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Torwarttrainer im Gespräch : „Markus Pröll hat einfach immer Pech“

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Verletzt: Eintracht-Torwart Markus Pröll Bild: dpa

Andreas Menger geht in seine neunte Saison bei der Eintracht. Für die Frankfurter bestritt er freilich nicht ein Pflichtspiel. Der frühere Schlussmann ist längst einerder besten Torwarttrainer der Fußball-Bundesliga.

          Markus Pröll ist verletzt, Jan Zimmermann auch. Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen meint, man müsse darüber nachdenken, ob die Eintracht zur neuen Saison noch einen neuen Torwart braucht. Trainer Friedhelm Funkel ist in dieser Angelegenheit anderer Meinung. Was sagt der Torwart-Trainer?

          Andreas Menger: Nachdenken muss man über alles. Aber ich bin auch der Meinung, dass wir keinen weiteren Torwart brauchen. Wir haben ja vier gute Torhüter, wenn ich den jungen Frank Lehmann dazuzähle. Pröll und Zimmermann kommen in absehbarer Zeit zurück, sie haben ja keine Kreuzbandrisse. Alle vier Torhüter sind noch nicht an ihrem Limit, haben ihre Möglichkeiten noch nicht ausgereizt. Sie können noch besser werden.

          Gilt das auch für Oka Nikolov, der ja immerhin schon 34 Jahre alt ist?

          Ja, natürlich gilt das auch für Oka. Er hat in den letzten Jahren immer einen Schritt nach vorne gemacht. Und das ist auch jetzt noch möglich. Bei ihm geht es darum, mehr Konstanz in die Leistung zu kriegen. So, dass er mal zehn, fünfzehn Spiele am Stück auf hohem Niveau bestreitet.

          In den zurückliegenden Jahren startete Pröll immer als Nummer eins in die Saison. Dann verletzte er sich regelmäßig und fiel für längere Zeit aus. Ist er besonders anfällig? Oder ist er übermotiviert?

          Ich glaube, er hat einfach immer Pech. Verletzungsanfällig ist Markus nicht. Es sind alles Verletzungen, die er sich bei unglücklichen Situationen zugezogen hat. Keine chronischen Muskelverletzungen oder ähnliches. Nein, man kann ihm da keine Vorwürfe machen und ihn auch nicht grundsätzlich in Frage stellen. Ich wünsche ihm einfach, dass er endlich mal eine Saison verletzungsfrei durchspielt. Das wäre gut für ihn und natürlich auch gut für den Verein.

          Lehmann profitiert in diesen Tagen der Saisonvorbereitung von den Handicaps der anderen Keeper. Wie schätzen Sie ihn ein?

          Er ist ein hochtalentierter Mann, der noch ein paar Defizite im athletischen Bereich hat. Für Frank Lehmann ist es perfekt, dass er sich hier bei uns aktuell präsentieren kann. Davon wird er profitieren und dann auch die U 23.

          Wer Ihr Training genau beobachtet, ist beeindruckt von Ihrer Schusstechnik. Wo haben Sie das gelernt?

          Durch die ständigen Wiederholungen weiß ich schon, wo der Ball hin soll. Ich versuche meistens so zu schießen, dass der Torwart den Ball kriegen kann. Damit ich selbst ein Ziel beim Schuss habe, versuche ich den Pfosten anzuvisieren. Manchmal klappt es, manchmal nicht.

          Sie sind erst 35 Jahre alt, eigentlich könnten Sie noch selbst im Tor stehen.

          Um auf hohem Niveau Bälle zu halten, braucht man Fitness und intensives Training. Beides habe ich nicht mehr, damit ist die Antwort gegeben.

          Denken Sie nicht manchmal darüber nach, ob Sie Ihre aktive Karriere nicht zu früh beendet haben? Jens Lehmann ist drei Jahre älter als Sie und bereitet sich gerade beim VfB Stuttgart auf eine neue Bundesligasaison vor.

          Was ich mache, will ich richtig machen. Meine erste Karriere als Spieler ist vorbei, jetzt habe ich als Torwart-Trainer meine zweite Karriere. Da blicke ich nicht mehr zurück.

          Als Sie selbst noch bei der Eintracht spielten, gab es unter Felix Magath vielleicht einmal pro Woche Torwart-Training. Jetzt arbeiten Sie Tag für Tag mit den Torhütern, in jeder Einheit ganz speziell. Wie wichtig ist das?

          In meinen Augen ist es ganz entscheidend für den Erfolg einer Mannschaft, denn Torhüter brauchen ein spezielles Training. Durch die regelmäßigen Übungen werden Automatismen geschult, die im Spiel benötigt werden. Es freut mich, dass Friedhelm Funkel so viel Vertrauen in meine Arbeit setzt, dass er mir da freie Hand lässt. Es ist wirklich schön, dass ich so intensiv mit den Torhütern arbeiten kann.

          Sie haben die B- und die A-Lizenz. Wann machen Sie die Fußball-Lehrer-Lizenz, und wann werden Sie Cheftrainer einer Mannschaft?

          Ich war schon zweimal für den Lehrgang zum Fußball-Lehrer zugelassen, 2005 und 2006. Die Eintracht wollte dies aber nicht, weil sie mich in Frankfurt brauchte. Das finde ich im Grunde auch richtig. Aus meiner Sicht ist Torwart-Trainer ein eigener Beruf. In diesem Sinne halte ich mich an den Spruch: Schuster bleib bei deinen Leisten. Was nicht ausschließt, dass ich die Lizenz doch noch irgendwann erwerbe.

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