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Neuer Kader der Eintracht : Nicht nur Wucht und Wadenbeißen

  • -Aktualisiert am

Stets mit wachem Blick: Fredi Bobic (links) und Bruno Hübner halten das Geschehen im Auge. Bild: Imago

Eintracht Frankfurts Sportvorstand Bobic und Sportdirektor Hübner stehen bei der Zusammenstellung des neuen Kaders vor vielen Herausforderungen. In der Königsklasse fiele einiges leichter.

          Die Spieler lassen die Saison bei einem Werbeauftritt in China ausklingen, bevor sie sich in den verdienten Urlaub aufmachen. Für Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner beginnt unmittelbar nach dem letzten Vorhang der 56. Saison der Fußball-Bundesliga eine besonders stressige Zeit des Jahres: Der Kader für die kommende Spielzeit muss geplant und festgezurrt werden. Das ist zwar ein Prozess, der in jeder Phase des Jahres fortgeführt wird. Aber nun, nachdem die sportliche Abrechnung vorliegt, werden die Überlegungen und Verhandlungen deutlich intensiver und konkreter.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          „Wir arbeiten durch, ich habe keine fünf Wochen Urlaub“, hatte Bobic unmittelbar nach dem 1:5 gegen die Bayern gesagt. Die Situation der Eintracht wäre bequemer und übersichtlicher, wenn die Mannschaft einen ihrer Matchbälle zur Qualifikation für den Europapokal verwandelt hätte. So steht nach Platz sieben noch nicht fest, ob die Frankfurter wieder die Gruppenphase der Europa League erreichen. Dazu müssten drei Qualifikationsrunden mit sechs Begegnungen überstanden werden. Dieser Umstand verringert einerseits die sportliche Attraktivität der Eintracht für hochqualifizierte Kandidaten, andererseits lässt er offen, wie groß die finanziellen Möglichkeiten für Vertragsangebote sind.

          Das Investitionsvolumen hängt auch davon ab, wie viel Ablöse die Eintracht durch den Verkauf von Luka Jovic erhält. Nach Informationen dieser Zeitung knausert Real Madrid derzeit mit seinem Angebot, nachdem der FC Barcelona kein Interesse mehr an dem 21 Jahre alten serbischen Torjäger zeigt. Die Offerte der Spanier liegt im Bereich von 50 Millionen Euro, die Eintracht stellt sich einiges mehr vor, gerade weil 20 Prozent der Ablösesumme an Jovics früheren Verein Benfica Lissabon geht, an den die Frankfurter bei der festen Verpflichtung des zunächst ausgeliehenen Stürmers sieben Millionen Euro überwiesen hatten.

          Mehr taktische Variabilität nötig?

          Mit dem Einzug in die Champions League, der bis zum 33. Spieltag greifbar nahe schien, wäre die Eintracht vielleicht sogar für deutsche Bundesligaprofis interessant gewesen, die bei Spitzenklubs keine Stammplatzgarantie haben – wie die Dortmunder Weigl und Philipp oder die Bremer Eggestein-Brüder oder der Leverkusener Kohr. Nun fehlen die sportlichen Argumente, um die Begabungen zu einem Wechsel zu bewegen, der ihnen Gehaltseinbußen brächte, da die Eintracht sich noch auf einem anderen finanziellen Niveau befindet. Auch die ambitionierten Stürmer Haller und Rebic, die sich in Frankfurt grundsätzlich sehr wohl fühlen, könnten nun wie Kostic bei einem lukrativen Angebot schwach werden.

          Es ist müßig, über einzelne Wechsel zu spekulieren. Der Sommer ist noch lang, das Ende der Transferperiode (2. September) weit. Grundsätzlich jedoch ergab die Analyse der abgelaufenen Spielzeit, dass die Eintracht größere spielerische Substanz und eine höhere taktische Variabilität benötigt. Nur mit Wucht, Willen und Wadenbeißen geht irgendwann die Puste aus. Deshalb beschäftigt sich die Sportliche Leitung mit der Verpflichtung des ehemaligen Nationalspielers Max Kruse, der bei Werder Bremen seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern möchte. Die charmante Konsequenz: Er kostete keine Ablöse. Nach einer hervorragenden Saison mit Werder besteht allerdings Konjunktur für den 31 Jahre alten offensiven Mittelfeldspieler. Er wird sicher ein Handgeld in Millionenhöhe fordern und erhalten. Auch in seinem Fall wäre die Verhandlungsposition der Eintracht als Mitglied der Königsklasse günstiger gewesen.

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