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Nach Trainingslager : Eckpfeiler und Schwachstellen der Eintracht

Frankfurter Eintracht-Trainer Funkel sieht seine Mannschaft auf dem richtigen Weg Bild: Wonge Bergmann

Frankfurter Eintracht-Trainer Funkel sieht seine Mannschaft auf dem richtigen Weg – auch wenn es im Anschluss an das zweite Trainingslager noch allerhand zu verbessern gibt.

          Es wird „gnadenlos“. Verspricht jedenfalls der Trainer und meint damit den Konkurrenzkampf im Kader der Eintracht – wenn (endlich einmal) alles nach Plan laufen sollte und demnächst niemand längerfristig verletzt ausfällt. So wie im Augenblick noch, da mit Stammtorwart Markus Pröll, Ersatzkeeper Jan Zimmermann, Christoph Preuß und Benjamin Köhler (beide Mittelfeld), den Neulingen Ümit Korkamz (Sturm) und Alexander Krück sowie Aleksandar Vasoski (beide Abwehr) mehr als eine Handvoll wichtiger Akteure nicht zur Verfügung stehen.

          Funkel zeigte sich nach dem zweiten Trainingslager in dieser Vorbereitung auf die neue Saison in der Fußball-Bundesliga dennoch optimistisch. Die Ausfälle lassen sich (noch) scheinbar ohne größere Probleme kompensieren. „Wir sind längst nicht da, wo wir hinwollen, aber die Richtung auf unserem Weg stimmt“, lautete Funkels Resümee im Anschluss an den Trip nach Tröpolach in Kärnten. Ein Überblick, welche Stärken und Schwächen den Kader der Eintracht drei Wochen vor dem ersten Bundesligaspiel am Sonntag, 16. August, gegen Hertha BSC Berlin ausmachen.

          Für Russ könnte es sehr eng werden

          Torwart: Was wäre die Eintracht ohne Oka Nikolov? In diesem Sommer säße der Verein mächtig in der Bredouille. Wieder einmal. Seit 17 Jahren hütet der Odenwälder mit mazedonischen Wurzeln in Frankfurt das Tor, zieht sich ohne Murren in die zweite Reihe zurück, wenn ihm ein anderer Keeper vorgezogen wird, und kommt wieder, sobald Not am Mann ist. So wie momentan, da von drei Bundesliga-Torleuten zwei verletzt sind. Neben Nikolov steht im Augenblick nur noch der zweite Schlussmann der Amateure, der erst 19 Jahre alte Frank Lehmann, zur Verfügung. Beide genießen das Vertrauen des Trainers, einen weiteren Einkauf für den Posten zwischen den Pfosten wird es nicht geben. „Sie haben meine Rückendeckung“, sagte Funkel, der hofft, dass ihm Pröll in rund sechs Wochen wieder gesund und einsatzfähig als Nummer eins zur Verfügung steht.

          Abwehr: An der Viererkette wird nicht gerüttelt. In der Mitte bilden wohl Marco Russ, der in beiden Testspielen in Österreich einen unsicheren Eindruck hinterließ, und der Mexikaner Aaron Galindo ein Paar. Ihnen zur Seite stehen Patrick Ochs (rechts) und Christoph Spycher (links). Sollte Russ weiter schwächeln und der neue Franzose Habib Bellaid in Frankfurt an seine guten Eindrücke aus den ersten Trainingstagen anknüpfen, könnte es für Russ, den 23 Jahre alten Frankfurter Bub, sehr eng werden. Er muss sich definitiv steigern.

          Kein offizielles Saisonziel

          Mittelfeld: Keiner kann sich zu früh sicher sein. Chris, Michael Fink oder Junichi Inamoto? Drei Spieler dürfen sich Hoffnungen machen, die Rolle des Quarterbacks vor der Abwehr übernehmen zu dürfen. Im Augenblick hat wohl der Brasilianer Chris im defensiven Mittelfeld die Nase einen Tick vorne, doch machte ihm sein verletzungsanfälliger Körper schon des Öfteren unerwartet einen Strich durch die Rechnung. Bei Bedarf könnte Chris auch in die Innenverteidigung rücken, Fink fühlt sich auf der rechten Außenbahn nicht unwohl. Zudem könnten beide – bei stürmischen Gegnern – als Doppel-Sechs gemeinsame Sache machen. Weiter vorne bieten sich Funkel dank des genesenen und mit wesentlich mehr Muskeln zurückgekehrten Alexander Meier, dem aufstrebenden Faton Toski (der in Kärnten spielerisch glänzte, körperlich aber noch zulegen muss) sowie dem neu verpflichteten Wirbelwind Markus Steinhöfer gewünschte Alternativen. „Unser Ziel wird sein, dass wir schwerer auszurechnen sind“, sagte Funkel über die Marschrichtung in der Schaltzentrale des Spiels.

          Überhaupt keine Rolle in seinen Planungen spielt bis auf weiteres der Brasilianer Caio. Der Mann, der dem Spiel der Frankfurter eigentlich längst frischen Glanz verleihen sollte, hat derart viele Probleme, im Training Schritt zu halten, dass er guten Gewissens nicht zu verwenden ist. Möglicherweise wird das Gedrängel im Mittelfeld demnächst noch ein bisschen größer, wenn Funkel sich mit seinem Wunsch durchsetzt und noch ein „Allrounder“ unter Vertrag genommen wird. „Mister X“ ist noch nicht gefunden, nach der Absage des Münchners Andreas Ottl (F.A.Z. vom 24. Juli) haben die Frankfurter weiter mehrere Kandidaten im Auge. „Wenn wir aber niemanden finden, von dem wir restlos überzeugt sind“, so Heribert Bruchhagen, „dann kaufen wir halt niemanden mehr.“ Auch so sei die aktuelle Mannschaft personell „nicht schlechter besetzt“ als die vor der Sommerpause – die Platz neun in der Endabrechnung erreichte. Auch wenn es diesmal kein offizielles Saisonziel gibt – ein einstelliger Rang oder zumindest einer, der keine Abstiegsangst mit sich bringt, soll es diesmal auch werden. Zu konkreteren Zielen wird sich Funkel frühestens unmittelbar nach dem Testspiel gegen Real Madrid am Dienstag, 12. August, äußern.

          Nikos Liberopoulus: kein überzeugender Eindruck

          Sturm: An Ioannis Amanatidis und Martin führt kein Weg vorbei. Die beiden Nationalspieler kehrten trotzt verkürzter Urlaubspause wegen der Europameisterschaft in bester Verfassung aus Griechenland beziehungsweise Tschechien zurück. Sie sind bei Funkel bis auf weiteres gesetzt. In der Privatpartie gegen Wigan Athletic (2:0) funktionierte ihr Rollentausch harmonisch, erhielten sie auf der rechten Seite außerdem immer wieder Unterstützung vom laufstarken und präzise flankenden Steinhöfer. Marcel Heller muss sich im Zweikampf verbessern, will er demnächst mehr sein als ein Joker; dem nur 1,73 Meter großen gebürtigen Westfalen nutzt seine Schnelligkeit gegen athletische Verteidiger nur wenig, weil er den freien Nebenmann zu oft aus den Augen lässt. Nikos Liberopoulus, der unlängst von AEK Athen an den Main wechselte, hinterließ in Kärnten keinen überzeugenden Eindruck: langsam, nicht unbedingt gelenkig, eher zart besaitet. In dieser Verfassung ist der Zweiunddreißigjährige nicht wirklich eine Verstärkung.

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