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Leihgabe aus Athen : Djebbour beeindruckt die Eintracht

Nachdenklicher Beobachter: Eintracht-Trainer Skibbe im Trainingslager in der Türkei Bild: dpa

Eintracht Frankfurt will sich verstärken: Der 25 Jahre alte Angreifer Rafik Djebbour muss seine Qualität nicht erst noch beweisen, sondern soll sofort von AEK Athen ausgeliehen werden. Zunächst bis zum Sommer.

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          Das Vertrauen ist groß. So groß, dass Rafik Djebbour noch nicht einmal vorzuspielen braucht. Sowohl Michael Skibbe als auch Heribert Bruchhagen verzichten darauf, sich ein persönliches Bild des 25 Jahre alten Stürmers zu machen. „Das ist ein sehr interessanter Mann, der uns angeboten worden ist“, sagte Skibbe, der Trainer der Frankfurter Eintracht, am Rande des einwöchigen Wintertrainingslagers in Belek. Schon von diesem Mittwoch an, so der letzte Stand der Planungen, soll Djebbour gemeinsam mit Skibbe arbeiten – im Kreise seiner neuen Mitspieler. Vorstandschef Bruchhagen hatte am Dienstag während des Vormittagstrainings mehrere Telefongespräche mit Djebbours Berater sowie den Verantwortlichen seines aktuellen Fußballvereins AEK Athen geführt. Tenor dieser Unterredungen: Der in Grenoble geborene Franzose, der zudem die algerische Staatsbürgerschaft besitzt, soll ab sofort bis zum Saisonende ausgeliehen werden.

          Da die bislang geführten Gespräche mit den Griechen zudem nach dem Ende des geplanten Ausleihgeschäfts eine Kaufoption enthalten, soll im Sommer entschieden werden, ob der von der Eintracht umworbene 1,85 Meter lange und 77 Kilogramm schwere Stürmer eine längerfristige Zukunft in Frankfurt hat. Vorstellbar scheint dies, „denn er ist ein sehr ausgeglichener Stürmertyp mit einer guten Schnelligkeit“, wie Skibbe unter anderem aus den Gesprächen erfahren hat, die er mit Griechenland-Kenner und Trainerkollege Ewald Lienen führte, um sich umfassend über den Kandidaten zu informieren. „Djebbour verfügt über eine gewisse Kopfballstärke, und er kann auch mit beiden Füßen abschließen. Wir haben mehrere Videos von ihm gesehen“, sagte Skibbe. Und weiter: „Rafik Djebbour kann für Eintracht Frankfurt eine vielversprechende Lösung sein.“

          „Diouf hätte ich gerne geholt“

          Anders als im gescheiterten Fall des Senegalesen Biram Diouf, der nach seinem Ausleihgeschäft von Norwegen zurück nach Manchester United kommen muss, nahm Eintracht-Chefscout Bernd Hölzenbein keinen Einfluss auf den unmittelbar bevorstehenden Transfer Djebbours. „Diouf hätte ich gerne geholt“, sagte Bruchhagen am Dienstag in Belek. „Bernd Hölzenbein hat ihn gesehen und war angetan von ihm.“

          Für Djebbour, fußballerisch großgeworden in der Jugend des französischen Traditionsklubs AJ Auxerre, haben augenscheinlich Fakten gesprochen. Vertraglich noch bis Juni 2011 an AEK Athen gebunden, hat der Stürmer während seines nun vierjährigen Engagements in der griechischen Liga (Stationen in Asteras, Atromitos, Panionios und zuletzt AEK Athen) in 55 Spielen 23 Tore erzielt. Herausragend war dabei die Saison 2007/2008, als er für Panionios in 24 Einsätzen vierzehn Mal traf. Als Nationalspieler für Algerien war der Mann bislang zehnmal am Ball, dabei erzielte er drei Tore. Hält Djebbour, was sich die Eintracht von ihm verspricht, könnte er mithelfen, die Durchschlagskraft im Sturm zu erhöhen.

          Ladehemmung im Sturm

          Dass gerade im Angriff Handlungsbedarf wegen der beiden Langzeitausfälle von Ioannis Amanatidis und Martin Fenin besteht, ist offenkundig. Der zum Angreifer umfunktionierte Alexander Meier stieg zwar mit sechs Treffern zum erfolgreichsten Frankfurter Torschützen in dieser Saison auf. Und auch Nebenmann Nikos Liberopoulos, der beim 2:1-Heimsieg gegen Hannover 96 am 17. Oktober sein einziges Tor erzielte, erwarb sich durchaus Verdienste um das Frankfurter Angriffsspiel. Ein echter Torjäger aber ist der 34 Jahre alte Grieche nicht mehr, und auch Meier ist kein Vollstrecker im klassischen Sinne.

          Die Eintracht und die Stürmersuche: An der aktuell sonnigen türkischen Riviera, die ihre sportlichen Gäste mit angenehmen Mittagstemperaturen von bis zu 18 Grad verwöhnt und die Arbeit mit und ohne Ball auf dem von Pinien umsäumten Trainingsplatz erleichtert, ist in die Verstärkungsbestrebungen schneller als vielleicht erwartet Dynamik gekommen. Bruchhagen sprach in der Personalie Djebbour zwar davon, „dass noch Etappen zu erfüllen sind“. Die von ihm erwähnte „Schrittigkeit“ aber steht. „Wir haben AEK Athen ein Angebot gemacht, wie wir uns einen Transfer vorstellen. Und wir haben auch schon mit dem Spieler gesprochen. Meine Erfahrung im Transferbereich sagt mir, dass sich noch Probleme ergeben können. Es ist alles offen.“

          Karlo Primorac unauffällig

          Worte des Eintracht-Vorstandschefs und Managers, die schon bald von der Realität überholt sein dürften. Dann nämlich, wenn Djebbour wie erhofft an diesem Mittwoch für seinen neuen Klub die Schuhe schnürt. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass der bislang wenig auffällige kroatische Gastspieler Karlo Primorac spätestens nach der Vorspielwoche wieder nach Hause geschickt wird.

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