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Gekas und die Eintracht : Eine Frage der Zeit

Neue Sturm-Hoffnung der Frankfurter Eintracht: Theofanis Gekas Bild: Wonge Bergmann

Erst im dritten Anlauf kommen die Eintracht und ihr neuer Stürmer, der Grieche Theofanis Gekas, zusammen. Bei seiner Vorstellung in der Frankfurter Arena nennt er hohe Ziele.

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          Der neue Mann ist überpünktlich. Zehn Minuten vor der Zeit betritt Theofanis Gekas den großen Raum in den Katakomben der Frankfurter Arena - und schüttelt sogleich den Kopf. Mehr als ein Dutzend Fotografen stürzen sich auf den Griechen, drücken immer und immer wieder auf den Auflöser. Der 30 Jahre alte Grieche schaut ein wenig verlegen drein, als wolle er sagen: Ganz schön viel Trubel, der hier gemacht wird.

          Dabei sind die Fakten seit längerem bekannt. Der Fußballprofi hatte schon vor einer Woche Einigkeit erzielt, zukünftig für die Frankfurter Eintracht in der Bundesliga am Ball zu sein. Am Mittwoch nun bekommt die Verpflichtung ihren offiziellen Anstrich. Dafür ist der nach dem Abstieg von Hertha BSC Berlin freigewordene Stürmer eigens aus der Schweiz, in der die Griechen in Bad Ragaz ihr vorbereitendes WM-Trainingslager absolvieren, nach Frankfurt geflogen. „Um fünf Uhr bin ich aufgestanden“, lässt er von seinem Berater Paul Koutsoliakos übersetzen. Otto Rehhagel, der Coach der griechischen Nationalmannschaft, hatte seinem am Schienbein leicht verletzten Angreifer - sein Mannschaftskollege, der frühere Eintracht-Profi Sotirios Kyrgiakos hatte ihn im Testländerspiel gegen Nordkorea versehentlich getreten - ein paar Stunden genehmigt, um von Bad Ragaz über Zürich nach Frankfurt zu kommen. Dort absolviert Gekas zur allgemeinen Zufriedenheit den sportmedizinischen Check, unterzeichnet die Originalverträge, erhält ein vorläufiges Trikot mit der Rückennummer 21 und stellt sich den Fragen der Reporter. Natürlich hätte er schon jetzt die Nummer 22 erhalten. Doch diesem Wunsch konnten ihm seine neuen Vorgesetzten noch nicht erfüllen. Ersatztorwart Ralf Fährmann trägt die 22 und war wegen des langen Sommerurlaubs nicht erreichbar, um einem Tausch zuzustimmen.

          Einst beobachtet von Hölzenbein

          22 - diese Zahl bedeutet viel für Gekas. In seiner Hoch-Zeit hat er im Trikot des VfL Bochum mit ebendieser Rückennummer für die Bestmarke in der Saison 2006/2007 gesorgt. Zwanzig Treffer machten Gekas zum Torschützenkönig und für so manchen Erstligarivalen interessant. Was nicht viele wissen dürften: Schon 2004, als kaum jemand in Deutschland von ihm sprach, hatte die Eintracht ihre Fühler nach dem wendigen Stürmer ausgestreckt. „Bernd Hölzenbein“, sagt Koutsoliakos in kleiner Runde, „hat ihn damals beobachtet.“ Gekas stand da noch beim damaligen Athener Erstligavertreter GS Kallithea unter Vertrag. „Die Eintracht hätte ihn für 100 000 Euro haben können“, sagt der Berater. Doch man habe sich stattdessen für den Transfer von Verteidiger Aleksandar Vasoski entschieden.

          Nun aber ist Gekas endgültig in Frankfurt angekommen - im dritten Anlauf nach ersten Annäherungen im Sommer des vergangenen und im Winter dieses Jahres. „Die Eintracht hat sich jetzt im Sommer richtig um ihn bemüht“, sagt Koutsoliakos. Förderlich ist zudem gewesen, dass die noch im Winter aufgerufene Ablöseforderung von Bayer 04 Leverkusen binnen eines halben Jahres von zwei Millionen auf eine Million Euro gesunken ist. Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen hat mit seiner Taktik, nicht überstürzt zu handeln, also wieder einmal richtig gelegen. Zudem glaubt der Frankfurter Manager, mit Gekas in der Offensive richtig gut aufgestellt zu sein. „Ich bin überzeugt davon, dass wir den richtigen Spielertyp ausgewählt haben.“ Einer, der stürmische Unterstützung von vielen Seiten erhalten dürfte.

          „Ich bin so was von entspannt“

          „Wir haben so viele Variationsmöglichkeiten“, sagt Bruchhagen - und nennt die Offensivspieler Ümit Korkmaz, Martin Fenin und Alexander Meier. Von Ioannis Amanatidis, der aktuell bemüht ist, wieder ganz der Alte zu werden, spricht Bruchhagen aus den bekannten Verletzungsgründen nicht. Und von Halil Altintop auch nicht. „Ich bin so was von entspannt“, sagt der Manager. „Wir haben bis 31. August Zeit und stehen überhaupt nicht unter Druck.“ Es ist ungewisser denn je, dass der Deutsch-Türke auch dann noch im Lizenzspielerkader der Eintracht steht, wenn dieser nach siebenwöchigem Urlaub am 5. Juli wieder die Tagesarbeit aufnimmt.

          Theofanis Gekas wird zu diesem Zeitpunkt keinesfalls dabei sein. Eintracht-Trainer Michael Skibbe hat ihm folgende Urlaubsregelung zugestanden: drei Wochen Pause unmittelbar nach dem Ausscheiden Griechenlands bei der Weltmeisterschaft in Südafrika. Gekas selbst glaubt daran, dass sich die Hellenen bis ins Viertelfinale vorkämpfen können. Durchaus denkbar, dass die stürmische Hoffnung Mitte des ersten Sommertrainingslagers in der Sportschule Grünberg erstmals auf seine neuen Frankfurter Spielkameraden trifft. Sein ganz bescheidener Wunsch für die nahe Zukunft: „Ich möchte mit meinen Toren mithelfen, dass die Eintracht im kommenden Jahr besser abschneidet als zuletzt“, sagte er. Mit Gekas soll der Sturm in einstellige Tabellenregionen gelingen.

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