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Rückspiel der Europa League : Kein Grund, nervös zu werden

  • -Aktualisiert am

Dirigent an der Seitenlinie: Assistent Christian Peintinger (Mitte). Bild: Jan Huebner

Weil Trainer Adi Hütter gesperrt ist, steht sein Assistent Christian Peintinger für die Frankfurter Eintracht in San Siro an der Seitenlinie. Kein Problem, meint nicht nur Torwart Kevin Trapp.

          Es wird Christian Peintingers mit Abstand größtes Spiel. Der Höhepunkt in der Trainerkarriere des 51 Jahre alten Grazers war bisher der Aufstieg mit dem SC Kalsdorf von der Landesliga in die Regionalliga Mitte, was in Österreich die dritthöchste Fußball-Liga darstellt. Von dort holte ihn Adi Hütter im Herbst 2015 nach Bern, als Assistent bei Young Boys. Und als Hütter im Sommer 2018 zur Frankfurter Eintracht wechselte, ging Peintinger nach 129 gemeinsam bestrittenen Spielen in der Schweiz mit. Er, der Freund, Bruder im Geiste, loyaler Helfer und Berater, der nie den Impuls spürte, Chef zu werden. An diesem Donnerstag ist es doch soweit. Weil die Uefa Hütter wegen eines Trittes gegen eine Trinkflasche sperrte, wird Peintinger im Achtelfinalrückspiel der Europa League bei Inter Mailand die Verantwortung tragen – unmittelbar vor dem Anstoß und während der Halbzeitpause in der Kabine sowie an der Seitenlinie.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Beeinträchtigt die Unerfahrenheit des Co-Trainers im Coaching die Chancen der Eintracht nach dem 0:0 im Hinspiel, den Schritt ins Viertelfinale zu vollziehen? Torwart Kevin Trapp glaubt das nicht. „Wir wissen als Mannschaft, was zu tun ist, da ist es nicht so wichtig, wer an der Seitenlinie steht.“ Und Peintinger sei ja ohnehin immer dabei und wisse, was der Cheftrainer wolle und wie die Mannschaft funktioniere. An der Seite des Österreichers wird wie immer der zweite Assistent stehen, Armin Reutershahn, der schon einige Jahre für die Eintracht tätig ist. Dass Peintinger und nicht der Deutsche gegenüber der Uefa als Stellvertreter angegeben wurde, versteht sich durch die besondere Beziehung der beiden Österreicher.

          Enge Freundschaft neben dem Platz

          Sie kennen sich seit 18 Jahren und sind so eng miteinander befreundet, dass sie in Frankfurt im selben Haus, wenn auch in unterschiedlichen Wohnungen wohnen. „Wir ertappen uns immer wieder, wenn wir über Fußball diskutieren oder auf dem Platz Aktionen beurteilen, dass wir die Szenen mit den gleichen Augen sehen und sehr ähnlich darüber denken. Adi ist ganz klar der Chef, ich bin sein Assistent. Aber er gibt mir immer wieder das Gefühl, dass es ihm wichtig ist, dass ich meine Sichtweise einbringe“, sagte Peintinger in einem Interview gegenüber dieser Zeitung.

          Hütter bestätigt das. „Als er noch Cheftrainer in Kalsdorf war, habe ich mir Spiele und sogar Trainingseinheiten von ihm angeschaut. Wir denken fast gleich, was den Fußball betrifft“. Hütter schätzt seinen Freund und Kollegen aber auch abseits des Sportplatzes. „Mit ihm kann man lachen, aber auch ernst sein. Er ist, wie man in Österreich sagt, ein flotter Bursch. Ich bin froh, ihn an meiner Seite zu haben.“

          Hütter verzichtet auf die Pressekonferenz

          In Mailand musste Peintinger schon am Mittwoch einen Schritt vortreten. Hütter verzichtete aus Verärgerung wegen der harten Strafe durch die Uefa darauf, die Öffentlichkeitsarbeit vor dem Spiel zu leisten und schickte seinen ersten Assistenten ins Rampenlicht der Pressekonferenz. Peintinger fühlte sich ein wenig beklommen, aber erledigte diese Aufgabe zufriedenstellend.

          „Es wäre gelogen zu sagen, ich wäre nicht aufgeregt“, gab er erfrischend ehrlich zu. Ansonsten versuchte er den Trainerwechsel herunterzuspielen. „Die Mannschaft wird von Adi gut eingestellt sein, ich weiß, was der Trainer will und die Mannschaft weiß es auch. Es wird nicht dramatisch anders sein, dadurch, dass ich an der Seitenlinie stehe.“ Anderthalb Stunden vor dem Anstoß darf Hütter nicht mehr mit dem Team in Kontakt treten, jede Form von Kommunikation während des Spiels ist verboten. „Und es wird auch keinerlei Kommunikation stattfinden“, verneint Peintinger, dass irgendwelche Umgehungs-Maßnahmen vorbereitet worden wären.

          Bereit zum Einsteigen: Die Eintracht auf dem Weg nach Mailand.

          Zur Taktik sagte der Österreicher nicht viel: „Ziel wird es sein, möglichst lange das 0:0 zu halten. Und wenn wir ein Tor schießen, stehen die Chancen nicht schlecht.“ Trapp, der neben ihm auf dem Podium saß, äußerte sich offensiver. „Wir haben gezeigt, dass wir in Form sind und viel Tempo und Power haben. Das sollten wir auch in Mailand ausspielen und nicht abwarten. Wir sollten auf Sieg spielen, das ist das, was wir können.“

          Bei diesem Versuch Stärke zu demonstrieren, wird Ante Rebic fehlen, der am Dienstag von der Behandlung aus Belgrad nach Frankfurt zurückkehrte, aber nicht die Reise nach Mailand mitmachte: „Es geht ihm besser, er wird auch in unserer Abwesenheit trainieren, aber wann er spielen kann, lässt sich heute noch nicht sagen“, erklärte Peintinger. Außer dem Kroaten fehlt mit dem gesperrten Gelson Fernandes ein zweiter Stammspieler. Für Peintinger kein Grund, nervös zu werden: „Wir haben genug gute Spieler.“

          Aber auch Mailand kann nicht in Bestbesetzung antreten. Trapp interessiert das nicht: „Inter ist immer noch eine große Mannschaft mit großen Spielern. Ob welche ausfallen oder nicht, darf uns nicht interessieren, wir müssen unsere Aufgaben lösen.“ Der Torwart ist der Eintracht-Profi mit der größten Europapokal-Erfahrung. Mit Frankfurt spielte er schon 2013 in der Europa League, später mit Paris St. Germain in der Champions League. Für ihn stellt die Auseinandersetzung mit Inter ein „absolutes „Highlight“ dar. „Das ist wie Champions League. Inter war ja schon wie Donezk in der Gruppenphase dabei.“

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