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Im Gespräch: Heribert Bruchhagen : „Ich weiß nicht, was Skibbe eigentlich will“

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Bruchhagen über Skibbe : Wenn er in meinem Büro ist, dann ist er immer höflich, zuvorkommend und konstruktiv Bild: Wonge Bergmann

Wieder einmal hat sich Eintracht-Trainer Skibbe über seinen Chef Bruchhagen ausgelassen. Der Vorstandschef führt das auch auf eine „sehr offene Medienpolitik“ zurück, wie er im Interview sagt. Skibbe wiederum habe noch keinen Verbesserungsvorschlag

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          Wieder einmal hat sich Eintracht-Trainer Skibbe über seinen Chef Bruchhagen ausgelassen. Der Vorstandschef führt das auch auf eine „sehr offene Medienpolitik“ zurück, wie er im Interview mit der Rhein-Main-Zeitung sagt.

          Kürzlich sagten Sie in einem Interview, Sie seien genervt von den regelmäßigen öffentlichen Äußerungen Ihres Trainers Michael Skibbe, die Eintracht müsse besser arbeiten, um voranzukommen, sie müsse mehr Ehrgeiz haben – und dass er manches anders machen würde. Nun hat er in einem „Kicker“-Interview noch einmal nachgelegt. Sind Sie wieder genervt?

          Genervt ist zu viel gesagt. Aber ich weiß in der Tat nicht, was Michael eigentlich will. Er ist zu allen unseren Besprechungen eingeladen, aber bislang hat er mir noch keinen Verbesserungsvorschlag unterbreitet. Wir unterliegen bei der Eintracht ständigen Strukturverbesserungen, dies ist bei über 100 Mitarbeitern unumgänglich. Wenn er in meinem Büro ist, dann ist er immer höflich, zuvorkommend und konstruktiv. In seinen Interviews kann man das manchmal nicht erkennen. Michael betreibt eine sehr offene Medienpolitik.

          Gibt es keine Absprache zwischen Ihnen, dass solche Themen intern und nicht öffentlich besprochen werden sollten?

          Doch, die gibt es. Aber wie gesagt, Michael muss täglich Antworten auf konkrete Fragen geben. Diese Antworten sind in der komplizierten Transfer- und Spielerpolitik für den Manager, der mit den Spielern verhandelt, nicht immer zielführend.

          Bereitet er damit womöglich nur Spielertransfers den Boden? Zuletzt, nach der Verpflichtung von Halil Altintop, hieß es, dies sei ein Erfolg seiner wiederholten Kritik. Stimmt das?

          Nein, das stimmt nicht. Ich war schon lange in Kontakt mit Felix Magath vom FC Schalke, und bei keinem der ersten drei Gespräche, die wir geführt haben, war Michael Skibbe dabei. Warum sollte er auch? Wir führen auch mit anderen Vereinen Gespräche. Die des Trainers mit Spielern stehen erst dann an, wenn sich die Vereine geeinigt haben. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die Suche nach einem Stürmer der Kritik des Trainers geschuldet war. Spielerverpflichtungen erfolgen aus einer Gesamtsicht entsprechend unserer Strategie. Hier bestand immer Konsens, dass wir einen Stürmer brauchen.

          Welche Motive vermuten Sie bei Skibbe?

          Es scheint mir eine Art Versicherung im voraus zu sein, Verfehlen wir unsere sportlichen Ziele, dann kann der Trainer sagen, er habe frühzeitig auf die Mängel hingewiesen. Sind wir erfolgreich, so wie derzeit, dann heißt es, wir schaffen es trotz unserer angeblichen Mängel.

          Erleben wir gerade einen Machtkampf bei der Eintracht?

          Ich will keinen Diadochenkampf oder Disput. Aber ich weiß, dass wir vieles richtig machen, so wie wir hier seit Jahren arbeiten. Es geht um die gesamte Struktur der Fußball AG, um die habe ich mich zu kümmern. Michael Skibbe kennt diese Struktur nicht, und er kann sie auch nach so kurzer Zeit gar nicht kennen. Wir haben 100 Mitarbeiter bei der Eintracht, von denen kann er bei weitem nicht alle kennen.

          Skibbe hat sich so nie geäußert, aber es entsteht der Eindruck, dass Bernd Hölzenbein, der Sie berät und Spieler beobachtet, nicht gut genug arbeitet. Ist das berechtigt?

          Nein, das ist es nicht. Es ist eine Fehleinschätzung, wenn er in Frage gestellt wird. Als wir zuletzt bei Borussia Dortmund gewonnen haben, standen zehn Spieler auf dem Platz, die Bernd Hölzenbein mit ausgesucht hat. Das sagt doch alles über die Qualität seiner Arbeit. Ich bin hochzufrieden mit der Arbeit unseres Trainers, er ist sehr wichtig für unseren derzeitigen Erfolg. Aber dieser ist nicht nur ihm allein geschuldet.

          Hätten Transfers wie der des Brasilianers Lincoln, den Skibbe unbedingt haben wollte, den Sie aber abgelehnt haben, die Eintracht nicht noch ein Stück weiter nach vorne bringen können?

          Wir sind der einzige Verein der Bundesliga, der Lincoln ein Angebot gemacht hat, es gab also keine Ablehnung. Neben dem Vorstand saß auch der Hauptausschuss bis tief in die Nacht zusammen, um den Transfer perfekt zu machen. Der Spieler hat es jedoch vorgezogen, lieber sechs Monate nicht zu spielen.

          Skibbe sagte gerade in dem Interview, dass es für ihn mitunter schwer sei, einen Austausch mit Ihnen zu finden, weil Sie drei Aufgaben gleichzeitig haben. Stimmt das?

          Es war von allen so gewollt, dass ich die Eintracht Frankfurt Fußball AG nach außen vertrete und auch Verträge aushandele. Das habe ich ja auch bei der Verpflichtung von Michael Skibbe getan.

          Würden Sie auf Teile Ihrer Befugnisse verzichten, um den Konflikt zu befrieden?

          Dazu gibt es keinen Grund, denn wir haben in den letzten sieben Jahren mit dieser Aufgabenverteilung einen sehr guten Weg beschritten.

          War ein Rausschmiss des Trainers für Sie je ein Thema?

          Natürlich nicht. Michael Skibbe leistet hervorragende Arbeit. Außerdem habe ich in über zwanzig Jahren in diesem Geschäft immer an der Seite des Trainers gestanden. Und das wird bei Michael Skibbe auch dann so sein, wenn die Ergebnisse mal anders ausfallen.

          Sie haben schon viele Trainer erlebt und mit vielen zusammengearbeitet. War mal einer wie Skibbe dabei?

          Es ist für mich eine neue Erfahrung. Aber die Bundesliga ist nun mal facettenreich.

          Skibbe sagt, er habe bei seinen früheren Vereinen im Tagesgeschäft bis zu drei Gesprächspartner gehabt. In Frankfurt gibt es nur Sie. Ist das ein Problem?

          Michael sollte nicht unterschlagen, dass er bei diesen Vereinen mit mehreren Ansprechpartnern eine Verweildauer von einmal 19 und einmal 28 Monaten hatte, dann haben ihm die Gesprächspartner den Stuhl vor die Tür gesetzt. Wir hoffen, dass er bei uns länger bleibt. Auch hier hat er genügend Gesprächspartner. Er tauscht sich doch fast täglich mit Körbel, Lötzbeier, Hölzenbein und mir aus. Und auch Thomas Pröckl steht Michael in seinem Verantwortungsbereich als Ansprechpartner zur Verfügung, so wie damals Wolfgang Holzhäuser bei Bayer Leverkusen. Aber letztlich bleibt die Gesamtverantwortung beim Vorstand – und der hat die gleichen Ziele wie Michael.

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