyliners in der kommenden Spielzeit noch sparsamer haushalten müssen als in der Saison zuvor. Auch da hatten die Hessen Wert auf bezahlbare Spieler gelegt: Doliboa kam aus der NBA Development League in den Vereinigten Staaten, Grayson Moyer war ein Schnäppchen und bot ein überragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Nun darf man gespannt sein, ob die Skyliners auch in der bevorstehenden Saison das Kunststück hinbekommen und – mit vermutlich bescheideneren Mitteln – ein Team aufs Parkett stellen, dass ähnlich erfolgreich spielt wie das der zurückliegenden Spielzeit. Und in dieser waren sie ja bis ins Finale gekommen, in dem sie sich erst im letzten der fünf möglichen Spiele den Bamberg Baskets geschlagen gaben.

          Die neuen Männer, auf die Cheftrainer Gordon Herbert setzt, heißen DaShaun Wood, Ajene Malaki Moye, Joe Dabbert und Kimmo Muurinen. Von letzteren beiden konnte man in den Trainingsspielen gegen Aufsteiger Bayreuth und den Nachbarklub Gießen 46ers, die beide verlorengingen, noch nichts sehen. Der finnische Forward Muurinen war mit seiner Nationalmannschaft bei der EM-Qualifikation beschäftigt, Center Dabbert stieß erst kürzlich zum Team. Dass der Amerikaner in seiner Heimat auffällig viele Technische Fouls kassiert hat, will Sportdirektor Novak „nicht kommentieren“. Wie Doliboa in der vergangenen Saison kommt auch Dabbert aus der NBA Development League. „Er ist ein athletischer Spieler, der auch dahin geht, wo es weh tut“, sagt Novak. Das Gleiche gelte für den üppig tätowierten Moye und den neuen Spielmacher Wood, der bei den Tests einen überaus flinken Eindruck hinterließ. Wood ist in Frankfurt, weil eine Knieverletzung für seinen Arbeitgeber ein Risiko darstellt. Andernfalls wäre auch er vermutlich zu teuer für die Hessen gewesen. Nun darf man gespannt sein, ob die Neuen die Nachfolge von Doliboa, Reese und Allen schaffen. Denn dieses Trio war so etwas wie die Frankfurter Punktefabrik. Ihre Abschiede sind Vergangenheit. Jetzt muss ein neuer Anfang kommen.

          Weitere Themen

          Blocksperre für die Eintracht

          Europa League : Blocksperre für die Eintracht

          In einem Spiel in der Europa League muss ein Block im Waldstadion gesperrt werden. Zudem wird Bruno Hübners Strafe erhöht. Auch ein mittlerweile gewechselter Stürmer hat noch eine Sanktion aufgebrummt bekommen.

          Real Madrid zweifelt an allem

          Champions League : Real Madrid zweifelt an allem

          Vor zwei Jahren noch dominierten spanische Klubs den europäischen Fußball. Doch von der einstigen Herrlichkeit ist lediglich ein Schatten geblieben. Das wird an Real besonders deutlich.

          Topmeldungen

          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.