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Simon Falette vor Rückkehr : Der Widerstandskämpfer der Eintracht

  • -Aktualisiert am

Unverdrossener Kämpfer: Simon Falette hält für die Eintracht jederzeit den Kopf hin. Bild: Reuters

Simon Falette ist erst zum zweiten Mal in diesem Jahr erste Wahl bei der Eintracht. Im Rückspiel gegen Benfica Lissabon könnte der Verteidiger besonders wertvoll werden.

          Spieler und Trainer geben sich unvermindert optimistisch. Aber einen Tag vor dem Viertelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Benfica Lissabon ist die Situation für die Frankfurter Eintracht schwieriger geworden. Als die Frankfurter Protagonisten am Donnerstag vor einer Woche aus den Umkleidekabinen des Estadio da Luz schritten, taten sie es trotz des 2:4 erhobenen Hauptes. Sie führten die erste Niederlage des Jahres 2019 vor allem auf den Platzverweis von Evan Ndicka zurück. Der Eindruck der Eintracht-Profis: „Zu elft waren wir besser.“ Zwei Tore aufzuholen sei zwar kein Kinderspiel, aber eine gute Ausgangsposition. Vorstand Fredi Bobic sagte seinen Profis: „Die haut ihr weg.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          In der Zwischenzeit erlitt die Eintracht eine weitere bittere Niederlage, das 1:3 gegen Augsburg zuhause. Dazu zerstob die leise Hoffnung, dass Mittelstürmer Sebastien Haller für das Rückspiel wieder fit werden könnte. Und zu allem Überfluss verletzte sich auch noch der beste Verteidiger der vergangenen Wochen – Martin Hinteregger. Der 26 Jahre alte Österreicher schlich nach 26 Minuten vom Platz, dabei griff er sich an den schmerzenden Oberschenkel. Sein Einsatz am Donnerstag ist äußerst unwahrscheinlich.

          Drei Kandidaten für die Abwehrkette

          Somit hat die Eintracht einen Engpass in der Abwehr. Denn Ndicka ist nach seinem Platzverweis in Lissabon gesperrt, die Winter-Neuzugänge Almamy Toure und Tuta besitzen für die Europa League keine Spielberechtigung und Marco Russ nahm erst kürzlich nach langwierigen Beschwerden an der Achillessehne wieder das Mannschaftstraining auf. Es bleiben genau drei Kandidaten für die Dreierabwehrkette: David Abraham, Makoto Hasebe und Simon Falette. Dem 27 Jahre alten Franzosen fehlt es allerdings an Spielpraxis. Wozu das führen kann, demonstrierte am Sonntag sein Landsmann Toure, der als rechter Ersatz-Verteidiger gegen Augsburg ziemlich überfordert war. Bei der Entstehung des dritten Augsburger Treffers ließ sich Toure vom Gegenspieler sogar noch an der Torauslinie düpieren.

          Falette durfte 2019 bisher nur einmal eine Kostprobe seines Könnens abliefern. Beim 2:2 in Bremen vermochte der Linksfuß nicht zu überzeugen. In der Hinrunde war er in der Schlussphase regelmäßig zu Einsätzen gekommen. Und der Franzose durfte hoffen, im neuen Jahr wieder zum erweiterten Kreis der Stammelf zu gehören. Doch mit der Verpflichtung von Hinteregger löste sich die Hoffnung für ihn in Luft auf. Der Österreicher bot eine Spitzenleistung nach der anderen. Schon im Sommer war Falette von einem Neuankömmling überholt worden. Ndicka zeigte mit 19 Jahren auf Anhieb eine spielerische Reife, die sich Falette wohl nicht mehr wird aneignen können.

          Verbannung in die Trainingsgruppe 2

          In der Saison 2017/18 war der Franzose noch gut genug für die Eintracht gewesen. Der aus der zweiten französischen Liga vom FC Metz gekommene Verteidiger passte mit seiner zupackenden, kompromisslosen Art bestens in Niko Kovacs System. Seine Mängel in der Ballbehandlung und im Spielaufbau wurden als lässliche Sünden hingenommen. Falette bestritt 27 von 34 Bundesligaspielen. Der neue Trainer Adi Hütter begegnete dem Franzosen eher mit Zurückhaltung. Nach wenigen Wochen der Saisonvorbereitung verbannte ihn der Österreicher sogar in die Trainingsgruppe 2.

          Falette bewahrte sich seine profihafte Einstellung und sein sonniges Gemüt. Der dreifache Familienvater trainierte unverdrossen weiter und blieb in der Umkleidekabine der lustige und sympathische Kollege, der für gute Stimmung sorgt. Und so schaffte es der Kämpfer zurück in den Bundesligakader. Dass ihm ausgerechnet ein Teenager und Landsmann den Stammplatz streitig gemacht hatte, nahm der Franzose sportlich. In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau sagte Falette: „Es ist nicht komisch, dass ausgerechnet Evan Ndicka für mich spielt. Unser Verhältnis ist top, wir unternehmen auch privat viel zusammen. Es ist doch nicht seine Schuld, dass ich jetzt nicht spiele.“

          Gegen Benfica erhält Falette nun die Chance, Werbung in eigener Sache zu betreiben, um den jungen Kollegen wieder zu verdrängen. Ndicka scheint gegen Saisonende ein wenig die Puste und die Konzentration zu verlieren. Auch seine Leistung gegen Augsburg war nicht über jeden Zweifel erhaben. Falette dagegen ist frisch und kampfesmutig, gegen Lazio Rom und Marseille hat er seine Widerstandskraft in dieser Europa-League-Kampagne auch schon nachgewiesen. Der Franzose zählt zu den Profis, die so leicht nichts umwirft – auch nicht das eigene begrenzte Vermögen. Eine Mentalität, die gerade gegen Benfica Lissabon weiterhelfen könnte.

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