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Erinnerungen ans Pokalfinale : Die Eintracht und die letzten Kräfte

  • -Aktualisiert am

Zuspruch am Abend: Der Mainzer Boetius tröstet Frankfurts Rebic Bild: dpa

Die Frankfurter Eintracht muss nach der Niederlage gegen Mainz in München punkten, um nicht im Zweifel mit leeren Händen dazustehen. Doch auch vor einem Jahr schien die internationale Reise der Eintracht schon storniert.

          Der Geist war willig, das Fleisch war schwach. Selten wurde ein Auftritt der Frankfurter Eintracht im heimischen Stadion so häufig vom Aufstöhnen des Publikums begleitet wie an diesem Sonntag. Kein einziger Pfiff fiel, während die ach so schmerzhafte 0:2-Niederlage gegen Mainz 05 Gestalt annahm. Die Zuschauer spürten, dass diese Profis wollten und alles gaben, aber nicht genug Reserven hatten, um die Mainzer zu besiegen. Wann immer Gacinovic, Rebic, Jovic, Abraham oder all die anderen dem Gegner den Ball in den Fuß spielten oder den Mitspieler nicht fanden, der doch nur ein paar Meter neben ihnen stand, reagierten die Fans mit einem Laut, der eher Mitleid als Verärgerung ausdrückte. Mitleid mit sich selbst, weil ihre großen Hoffnungen auf die Champions League in dieser Szene wieder einen Dämpfer erhalten hatten und Mitleid mit den müden Profis, weil sie sich nun wieder einen neuen Anlauf abquälen mussten.

          Am Ende blieb nur Enttäuschung, kein Zorn. Die Frankfurter Mannschaft schlich eine Ehrenrunde mit hängenden Köpfen, an deren Ende ein herzlicher Empfang in der Nordwestkurve, dem Treffpunkt der organisierten Fanszene, stand. Die Fans brachten ihnen wie nach den Europa-League-Erfolgen das Ständchen „Im Herzen von Europa“. Auf einem Transparent stand: „Helden der Stadt, Legenden der Eintracht“. Dieses Plakat wird nicht verbrannt werden, auch wenn am Ende die Qualifikation für den Europapokal verspielt werden sollte. Was die Eintracht in dieser Saison geleistet hat, wird nicht vergessen werden und wird auch weiter wirken: Bei der Vermarktung des Vereines und auf dem Transfermarkt. Die Eintracht hat sich in der Stadt, in Hessen, in Deutschland und in Europa einen Namen gemacht, einen so guten, wie sie ihn zuletzt 1960 vermutlich nach dem 3:7 im Europapokalfinale gegen Real Madrid hatte.

          Die letzte Chance

          Aber noch ist Europa ja möglich. Die Parallele zum vergangenen Jahr liegt auf der Hand. Auch damals schien die internationale Reise der Eintracht schon storniert. Das letzte Saisonspiel, das Pokalfinale gegen die Bayern, bot die letzte Chance das Ticket zu lösen, eine viel schlechtere als viele andere zuvor in der Bundesliga, wie alle meinten. Aber das für unmöglich Gehaltene geschah. Nun könnte schon ein Unentschieden für die Champions League reichen, wenn Leverkusen und Mönchengladbach verlieren. Sogar mit einer Niederlage wäre noch die Europa League machbar, dann müssten Wolfsburg und Hoffenheim jedoch mitspielen.

          Die Aussichten auf Europa sind auf jeden Fall günstiger als 2018. Denn diesmal genügt den Bayern ein Unentschieden zum Titel. Der Rekordmeister macht es gerne wie ein gutes Turnierpferd, das nur so hoch springt, wie es muss. Nur zur Erinnerung: Vor dem Pokalfinale gegen die Eintracht verloren die Bayern ihr letztes Bundesligamatch gegen den VfB Stuttgart 1:4, weil nichts mehr auf dem Spiel stand. Hoffnung bietet der Eintracht auch die Tatsache, dass sie sich diesmal einigermaßen in Ruhe auf die Auseinandersetzung vorbereiten kann. Kein Europapokalspiel unterbricht mehr die Regeneration. Es sollte Hütters Profis wieder möglich sein, mit ihrer Mentalität die letzten Kräfte zu mobilisieren.

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