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Herausforderung für Eintracht : Fußball zwischen Lust und Last

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Immer weiter: Luka Jovic und die Eintracht hetzen derzeit zwischen Bundesliga und Europapokal von Spiel zu Spiel. Bild: dpa

Düsseldorf, Mailand, Nürnberg – auf die Eintracht kommen anstrengende sieben Tage zu. Offiziell hadert damit niemand im Team. Wie groß ist die Herausforderung?

          Es wird ein herzliches Wiedersehen in Düsseldorf. Er freue sich, Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel zu treffen, sagt sein Frankfurter Kollege Adi Hütter. „Nach dem 1:7 bei uns hat er sich top verhalten.“ Wer Größe im Angesicht einer hohen Niederlage zeigt, ist beim Eintracht-Trainer hoch angesehen. Kein Wunder, dass Hütter Funkel den tabellarischen Aufstieg in den vergangenen Monaten mit dem Erstliga-Aufsteiger von Herzen gönnt. „Wahnsinnig gönnt“ – so drückt es der Frankfurter Chefcoach aus. In der Rückrundentabelle liegen die Hessen und die Rheinländer gleichauf: mit jeweils 13 Punkten nach sieben Spielen. Die Düsseldorfer (insgesamt 31 Punkte) haben sich als Tabellenelfter mit einem Kraftakt ein ordentliches Stück weit von den Abstiegsplätzen entfernt.

          Und dadurch auch mächtig an Selbstvertrauen gewonnen. „Meine Mannschaft ist nicht mehr die Mannschaft aus dem Hinspiel“, betont Funkel, der ehemalige Eintracht-Trainer, und verweist außerdem auf die heute größere Erfahrung seiner Spieler. Das Debakel der Düsseldorfer in Frankfurt hat für die Fortuna knapp fünf Monate später nach eigener Einschätzung keine Bedeutung mehr. „Wir müssen auch kein 1:7 aufholen. Das Spiel startet bei 0:0.“ Funkel baut seiner Mannschaft vor dem zweiten Schlagabtausch psychologisch eine Brücke.

          Spielbeginn ist in Düsseldorf um 20.30 Uhr. Ausgerechnet an einem Montag, der in eine extrem wichtige und zukunftweisende Arbeitswoche der Eintracht fällt. Nun wollen die Hessen bei Inter Mailand den Einzug in das Viertelfinale der Europa League bewerkstelligen. Nach dem 0:0 im Hinspiel würde ihnen schon ein Remis mit einem oder mehr Treffern reichen. Eine besondere Herausforderung wird das europäische Kräftemessen mit den kampferprobten Italienern trotzdem. Wäre da vorab ein Spiel im Alltagsgeschäft Bundesliga für die Vorbereitung nicht besser gewesen? „Ich beteilige mich nicht an den Diskussionen“, sagte Hütter, der bei solchen Sachen immer ganz der Pragmatiker ist. „Ich nehme es so, wie es ist. Alles andere bringt nichts.“ Und: „Jeden dritten oder vierten Tag zu spielen ist nichts Neues für uns.“ Der Frankfurter Sportdirektor Bruno Hübner zeigte sich in der Angelegenheit hin- und hergerissen. „Für uns ist das nicht optimal“, sagte er kürzlich in einer Presserunde.

          „Düsseldorf ist eine sehr robuste Mannschaft“

          Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) wolle ja, „dass die deutschen Mannschaften so weit wie möglich kommen. Von daher wäre es schon gut gewesen, wenn wir das Montagsspiel nicht gehabt hätten.“ Mit einem Grinsen im Gesicht sagte Hübner noch, dass die DFL der Eintracht es „vielleicht nicht zugetraut“ habe, „dass wir so weit kommen“. Nur einen Tag später ruderte der Sportdirektor jedoch zurück, per Twitter verbreitete die Eintracht ein neues, anderslautendes Statement von ihm: „Das Spiel am Montag in Düsseldorf ist für uns in Bezug auf die Inter-Spiele kein Nachteil. Wir haben mit der Terminierung kein Problem und gehen diese Herausforderung selbstbewusst an“, hieß es nun. Diese Denkweise vertritt der Vorgesetzte von Hübner, Fredi Bobic. Für den Frankfurter Sportvorstand steht es außer Frage, dass ein Bundesliga-Profi „dreimal in der Woche“ spielen können sollte.

          Erst einmal kommt für die Eintracht jetzt Düsseldorf. Ein Erstliga-Duell, über das Hütter sagt, dass es aktuell „das absolut wichtigste“ sei. „Denn wir wollen versuchen, ganz vorne dabei zu bleiben, wir haben auch hohe Ziele in der Meisterschaft.“ Ihr stattliches Punktepolster (40) können die Frankfurter, deren Chefscout und Kaderplaner Ben Manga als Sportdirektor das Interesse von AS Rom geweckt haben soll, in den kommenden Wochen noch einmal kräftig aufstocken. Nach Düsseldorf heißen die Gegner Nürnberg, Stuttgart, Schalke und Augsburg. Alles Mannschaften, die die Eintracht bei ihren hohen Ansprüchen bezwingen sollte. Ganz so wie in der Hinrunde: Damals verbuchte sie 13 von 15 möglichen Punkten, nur beim 1:1 in Nürnberg gab Frankfurt zwei Zähler ab, wobei sie am Ende mit Glück noch einen gewann.

          Besonders beeindruckend war die Torbilanz von 17:3 in den fünf Partien. Das zählt jetzt aber nicht mehr viel, die vielbeschäftigte Eintracht muss sich neu beweisen. „Wir wissen um die Gefahr in diesem Spiel“, sagt Hütter. „Düsseldorf ist eine sehr robuste Mannschaft. Wir müssen den Kampf annehmen und mit hoher Laufbereitschaft agieren.“ Frankfurt wird sich mit aller Kraft gegen den Aufwärtstrend der Fortuna stemmen müssen, diese entschied von den fünf zurückliegenden Heimspielen vier für sich.

          Hütters Bestrafung zu hart?

          Auf der anderen Seite werden auch die Rheinländer, die sich eine längere Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Leihspieler Aymen Barkok gut vorstellen können, mit den Hessen zu kämpfen haben, wenn der Rangsechste zu seiner gewohnten Form findet. „Wir dürfen die Offensive der Eintracht nicht in Fahrt kommen lassen“, fordert Funkel.

          Für ihn ist die Eintracht „die offensivstärkste Mannschaft der Liga“. Wie im Hinspiel wird Stürmer Ante Rebic (Knieprobleme) den Hessen aber fehlen. Auch der Einsatz von Kapitän David Abraham ist fraglich, er gehe davon aus, „dass David für Montag noch kein Thema ist“, sagte Hütter auf der wöchentlichen Bundesliga-Pressekonferenz. Makoto Hasebe, der sich gegen Inter das Nasenbein brach, könnte mit einer Spezialmaske zum Einsatz kommen. Ein Risiko wird Hütter bei Hasebe vor dem Rückspiel in Mailand allerdings nicht eingehen.

          Im altehrwürdigen San-Siro-Stadion wird Hütter in der Hauptrolle außen vor sein. Nach seiner Sperre für die Partie in Mailand durch die Uefa muss er sich die Begegnung von der Tribüne aus anschauen. Die Eintracht prüft, ob ein Einspruch möglich ist und ob dieser dann auch sinnvoll wäre. Die Uefa hat angekündigt, die Causa Hütter am 28. März zu verhandeln. Weil er mit einer Schiedsrichterentscheidung im Hinspiel nicht einverstanden war, hatte Hütter am Spielfeldrand gegen eine Wasserflasche getreten. Sein Fehlverhalten sieht Hütter ein, dennoch hält er die Bestrafung für zu hart.

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