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Eintracht gegen Dortmund : Die große Improvisations-Show

Volltreffer: Am 11. März ist es Batshuayi gewesen, der mit zwei Toren beim Dortmunder 3:2 gegen die von Kapitän Abraham angeführte Eintracht erfolgreich war. Bild: EPA

Schwarze Serie in Dortmund und Verletzungspech, das nicht abreißen will: Eintracht-Trainer Adi Hütter muss sich vor der Begegnung bei der Borussia etwas einfallen lassen.

          Adi Hütter war bestens vorbereitet. Als jemand den Frankfurter Trainer nach acht Eintracht-Niederlagen in Folge in Dortmund fragte, lächelte der Österreicher charmant und erwiderte: „Meines Wissens sind es sieben.“ Hütter hat Recht – doch an der Ausgangslage ändert dies nichts: Wenn die Dortmunder Borussia und die Eintracht nach einer knapp zweiwöchigen Punktspielpause an diesem Freitag wieder den Betrieb in der Bundesliga aufnehmen, gebührt die Favoritenrolle zum Auftakt des dritten Spieltags dem BVB. Der letzte Eintracht-Sieg im größten deutschen Fußballstadion liegt schon mehr als acht Jahre zurück.

          Kein Grund allerdings für Hütter, betrübt zu sein. „Jede Serie geht einmal zu Ende“, sagte der 48 Jahre alte Coach, um nachzuschieben: „In Freiburg haben wir auch gewonnen.“ Dort weitermachen, wo die Hessen zum Saisonstart am 25. August überraschend mit dem 2:0 beim Sportclub begonnen haben: Das würde Hütter gefallen. Doch die Sache ist kompliziert – sehr kompliziert sogar. Es mangelt am Personal.

          Timothy Chandler: operiert und längerfristig keine Option. Carlos Salcedo: gleichfalls operiert und monatelang nicht dabei. Goncalo Paciencia: nach einem Trainingsunfall operiert und keine Alternative. Jetro Willems: nach seiner gegen Bremen erhaltenen Roten Karte für das Flutlichtspiel in Dortmund gesperrt. Francisco Geraldes: gleichfalls schwer verletzt, wie Hütter fast beiläufig erwähnte. „Er hat sich im Testspiel beim FC Ederbergland eine Fraktur am Rücken gezogen“, sagte Hütter über den Gesundheitszustand des 23 Jahre alten Portugiesen, der zu Wochenbeginn noch gemeinsam mit der Mannschaft trainiert hat. Taleb Tawatha: „Er hat sich den Rücken verrissen“, beschrieb der Trainer die Aktion des Israelis bei der Nationalmannschaft. Bei Tawatha, immerhin, hat Hütter die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es bis zu diesem Freitag, wenn von 20.30 Uhr an gespielt wird, noch etwas werden könnte. „Wir haben noch ein bisschen Zeit.“

          Alle Optionen durchspielen

          Zeit, die der Eintracht-Coach dazu nutzen wird, um Optionen durchzuspielen und Überlegungen anzustellen, welcher gesunde und einsatzbereite Spieler der Eintracht „bei dieser schweren Aufgabe“ helfen kann. Ante Rebic, soviel ist sicher, wird es immer noch nicht tun. Auch der kroatische Weltmeisterschaftszweite ist noch nicht auf dem Level alter Schaffenskraft angekommen. Hütter bestätigte am Donnerstag vor der Busreise in den Westen nochmals, „dass Ante erst hundertprozentig fit sein muss. Deshalb ist er für Dortmund kein Thema“. Aber vielleicht für eine der nachfolgenden Prüfungen. Sieben Spiele in 24 Tagen sind eine große Herausforderung für die personell angeschlagene Eintracht.

          Hütter betonte, „dass es mit Ante in die richtige Richtung geht. Ich habe mich ständig nach ihm erkundigt. In einer Woche kann er vielleicht einsatzfähig sein. Er sieht wieder Licht am Ende des Tunnels“. Die mit der Eintracht sympathisierenden Anhänger werden beim Auswärtsspiel in Dortmund ungleich mehr BVB-Fans zu sehen bekommen. Auch die Partie gegen die Eintracht ist mit 80.000 Zuschauern ausverkauft. Dass immerhin 4400 mitreisende Fans den Frankfurtern die Daumen drücken, beeindruckt Hütter. „Wir wollen vor dieser tollen Kulisse bestehen. Egal, ob es nun 50.000, 60000 oder 80.000 Zuschauer sind.“

          Haudegen Reus könnte es richten

          Nachdem die mit einem Sieg und einer Niederlage in die Saison gestartete Eintracht halbwegs zufriedenstellend aus den Startlöchern gekommen ist, nutzte Hütter die zurückliegenden zwei Wochen dazu, um „physisch und taktisch“ zu arbeiten, wie er sagte. Das Kunststück dabei: Der Coach musste aufgrund abgestellter Nationalspieler oder verletzter Profis immer wieder improvisieren. Manches wurde ausprobiert, anderes nicht. So steht fest, dass Rückkehrer Kevin Trapp auch in Dortmund zwischen den Pfosten des Frankfurter Tores stehen wird. Frederik Rönnow, der vor Saisonbeginn ursprünglich als Spitzenkraft vorgesehene Schlussmann, steht aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme weiterhin nicht zur Verfügung. „Wir wollen, dass Frederik topfit ist, deshalb haben wir ihn rausgenommen.“ Den Dienstausflug in den Westen hat der Däne gar nicht erst mitgemacht.

          Aber Marco Russ. Der altgediente und erfahrene Innenverteidiger, über den es in den vergangenen Tagen von offizieller Seite hieß, er plage sich mit Achillessehnenbeschwerden herum, gehört zu der Gruppe von Profis, die sich noch Hoffnungen auf einen Einsatz machen können. „Am Mittwoch hat Marco wieder trainiert“, sagte Hütter über die im Verborgenen abgehaltene Übungseinheit. „Er hatte Druckschmerzen vom Schuh her“, präzisierte der Fußballlehrer. „Doch jetzt haben die Schmerzen schon nachgelassen.“ Hört sich fast so an, als könnte der 33 Jahre alte Haudegen mithelfen und versuchen, die schwarze Serie zu stoppen.

          Mijat Gacinovic wird es ganz gewiss tun. Seine Nominierung für die Startelf steht außer Frage, und Hütter nutzte abermals die Gelegenheit, sich lobend über den laufstarken Serben zu äußern. „Mijat hat eine tolle Entwicklung genommen. Er geht in die Tiefe, er antizipiert und sorgt für Entlastung.“ Auch in Dortmund? Gacinovic und Kollegen sind gefordert. Und Hütter träumt davon, dass jede Serie einmal zu Ende geht.

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