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Eintracht verliert gegen BVB : Vehs Gratwanderung

Drei Blicke sagen mehr als tausend Worte: Die Eintracht-Profis Lanig, Djakpa und Meier haben sich nach dem 0:4 erstmals nichts zu sagen. Bild: dpa

Ohne Zambrano, ohne Rode, ohne Schwegler: Die Eintracht spielt im Schongang und verliert in Dortmund 0:4. Veh will beim Heimspiel gegen Bremen wieder punkten.

          Am Ende war sogar ein Hauch von Erleichterung mit im Spiel. „Wir können froh sein, dass es nur vier Stück geworden sind“, sagte Marco Russ. Der Frankfurter Verteidiger, wegen der erwarteten personellen Umbaumaßnahmen wieder vor der Abwehrkette aufgeboten, erwies sich als treffsicherer Analyst. „Mit dem 0:4 sind wir noch gut bedient.“ Am Dienstag das knappe 0:1 im DFB-Pokalviertelfinale gegen Borussia Dortmund, am Samstag nun das eindeutige 0:4 im Kerngeschäft Bundesliga: Gerade im Punktspielalltag hat die Eintracht die ganze Wucht und Eindeutigkeit und Überlegenheit des BVB zu spüren bekommen. Gegen diese Borussia ist nichts zu holen, gegen diese Borussia gilt es nur, die erwartete Niederlage in Grenzen zu halten. Zumal Trainer Armin Veh wie angekündigt in den Schongang geschaltet hatte.

          Die mit Gelben Karten vorbelasteten Carlos Zambrano (neun Verwarnungen) und Sebastian Rode (vier) hatten die Reise nach Westfalen gar nicht erst mitgemacht. Dafür durften sich andere freuen, dass sie sich wegen der Rotation in der Startelf wiederfanden. Bamba Anderson übernahm den Part in der Innenverteidigung, Martin Lanig und Tobias Weis sollten das Mittelfeld stärken. Planspiele, mehr nicht. Anderson, früh von Henrik Mchitarjan am linken Sprunggelenk getroffen, schied nach 33 Minuten verletzt aus. Für den Brasilianer kam mit Marc-Oliver Kempf ein weiterer Eintracht-Profi aus der zweiten Reihe, der später wegen seines Spiels zu Recht von Veh gelobt wurde.

          Klopp entzückt über seine Borussia

          Lanig machte seine Sache ordentlich, Weis mit Abstrichen. Gegen die phasenweise wie entfesselt aufspielende Borussia waren sie ebenso chancenlos wie eine Abteilung weiter vorne mit Alexander Meier, Sebastian Aigner und Jan Rosenthal. Vor allem Rosenthal blieb beim 0:4 so gut wie alles schuldig.

          „Der Sieg geht auch in dieser Höhe in Ordnung“, sagte Eintracht-Trainer Veh über die Treffer von Pierre-Emerick Aubameyang (10. und 21. Spielminute), Robert Lewandowski (47.) und Milos Jojic (68.). BVB-Coach Jürgen Klopp war geradezu entzückt vom Auftritt seiner Elf. „Das war ein tolles Fußballspiel einer tollen Mannschaft. Alle Tore sind zum perfekten Zeitpunkt gefallen.“

          Spiel erinnerte an 0:5 gegen Bayern München

          Tore von der Eintracht gab es keine vor den 80.100 Zuschauern in der nahezu ausverkauften Arena zu sehen. Wie auch? Ein einziges Mal nur musste Nationalkeeper Roman Weidenfeller auf der Hut sein. Doch auch der Freistoß von Constant Djakpa stellte ihn vor keine großen Schwierigkeiten (31.). In große Schwierigkeiten brachte sich die Eintracht selbst, denn es war Sebastian Jung, der mit einer Unachtsamkeit den Auftakt zum Dortmunder Torreigen bildete. „Ich muss das ganz klar auf meine Kappe nehmen und mich bei der Mannschaft entschuldigen“, sagte der Rechtsverteidiger nach seinem Fauxpas in der zehnten Minute. Lewandowski hatte Jung den Ball vom Fuß stibitzt und perfekt in den Lauf von Aubameyang gepasst. „Das war blöd, dass wir so früh in Rückstand geraten sind“, sagte Jung. „Einfach total ärgerlich. Ich hätte den Ball irgendwie weghauen müssen.“

          Der Auftritt der Eintracht in Dortmund war wie ein Déjà-vu. Denn schon vor zwei Wochen, beim 0:5 in München, ist es den Frankfurtern ähnlich schlimm ergangen. Auch damals wurden Zambrano und Rode geschont, weil sie am Spieltag darauf dringender benötigt wurden. Vehs Gratwanderung wurde belohnt, denn Braunschweig wurde 3:0 bezwungen.

          Für das kommende Heimspiel gegen Werder Bremen hofft der Coach auf einen ähnlichen Verlauf. Fraglich indes, ob er auf die Dienste von Pirmin Schwegler setzen kann. Der Kapitän, der wegen seines Knorpelbruchs am Rippenbogen über große Schmerzen klagt, hat immerhin schon abseits der Mannschaftskollegen trainiert. „Er hatte vorher eine Spritze bekommen und konnte so die Schmerzen ertragen“, sagte Veh. Hinterher aber sei es schlimmer geworden. „Pirmin muss entscheiden, ob es klappt und ob er spielen will.“

          Marco Russ würde sich nichts sehnlicher als die Rückkehr des Schweizers wünschen. „Ohne Zambrano, ohne Rode und ohne Schwegler: man hat heute gesehen, dass das für uns ein herber Rückschlag ist.“ Das Fehlen der drei Stammspieler machte sich beispielsweise in vielen Fehlern im Frankfurter Spiel bemerkbar. „Wir haben es total schlecht gemacht und einfach viel zu viele Bälle verloren.“ Russ brachte es auf den Punkt: „Wenn man die Ergebnisse der anderen sieht, ist es gut für uns gelaufen.“ Freiburg, Hamburg, Stuttgart – allesamt verloren. Nur das Unentschieden von Bremen gegen Mönchengladbach passt nicht so ganz zum Frankfurter Wunschdenken.

          Auch Heribert Bruchhagen stufte das Abschneiden der direkten Tabellennachbarn als erfreulichste Nachricht dieses ansonsten sportlich ernüchternden Spieltags ein. „Trotzdem müssen wir in Zukunft eine bessere Leistung bringen“, forderte der Vorstandschef der Frankfurter. „Das 0:4 gegen Dortmund war schon ein Klassenunterschied.“

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