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1:6 in Leverkusen : Eintracht außer Kontrolle

  • -Aktualisiert am

Schwer geschlagene Frankfurter erleben in Leverkusen einen Zusammenbruch, den viele schon viel früher erwartet hatten. Bild: EPA

Die Frankfurter Eintracht geht in Leverkusen 1:6 unter und steht in Kürze schon vor dem nächsten schweren Spiel. Trainer Hütter nimmt seine Spieler vor dem Ausflug nach London in Schutz.

          Makoto Hasebe stellte sich kurz den Fragen der japanischen Journalisten, dann verschwand auch er wie all seine Kollegen des spielenden Personals der Frankfurter Eintracht in der Kabine. Die Regeneration und die Vorbereitung für die nächste Aufgabe sollte nicht durch Stellungnahmen zur historischen 1:6-Niederlage bei Bayer Leverkusen verzögert werden. Bald steht in London das Halbfinal-Rückspiel der Europa League gegen den FC Chelsea an. Bis dahin müssen sich die Spieler vom Niederschlag in Leverkusen erholen und wieder auf die Beine kommen. Erst zum fünften Mal in der Bundesligageschichte musste eine Mannschaft sechs Gegentore in einer Halbzeit hinnehmen, zum ersten Mal erwischte es die Eintracht.

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          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Zwischen der zweiten und 36. Minute schlug es ein halbes Dutzend Mal bei Torwart Kevin Trapp ein. „Wir hatten einen rabenschwarzen Tag, das war die schlimmste Halbzeit meiner Trainerkarriere“, sagte Trainer Adi Hütter nach dem Abpfiff. Er nahm die Niederlage „zum Großteil auf meine Kappe.“ Der Österreicher hatte zum ersten Mal eine defensive Variante gewählt, um zum Erfolg zu kommen. Aber die Bausteine fügten sich nicht zu einer Mauer. „Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass viele Verteidiger nicht automatisch gut verteidigen“, meinte Hütter. Für den Eintracht-Trainer war es nicht die Grundordnung, sondern die Zweikampfführung, die in das Debakel führte. „Wir hatten heute nicht die geistige und die körperliche Frische, um den Gegner zu fordern.“ Dies sei auch der Grund dafür gewesen, die Leverkusener erst einmal auf sich zukommen zu lassen. „Es wäre hoch riskant gewesen, in unserer Verfassung, Leverkusen hoch zu pressen.“

          Nach zwei Minuten war Hütters Plan gescheitert. Havertz hatte mit einem wunderbaren Schuss von der Strafraumgrenze das Leverkusener 1:0 erzielt. Um einen Rückstand aufzuholen, gibt es tauglichere Mittel als eine Fünferabwehrkette. Aber entscheidender als die Formation war die Form der Kettenglieder. Ndicka und Toure wirkten eingeschüchtert, froh über jeden Ball, den sie nicht bekamen. Noch schlimmer verhielt es sich mit Willems, der wieder einmal im defensiven Mittelfeld Gelegenheit bekam, sein Talent zu beweisen, um Rode zu schonen. Die Leistungsbilanz des Niederländers: Im Rollstuhl sitzend wäre Rode wohl effektiver für das Frankfurter Spiel gewesen.

          „Diese Niederlage tut richtig weh“

          Willems wirkte weder körperlich noch geistig anwesend. Sein Störversuch beim Schuss von Havertz Torschuss zum 1:0 war ein schlechter Witz. Er erzählte ihn an diesem Tag noch mehrere Male, bis es Trainer Hütter in der 37. Minute dann doch zu bunt geworden war und ihn wie Ndicka austauschte. Da stand es 1:6 durch Tore von Brandt, Alario (2), Aranguiz und einem Eigentor von Hinteregger. Ein Gegentor verhinderte noch Hasebe, als er den Ball von der Torlinie schlug. Für die Eintracht traf der Leverkusener Tah, der einen Schuss von Kostic ins eigene Netz abfälschte.

          Die Eintracht wirkte zum Zeitpunkt von Hütters Kurskorrektur hilf- und ratlos und wie von allen guten Geistern verlassen. Mit der Einwechslung von Gacinovic und Jovic und dem Rückbau zum gewohnten 3-5-2 gewannen die Frankfurter wieder ein wenig Halt. Die Werkself half ihnen dabei, indem sie zwei Gänge herausnahm. Aber am Ende bewahrte nur Torwart Trapp die Eintracht vor einer noch höheren Niederlage. „Leverkusen hat uns richtig hergespielt, diese Niederlage tut richtig weh. Aber wir müssen sie dennoch schnell abhaken“, sagte Hütter. Wie schwierig das wird, sei ihm nur zu bewusst. „Aber die Mentalität war immer unsere Stärke in dieser Saison.“ Er werde auf jeden Fall nicht auf die Mannschaft treten, die am Boden liege. „Im Gegenteil, ich möchte sie in Schutz nehmen, sie hat so viel Großartiges bis jetzt geleistet.“ Zumal die Ziele noch zu erreichen seien. Aber es wird immer schwerer“, gibt der Österreicher zu.

          Auch Sportvorstand Fredi Bobic versuchte Zuversicht zu verbreiten. „Wir müssen diese Niederlage annehmen wie ein Boxer einen Niederschlag. Wir werden wieder aufstehen, das ist das Wichtigste“, sagte Bobic. Die Leistungen seiner Profis mochte der frühere Nationalspieler nicht schönreden. „Wir haben uns so viel vorgenommen, aber das meiste ist in die Hose gegangen, ich habe in den vielen Jahren noch nie ein Spiel erlebt, in dem in 36 Minuten sieben Tore gefallen sind. Wir wurden zurecht von Leverkusen weggeschossen, weil wir in deren Stärken reingespielt haben.“ Ohne Zugriff in den Zweikämpfen sei eine so spielstarke Mannschaft nicht zu stoppen.

          Die Leverkusener hatten jede Menge Spaß – vor allem in der ersten Hälfte.

          Dies bedeute nicht, dass die Eintracht dem Saisonende entgegen taumele. „Wenn wir unsere Stärken wieder mobilisieren, ist in jedem Spiel etwas drin“, sagte Bobic. Schon in London gelte es, sich der Chance zu stellen. „Wir sind nicht Barcelona, wir sind die Eintracht, solche Rückschläge können passieren, sie dürfen uns nicht aus der Bahn werfen“, so Bobic. Aufmunternde Worte erhielten die Frankfurter auch von einem alten Kollegen. Der zu Leverkusen gewechselte Torwart Hradecky sagte gutgelaunt. „Mein Tipp, wieder anfangen zu gewinnen und über Baku in die Champions League einziehen.“

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