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Eintracht Frankfurt : Der schnelle Störenfried

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Macht Lust auf mehr: Mijat Gacinovic (Mitte) muss noch den entscheidenden Schritt nach vorne machen. Bild: Jan Huebner

Mijat Gacinovic ist ein Spieler mit großem Potential. Ob er es bei der Eintracht in der kommenden Saison ausschöpfen kann, muss er noch beweisen. Der Druck auf ihn wächst.

          Was die Mentalität von Mijat Gacinovic angeht, gab es in den vergangenen Jahren wirklich keinen Grund zur Klage. Der Mittelfeldspieler der Frankfurter Eintracht geht auf dem Platz immer mit gutem Beispiel voran: Mit seiner hohen Laufbereitschaft und großen Galligkeit setzt der zweikampfstarke Serbe die Gegenspieler enorm unter Druck. Seinen weitläufigen Aktionsradius dokumentieren teamintern die meisten Sprints in der Vorsaison und die drittmeisten gelaufenen Kilometer (12,1) pro Spiel. Der Tempomacher Gacinovic ist ein Garant als Störenfried, der dem Gegner mit seiner Hartnäckigkeit gerne die Bälle stibitzt. Und auch abseits des Spielfelds hält der Fußball-Nationalspieler an Auftritten ohne Allüren fest. Für Interviews steht der 24-Jährige im Gegensatz zum wenig mitteilsamen Ante Rebic oft zur Verfügung. Nachdem sich Gacinovic im August 2015 der Eintracht angeschlossen hatte, lernte er zügig die deutsche Sprache. Der Serbe ist ein Musterbeispiel für jemanden, der sich aus eigenem Antrieb schnell integriert.

          Aber im kürzlich zu Ende gegangenen Trainingslager in der Schweiz ließ Gacinovic mit seinem Verhalten aufhorchen, denn es war ungewöhnlich für ihn. Im Testspiel gegen den Meister Young Boys Bern (1:5) schien es ihm augenscheinlich am Willen zu fehlen, die Dinge in die richtigen Bahnen zu lenken. Für seine Verhältnisse war der Offensivspieler viel zu wenig Aktivposten. Auch beim folgenden Privatspiel gegen Luzern (3:1) blieb Gacinovic mit seiner Tatkraft doch unter seinen Möglichkeiten. Ein Alarmzeichen? Stimmt etwas nicht? Oder darf man das Zuwenig an Leistung bei ihm in zwei Vorbereitungsspielen nicht überbewerten? Fakt ist: Der Druck auf Gacinovic erhöht sich vor seiner vermeintlich wichtigsten Saison in Frankfurt. Er muss und soll hier den großen Durchbruch schaffen. Um den erhofften Entwicklungsschritt zu machen, darf sich Gacinovic spielerisch keine nennenswerten Nachlässigkeiten erlauben.

          Weil er als Profi große Anlagen mitbringt, wird er an seinem besonderen Talent auch gemessen. Seine technischen Möglichkeiten und sein Spielverständnis geben Gacinovic das Rüstzeug dafür, ein überdurchschnittlich guter Bundesliga-Spieler zu werden. Doch bis heute mangelt es bei ihm an der Umsetzung. In zu vielen Aktionen agiert Gacinovic noch wie ein Jugendspieler. Bei allem Eifer handelt er überhastet und unüberlegt. Mit dem Ergebnis, dass er in wichtigen Momenten die falschen Entscheidungen trifft. Seine Pässe geraten zu ungenau und landen beim Gegner. Auch unter den oft wenig zielführenden Torabschlüssen leidet sein Ertrag, der bei seinem Potential viel größer sein müsste.

          Weniger grübeln und nachdenken

          Unvergessen sind zwar seine Treffer von immenser Bedeutung: das Tor zum 3:1 gegen Bayern München beim Pokalsieg in Berlin und sein Erfolgserlebnis zum 1:1-Ausgleich im Relegationshinspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Im Rückspiel im Mai 2016 lieferte er dann die Torvorlage zum 1:0-Siegtreffer von Haris Seferovic. In der abgelaufenen Runde aber musste sich Gacinovic in 29 Erstliga-Einsätzen mit nur zwei Torvorlagen begnügen. In 14 Spielen der Europa League gelangen ihm immerhin zwei Treffer und sieben Torvorlagen. Die in Novi Sad geborene Offensivkraft weiß selbst, was zu tun ist, um es zu größerer Durchsetzungs- und Abschlussstärke zu bringen: weniger grübeln und nachdenken und sich stattdessen mehr auf das Wesentliche konzentrieren.

          Im Spiel nach vorne muss Gacinovic seine Sinne für die bestmögliche Handlungsvariante schärfen. Dann würde er auch die Bälle, die er mit Hilfe seiner großen Einsatzbereitschaft zuvor erobert hat, nicht so oft wieder verlieren. Durch die Verpflichtungen von Djibril Sow und Dominik Kohr hat die Eintracht im Mittelfeldzentrum an Qualität dazugewonnen. Der Konkurrenzkampf um die freien Plätze ist größer geworden. Gacinovic wird das natürlich registriert haben, dass die Frankfurter in seinem Wirkungsbereich deutlichen Handlungsbedarf für Verbesserungen gesehen haben. Die Frage ist nun, wie der Serbe mit der verschärften internen Wettbewerbssituation umgeht. Gibt sie ihm den nötigen Ruck, um den hohen Erwartungen an seine Person in Zukunft gerecht werden zu können, oder hemmt sie ihn?

          Nur eines wird sich Gacinovic bestimmt nicht erlauben können: den Kopf jetzt hängen und es an der erforderlichen Einstellung vermissen zu lassen. Das würde auch nicht zu seiner Arbeitseinstellung passen. Als Gacinovic im Dezember 2018 seinen Vertrag vorzeitig bis zum Rundenende 2021/2022 verlängerte, sagte der Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic, dass der Serbe ein Spieler sei, „der den Unterschied machen kann“. Noch aber gelingt das dem hochveranlagten Gacinovic zu selten. Und allzu viele Anläufe wird er auch nicht mehr bekommen. Die kommende Spielzeit in Frankfurt dürfte für ihn zur Saison der Wahrheit werden – sofern er sich der Herausforderung stellen wird.

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