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Basketballer Ajene Moye : Zurück im Leben nach dem Schlaganfall

„Life happens”, meint Ajene Moye angesichts seines Schlaganfalls und der Bemühungen, wieder Anschluss zu finden an den Basketballer-Alltag Bild: Wonge Bergmann

„I miss playing“, sagt Ajene Malaki Moye. Der 28 Jahre alte Basketballprofi von den Frankfurt Skyliners berichtet über seinen Schlaganfall und denkt schon ans Comeback.

          „I miss playing“, sagt Ajene Malaki Moye, genannt AJ. Man merkt dem 28 Jahre alten Basketballprofi deutlich an, dass er lieber heute als morgen wieder durch die Halle am Nordwestzentrum sprinten würde, in der die Frankfurt Skyliners trainieren. Am zweiten Weihnachtsfeiertag saß er am Spielfeldrand der Frankfurter Ballsporthalle, um seine Mannschaft gegen BBC Bayreuth anzufeuern - und gemeinsam mit den Kollegen den Sieg zu feiern. Aber noch lässt er es langsam angehen: Sein Schlaganfall ist erst sechs Wochen her, kurz vor Weihnachten wurde er aus der Reha entlassen. „Es braucht Zeit“, sagt Moye, „und die Zeit arbeitet für uns.“

          Eine herzliche Umarmung vom Teamarzt Herwig Gabriel bei diesem ersten öffentlichen Auftritt zeigt, dass er in seiner Mannschaft mit offenen Armen empfangen wird. Seine Krankheit begleitete man dort mit großer Anteilnahme, aber ohne Druck auszuüben. Umso erleichterter ist man bei den Skyliners über die Nachricht der Ärzte, dass er vollständig genesen wird. „Jeder kann sehen, dass der AJ wieder fest im Leben steht“, sagt Sportdirektor Kamil Novak. Und mit ein wenig Glück in ein paar Monaten auch wieder auf dem Spielfeld.

          Sprachfindungsstörungen und Beeinträchtigungen von Feinmotorik

          Nach einem Zusammenstoß beim Training Mitte November mit einem anderen Spieler litt Moye an Sprachfindungsstörungen und Beeinträchtigungen von Feinmotorik und Gleichgewichtssinn. Im Frankfurter Katharinen-Krankenhaus

          „Es braucht Zeit”, sagt Moye nachdenklich - fügt aber hoffnungsfoh hinzu: „und die Zeit arbeitet für uns.”

          diagnostizierten die Ärzte einen Schlaganfall, die Ursache ist bis heute unklar. Ein Einfluss durch Medikamente könne ebenso sicher ausgeschlossen werden wie eine Verletzung der Gefäße. Das sei aber nichts Besonderes, so Teamarzt Gabriel, bei 20 bis 40 Prozent aller Schlaganfälle könne man nicht nachvollziehen, wie sie entstanden seien. Sicher ist nur, dass es zu Durchblutungsstörungen in der linken Gehirnhälfte gekommen war, die die Motorik der rechten Körperhälfte beeinträchtigten. Diese Defizite wurden in der Reha in Bad Orb gezielt angegangen: Moye balancierte auf Gleichgewichtsplattformen oder musste mit einem Pedalo rückwärts fahren und dabei Bälle fangen - Übungen also, die auch einem gesunden Menschen schon einiges an Geschicklichkeit abverlangen. Nach Maßstäben eines normalen Nichtsportlers sei Moye schon wieder völlig gesund, sagt Dr. Elmar Ginzburg vom MediClin Reha-Zentrum in Bad Orb. Allerdings muss bei einem Basketballprofi eine andere Messlatte angelegt werden. Doch er ist optimistisch: „Von neurologischer Seite kann man sagen: Es werden keine bleibenden Störungen erwartet“, sagt Ginzburg. „Wir erwarten, dass sich die Beeinträchtigungen so weit zurückbilden, dass er seine Leistungsfähigkeit wiedererlangt.“

          Bald schon kann Moye wieder voll ins Training einsteigen und ist normal belastbar. Allerdings wird er in den kommenden Monaten noch ein wenig Spezialtraining benötigen, bis er wieder auf seinem alten Leistungsniveau angekommen ist. Dazu kommen weitere ambulante Behandlung sowie Physiotherapie. Wie und in welchem Ausmaß, das werden die Ärzte Gabriel und Ginzburg nach Bedarf aushandeln. „Wir werden uns da sicher noch ein paar Mal kurzschließen“, sagt Ginzburg.

          „Life happens“

          Was seine Krankheit angeht, hält sich Moye lieber etwas bedeckt. „Ich habe ein wenig gebraucht, um zu verstehen, wo ich war“, erzählt er, „aber meine Mutter war da, mein Vater, meine kleine Tochter war da.“ Die Anwesenheit der Familie, die aus Amerika angereist war, und die Unterstützung der Teamkollegen trugen sicherlich einiges dazu bei, dass Moye an diesem Tag so vergnügt in einem Nebenraum der Halle auf seinem Stuhl kaum stillsitzen kann und vor Tatendrang schier zu platzen scheint. Schon in der Reha-Klinik sei er öfter im Trainingsraum zu finden gewesen, als er eigentlich sollte, berichtet er mit breitem Grinsen und ebenso breitem kalifornischen Akzent. Nun sei er nur noch dankbar, wieder hier sein zu können. Einschränkungen habe er keine, auch nicht, was die Ernährung angeht: Er habe schon vor seinem Schlaganfall wenig Junkfood, dafür viel Fisch, Obst und Gemüse gegessen. Und dass das Leben etwas Heiliges sei, das habe ihm seine Krankheit nur noch deutlicher gemacht. Man muss sein Bestes geben, sagt Moye und fügt hinzu: „Life happens.“

          Nun geht es bald wieder um den Basketball, die Hauptsache in seinem Leben und das, was er am liebsten tut. „Die nächste Pressekonferenz halten wir, wenn ich wieder zurück bin“, sagt er und grinst schon wieder.

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