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Volle Kraft voraus : Steht die Eintracht vor dem Comeback?

Fußball mit Kopf und Fuß: Sébastian Haller ist später im Fallen erfolgreich, was auch der Dortmunder Manuel Akanji nicht zu verhindern weiß. Bild: dpa

Die Eintracht hakt die Niederlage in Dortmund schnell ab und freut sich auf das Comeback im Europapokal in Marseille: „Wir wollen die Gruppenphase überstehen.“ Kann das funktionieren?

          Drei Tore machen kämpferisch. Und selbstbewusst. Am Tag nach der 1:3-Niederlage bei Borussia Dortmund ging Sébastien Haller ein weiteres Mal in die Offensive. Auf dem Fußballplatz hatte dies der stürmische Franzose schon in Freiburg, gegen Bremen und zuletzt unter Flutlicht beim BVB getan, als er auch im dritten Saisonspiel in Serie erfolgreich war. Haller schaute ein wenig zurück, vor allem aber ging sein Blick voraus. Der Torjäger gab sich vor der bevorstehenden Europapokalaufgabe in Marseille optimistisch und war sich sicher: „Wir spielen nicht auf Unentschieden, sondern um zu gewinnen.“

          Gewinnen, das wollten die Frankfurter Fußballprofis auch in Dortmund. Dabei wussten Spieler und Verantwortliche nur zu gut, dass ihnen dort seit 2010 kein Erfolgserlebnis geglückt war. Als nun also auch die achte Niederlage in Folge in der riesigen westfälischen Betonschüssel feststand, bemühten sich die Eintracht-Protagonisten dessen ungeachtet um eine positive Sicht der sportlichen Dinge. „Es war kein schlechtes Spiel von uns“, sagte Haller, wohlwissend, „dass wir uns weiter verbessern müssen“.

          Wer immer sich auch vor Ort in Dortmund oder anschließend zu Wort meldete: Es überwog bei ihnen die Zuversicht, grundsätzlich mehr richtig als falsch gemacht zu haben. „Meine Mannschaft hat das taktisch diszipliniert gemacht“, sagte Trainer Adi Hütter. Was nicht verwunderte. Schließlich gehört es auch zu den Aufgaben der professionellen Balltreter, mit größtmöglichem Einsatz den Plänen ihres Coaches nachzukommen.

          „Es wäre mehr drin gewesen“

          Kompakt stehen, flüssig kombinieren und in der Offensive auf Chancen lauern: Dieser Wunsch ist nur einmal belohnt worden, als Rechtsverteidiger Danny da Costa mit dem Blick für den freien Mann Haller fand – und der Franzose entschlossen zum 1:1 vollendete. „Es wäre mehr drin gewesen. Es war möglich, ein Punkt zu holen“, sagte Haller. Eine Einschätzung, die sich auch mit der eines seiner Vorgesetzten deckte.

          „Vom Spielverlauf her war es ein enges Ding“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic als Gast eines sonntäglichen „Fußball-Talks“ im Bezahlfernsehen. „Nach dem 1:1 waren wir zu gierig – und dann haben die Jungs einen Konter kassiert. Schade, weil sie wirklich ein super Spiel gemacht haben“, wie Bobic glauben machen wollte. Ein „super“ Spiel war es nicht. Es war eher das, was die Mannschaft unter den gegebenen Voraussetzungen und Qualitäten derzeit zu leisten imstande ist.

          Hütter hatte aufgrund der Vielzahl an Ausfällen aus der personellen Not eine Tugend gemacht und beispielsweise den französischen Abwehrmann Simon Falette auf den Linksverteidigerposten gestellt. Dorthin, wo normalerweise Jetro Willems seinen Dienst versieht. Doch der Niederländer, der sich vor zwei Wochen bei der Heimniederlage gegen Bremen nicht unter Kontrolle hatte und nach einer berechtigten Roten Karte gesperrt wurde, muss weiter warten und zuschauen. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes beließ es auch nach der mündlichen Verhandlung bei der beantragten Sperre von drei Spielen.

          Internationalen Chancen der Eintracht?

          Falette hat also noch weitere Chancen, in der Bundesliga auch gegen Leipzig sowie in Mönchengladbach dabei zu sein. Für den Platz in der Startelf für die schwere Auswärtsaufgabe in Dortmund besaß Falette nur einen internen Konkurrenten für die vakante Außenposition. Hütter musste sich zwischen dem Sechsundzwanzigjährigen und dem gerade 18 Jahre alt gewordenen Nachwuchsmann Deji Beyreuther entscheiden. Seine Wahl fiel auf den „etwas ausgebuffteren Profi“, wie er erklärte.

          Auch für den zweiten Rückkehrer aus der Gruppe derjenigen, mit denen die Eintracht eigentlich nicht mehr plante, hatte der Coach später lobende Worte parat. „Marco Fabian hat seine Sache absolut in Ordnung gemacht“, urteilte der österreichische Fußballlehrer über das Comeback des Mexikaners. Angetan zeigte sich Hütter, schon auf die kommenden Partien in Marseille sowie gegen Leipzig vorausschauend, auch über den Wirkungsradius von Jonathan de Guzman. „Jonny drängt sich wieder auf“, sagte Hütter über den kanadisch-niederländischen Mittelfeldmann. „Mit seiner Leistung bin ich zufrieden.“

          Zufriedenheit allenthalben – trotz einer Niederlage, schon der zweiten im dritten Punktspiel und der vierten im fünften Pflichtspiel in dieser Saison. Und Entzücken vor dem, was kommt. „Auf die Europa League freut sich der komplette Verein“, sagte Hütter, der sich mit der Eintracht auch jenseits der Landesgrenzen behaupten will. „Wir wollen die Gruppenphase überstehen“, betonte Sportvorstand Bobic am Sonntag aufs Neue. Das Geisterspiel ohne Zuschauer am Mittelmeer wird erste Aufschlüsse darüber geben, wie es um die internationalen Chancen der Eintracht bestellt ist.

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