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Eintracht Frankfurt : Junger Denker im Abwehrzentrum

  • -Aktualisiert am

Bundesligastart mit Hindernissen: Eintracht-Innenverteidiger Jesus Vallejo (rechts) muss verletzungsbedingt bislang so manche Klippe meistern. Bild: Heiko Rhode

Nach einer Verletzungspause ist der von Real ausgeliehene Vallejo voller Tatendrang. Rechtzeitig zum Bundesligastart der Eintracht gegen Schalke.

          Eintracht an diesem Mittwoch nicht nennen, eher gedrückt. Die dünne Vorstellung der Mannschaft im DFB-Pokal in Magdeburg drückte doch auf das Gemüt. Und die Leistungen der Spieler während des Trainingsspiels neun gegen neun gab auch keinen Anlass zum Optimismus, dass der Bundesligastart am kommenden Samstag gegen Schalke 04 zu einem Fußball-Fest geraten könnte. Immer wieder störten Fehler in der Ballbehandlung und unpräzise Abspiele den Ablauf. Für die Feinabstimmung beim Spielaufbau ist es noch zu früh, man ist noch mit der Grobabstimmung beschäftigt. Trainer Niko Kovac lockerte dann die Atmosphäre am Ende des Vormittags mit einer in einen Wettbewerb verpackten Torschussübung auf. Am Ende gab es auch ein paar lächelnde Gesichter unter den Siegern. Kritischen Zuschauern waren zuvor die Züge bei manch krass missglücktem Schussversuch (vor allem mit links) gefroren.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Für Jesus Vallejo war der Arbeitstag rundum positiv zu bewerten. Der 19 Jahre alte Spanier macht nach einer Verletzungspause so gute Fortschritte, dass er auf einen Einsatz gegen Schalke hoffen darf. Gerade nach dem wackligen Start seines Kollegen und Konkurrenten auf der Position des Innenverteidigers, Michael Hector, kann es nicht schaden, eine Alternative auf der Bank zu haben. Zumal Verteidiger Nummer eins, David Abraham wegen leichter Beschwerden am Mittwoch nicht am Mannschaftstraining teilnahm. „Ich habe alle Übungen ohne Schmerzen mitmachen können, es geht immer besser“, sagte Vallejo nach dem Training voller Tatendrang.

          Real Madrid zahlte fünf Millionen Euro für das Talent

          Schon in der Rückrunde der vergangenen Saison hatte ihn seine Verletzung gebremst. Vallejo konnte nur sechs von 21 Spielen für seinen damaligen Klub, den Zweitligaverein Real Saragossa, bestreiten. Nach einem Muskelfaserriss im Oberschenkel verletzte sich der kaum genese Abwehrspieler nach drei Begegnungen abermals und konnte bis zum Saisonende nicht mehr eingesetzt werden. „Diese Verletzung habe ich mit in die Vorbereitung geschleppt. Ich dachte, es wäre alles okay, aber nach der Belastung bekam ich wieder Beschwerden“, beschrieb Vallejo seine ersten Wochen in Frankfurt. So wurde er langsam wieder an das Training herangeführt. Die individuellen Übungen und die medizinische Betreuung imponieren dem Spanier: „Die Vorbereitung auf das Training habe ich so nicht gekannt“, sagte er am Mittwoch.

          Nun sei er aber richtig fit und brenne darauf, sein Können in Frankfurt zu beweisen. In Spanien gilt Vallejo, der in Saragossa geboren wurde und beim dortigen Klub auch das Fußballspielen lernte, als eines der größten Verteidigertalente. Er blickt auf Einsätze in allen Junioren-Nationalteams seines Landes zurück, häufig erhielt er die Kapitänsbinde. Auch in der U 19, die bei der EM in Griechenland den Titel gewann und bei der er in allen fünf Spielen in der Startelf stand und glänzte. Real Madrid machte das Rennen unter den spanischen Spitzenklubs um das Talent und verpflichtete es vor einem Jahr für fünf Millionen Euro.

          Real Saragossa: „Dies ist mein Zuhause.“

          Um den Nachwuchsspieler weiter reifen zu lass, liehen ihn die Madrilenen jedoch sofort wieder an seinen Stammverein aus. Und trotz seiner damals 18 Jahre bestimmte ihn Trainer Rank Popovic auch dort zum Mannschaftskapitän. „Es war ein doppelt so schönes Gefühl, die Verantwortung übertragen zu bekommen“, sagt Vallejo zu dieser ungewöhnlichen Kür. „Aber die erfahrenen Spieler haben mir geholfen und ich habe den Vorstand gefragt, was er von mir in dieser Rolle erwartet.“

          Vallejo ist ein junger Mann, der sehr rational handelt und schon ein gutes Gefühl dafür entwickelt hat, welches Verhalten sich schickt. Nach der Unterschrift seines Sechsjahresvertrages bei Real teilte er den Fans in Saragossa in einen Öffentlichen Brief seine Beweggründe mit. „Ich bin begeistert von diesem Schritt zu Real Madrid, von dem jeder Fußballprofi auf der Welt träumt. Ich verspüre ebenso Bedauern, denn ich werde damit aufhören, das Trikot des Klubs meines Lebens zu tragen. Der Klub, der mich aufnahm, als ich ein Kind war, und mich sowohl als Mensch als auch als Profi erzog. Und ich hoffe, während meiner Karriere eines Tages zurückzukehren - falls ihr das so wollt. Dies ist mein Zuhause.“

          „Ich stehe jetzt Gewehr bei Fuß.“

          Nun, er kehrte schneller als gedacht als Leihspieler nach Saragossa in die Zweite Liga zurück, weil ihn Real nicht sofort in seinen Kader aufnehmen wollte. Aber seine Äußerungen sprechen dennoch für den Jurastudenten. Er immatrikulierte sich im vergangenen Herbst, um ein zweites Standbein zu haben, falls er wegen einer schweren Verletzung seine Karriere beenden muss.

          Genauso umsichtig und durchdacht verhält sich Vallejo auf dem Fußballplatz. Als seine größte Stärke bezeichnen Experten seine Antizipationsfähigkeit und seine geschicktes Stellungsspiel. Auch seine Ballbehandlung ist für einen Verteidiger außergewöhnlich gut. Noch fehlt ihm ein wenig die Physis, mit 1,82 Metern ist er auch nicht sonderlich groß. Doch in Spanien ist man sich sicher, dass er sich in der Bundesliga durchsetzen werde - wenn Vallejo verletzungsfrei bleibt. Der Teenager ist sicher, dass er die Pause gut genutzt hat: „Das spezielle Muskeltraining zur Verletzungsprävention hat mir viel gebracht. Ich stehe jetzt Gewehr bei Fuß.“

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