https://www.faz.net/-gzg-ojym

Eishockey : Der Druck auf die Löwen wird immer größer

Die Eishockeyspieler der Frankfurt Lions standen noch lange in der Kälte herum und diskutierten sich die Köpfe heiß. Die nassen Haare unter Mützen versteckt, dicke Schals um den Hals gewickelt, Mineralwasserflaschen in der Hand.

          Sie standen noch lange in der Kälte herum und diskutierten sich die Köpfe heiß. Die nassen Haare unter Mützen versteckt, dicke Schals um den Hals gewickelt, Mineralwasserflaschen in der Hand. Es gab jede Menge Redebedarf bei den Spielern und Offiziellen der Frankfurt Lions nach dem 3:7 (1:2, 1:3, 1:2) bei den Hamburg Freezers. In den wartenden Bus, der das Team ins Mannschaftsquartier chauffieren sollte, wollte niemand so recht einsteigen. An Schlaf in fremden Hotelbetten war nach diesem aufregenden und enttäuschend verlaufenen Play-off-Abend sowieso nur bei den wenigsten zu denken, und ein Gang an die Bar, verbunden mit einem Schlummertrunk, verbot sich aus gegebenem Anlaß: noch ist nichts verloren nach dem dritten Halbfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) - aber der Druck ist größer geworden. Die Löwen müssen an diesem Freitag ihr Heimspiel in der Halle am Ratsweg (Beginn 19.30 Uhr) gegen die Hanseaten gewinnen, wollen sie sich weiterhin die Chance erhalten, ihre bislang so beachtlich verlaufene Saison mit dem Finaleinzug zu krönen. Den Hamburgern fehlt in der Serie "best of five" nur noch ein Sieg, um es den Eisbären Berlin nachzutun und von Gründonnerstag an nach dem Titel zu greifen.

          Dave King, der Trainer der Freezers, stapelte vor der vierten Begegnung der beiden Klubs tief und wollte von einer Vorentscheidung, wie nicht wenige der 12800 Besucher beim Verlassen der ausverkauften Color-Line-Arena den Erfolg werteten, nichts wissen: "Das Frankfurter Team weiß nun, was auf dem Spiel steht. Ich denke, sie werden bis zum Umfallen kämpfen", prognostizierte der Kanadier. "Ein Erfolg gegen die Lions ist in diesem Jahr immer schwer - bei ihnen zu Hause ist er fast unmöglich." Es kann daher gut sein, daß der als gewiefter Taktiker bekannte King seinen Mannen nahelegen wird, im kommenden Gastspiel zunächst alles auf eine Karte zu setzen - und sollte sich abzeichnen, daß der erste Matchball nicht verwandelt wird, scheut er sich wohl kaum, den Stars in seinen Reihen ein wenig Schonung aufzuerlegen und auf das mögliche finale Heimspiel am Sonntag zu setzen. Dieser Trumpf im Ärmel wiegt bei dem einem Poker-Spiel gleichen Duell der beiden ausgeglichen besetzten Klubs durchaus schwer.

          So deutlich, wie das Ergebnis nahelegt, war der Leistungsunterschied der Mannschaften am Dienstag nicht. Die Tore für Hamburg markierten Shane Peacock (6. Minute), Heiko Smazal (18.), Brad Purdie (26.), Peter Abstreiter (27.), Robert House (37. und 59.) sowie Mark Greig (44.). Für die Lions, die zu oft auf der Strafbank Platz nehmen mußten und nicht weniger als viermal in Unterzahl getroffen wurden, waren nur Jason Young (14.), Christian Kohmann (27.) sowie Francois Bouchard (55.) erfolgreich. "Wir müssen schnell vergessen können", lautete daher die Erkenntnis des Frankfurter Trainers Rich Chernomaz, der einen trotz der Höhe der Niederlage keinesfalls unzufriedenen Eindruck machte. "Wenn wir 1:2 nach Verlängerung verloren hätten, wäre ich enttäuschter." Nach wie vor sei alles möglich: "Wer uns abschreibt, macht einen Fehler." Anders als seinen Akteuren, die kein gutes Haar am Unparteiischen Gerhard Müller ließen, weil er ihrer Ansicht nach gegen sie zu kleinlich und mit Blick auf die Attacken der Hamburger zu nachlässig gepfiffen habe, verbat sich Chernomaz jede Kritik am Referee. "An ihm hat es nicht gelegen." Gleichwohl mutete die Entscheidung, Verteidiger Jonas Stöpfgeshoff zu Beginn des zweiten Drittels nach einem überflüssigen, aber im Vergleich zu anderen Vergehen in diesem Schlagabtausch harmlosen Foul an Jacek Plachta mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe in die Kabine zu schicken, abwegig an.

          Der unlängst eingebürgerte Schwede fehlt somit automatisch beim nächsten Wiedersehen. In den fünf Minuten, die seine Kollegen in Unterzahl auf dem Eis zurückgeblieben waren, zogen die Hamburger entscheidend auf 4:1 davon. "Er hat nur auf Zuruf gepfiffen und mir hinterher die Auskunft verweigert", erzählte Stöpfgeshoff von seinem fehlgeschlagenen Versuch, vom Schiedsrichter Aufklärung zu erhalten, warum er ihn derart übermäßig bestrafte, die Freezers im Gegenzug aber Ian Gordon im Tor der Lions ein ums andere Mal anrempeln oder über den Haufen fahren durften. Besonders motiviert und als bekannter Fachmann für unsaubere Machenschaften entpuppte sich dabei wieder Robert Francz. Er, der schon bei den Lions der Mann fürs Grobe war, ließ an seinem 26. Geburtstag keine Gelegenheit zum Streit mit seinen ehemaligen Kollegen aus und suchte besonders mit Gordon und Kapitän Paul Stanton die Auseinandersetzung.

          Ebenfalls keine Antwort erhielt Manager Lance Nethery beim kurzen Besuch in der Kabine der Unparteiischen, sein (Vor-)Urteil über Müller sah er jedoch auch so bestätigt: "Er ist bekannt als Heimschiedsrichter - das läßt uns für Freitag hoffen." Dann pfeift der Mann aus dem Ort Schierke im Harz auch die Begegnung am Ratsweg.

          Weitere Themen

          Gymnasium verteidigt Kreuzfahrt

          „Beinahe CO2-neutral“ : Gymnasium verteidigt Kreuzfahrt

          Ein „Shitstorm“ brach über das Frankfurter Carl-Schurz-Gymnasium ein, nachdem Medien über eine geplante Kreuzfahrt für Schüler berichteten. Dabei sei die Studienreise beinahe CO2-neutral, sagt der Schuldirektor und erhebt Vorwürfe.

          Wieder gefährliches Insekt gesichtet

          Tigermücke in Frankfurt : Wieder gefährliches Insekt gesichtet

          Im vergangenen Jahr ist in Frankfurt erstmals die Asiatische Tigermücke entdeckt worden. Es gab Hoffnung, dass die Population den Winter nicht überleben würde. Jetzt ist abermals ein Exemplar aufgetaucht.

          Topmeldungen

          Rechtsextreme Netzwerke : Wie stoppt man den Hass?

          Rechtsextreme Netzwerke stiften im Internet immer wieder zu blutigen Taten an. In einer neuen Studie untersuchen Physiker die Dynamiken des Hasses – und entwickeln vier Strategien dagegen.
          Justin Trudeau im September in Truro

          Wahlkampf in Kanada : Der Politik-Star stellt sich den Wählern

          Ende Oktober wird in Kanada gewählt. Premierminister Justin Trudeau, der seiner liberalen Partei vor vier Jahren einen Rekordsieg einbrachte, führt einen Wahlkampf mit Startschwierigkeiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.