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Eishockey : "Heiße Luft, geplatzte Schecks und immer nur Lügen"

Christoph Sandner hat die Geduld verloren. Anfang der Woche beauftragte der neuerdings in München lebende Eishockeyprofi einen Rechtsanwalt aus dem Rhein-Main-Gebiet, seine Interessen gegenüber dem Eishockeyklub Frankfurt Lions zu vertreten, für den er fast zwei Jahre aktiv war.

          Christoph Sandner hat die Geduld verloren. Anfang der Woche beauftragte der neuerdings in München lebende Eishockeyprofi einen Rechtsanwalt aus dem Rhein-Main-Gebiet, seine Interessen gegenüber dem Eishockeyklub Frankfurt Lions zu vertreten, für den er fast zwei Jahre aktiv war. Auf eigene Faust, so glaubt er nach vielen Telefonaten und persönlichen Gesprächen erkannt zu haben, kommt er nicht mehr weiter. Der Zweiunddreißigjährige, dessen Vertrag bei den Eis-Löwen im Frühjahr auslief, wirft dem Verein, der momentan in der Deutschen Eishockey Liga für positive Schlagzeilen sorgt, eine schlechte Zahlungsmoral vor. Sander hat sich zum Sprachrohr einer Gruppe von ehemaligen Akteuren gemacht, "die endlich das Geld haben will, was uns vertraglich zusteht". Der zwanzigmalige Nationalspieler sagt, daß bei "fast allen noch mindestens zwei Monatsgehälter offen sind", wobei es sich um den Zeitraum März bis Mai handele. Sandner (zur Zeit ohne Verein) gibt an, im Namen von Jason Dunham (jetzt Heilbronner Falken), Eric Dylla (EV Landshut) und Matthias Frenzel (EC Bad Nauheim) zu sprechen. Bernd Kress, Geschäftsführer der Frankfurt Lions-GmbH, nannte die Anschuldigungen "blanken Unfug".

          In den Monaten Januar und Februar, als das eigentliche Ziel, die Qualifikation für einen Platz in der Play-off-Runde, aus den Augen verloren wurde, hatte Klubeigentümer Gerd Schröder tatsächlich mehrmals in aller Öffentlichkeit geäußert, daß er "Lust hätte, Gehälter einzubehalten" - quasi als Entschädigung für nicht gebrachte Leistungen auf dem Spielfeld (F.A.Z. vom 14. März). Daß eine solche "Bestrafungsaktion" wenig Sinn und Zweck gehabt hätte, war dem Geschäftsmann Schröder seinerzeit aber im gleichen Atemzug gewiß geworden: "Das bringt doch nichts, denn dann habe ich sofort eine Klage am Hals, weil vor allem die, die uns verlassen müssen, sofort zum Arbeitsgericht rennen."

          Daß es zu Verzögerungen bei den Abrechnungen gekommen sei, räumte Kress gegenüber dieser Zeitung ein. Doch sagte er am Dienstag abend nach der 0:4-Pokalniederlage gegen die Nürnberg Ice Tigers auch, "daß Gerd Schröder die Angelegenheit aus der Welt geräumt" habe. Sandner spricht jedoch davon, "daß sich alle Ankündigungen bislang als heiße Luft entpuppt haben": Schecks, die mit der Post zugesandt wurden, seien geplatzt, Überweisungen angekündigt aber nie ausgeführt, Versprechungen nicht eingehalten worden. "Es kommen immer nur Lügen - das ist die typische Frankfurter Machart, die schon seit Jahren in der DEL bekannt ist. Jetzt dürfen die Lions mit ihrem Geschäftsgebaren aber nicht mehr durchkommen." Sandner sagt auch, daß "neunzig Prozent der Kanadier, die zurück in ihre Heimat gegangen sind, noch etwas zu bekommen haben - doch von denen traut sich offenbar keiner den Mund aufzumachen". Er selbst legte seine Zurückhaltung ab und will sein Anliegen, weil er sich vollends im Recht fühlt, "bis zur letzten Instanz durchfechten".

          Kress dagegen sieht den Vorwürfen gelassen entgegen und begründet dies damit, daß mit dem letzten Monatsgehalt der Saison unter anderem Kautionen für Dienstwagen, Wohnungen und Mobiltelefone verrechnet würden und dieser Vorgang sich manchmal etwas länger hinziehe. So seien "die Protokolle der Hauseigentümer teilweise verspätet eingetroffen". Das Einschalten von Anwälten bereitet Kress kein Kopfzerbrechen. "Für die Spieler gibt es keinen Grund, uns zu drohen." Er sprach davon, daß sich Sandner, da er zur Zeit ohne Klub dastehe, "wohl in einer Frustsituation befindet".

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