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Frankfurt Cup : Eintracht verpatzt Derby in der Halle

Zwei Siege konnten die Eintracht-Fans in der Frankfurter Ballsporthalle bejubeln (Archivbild). Bild: Wonge Bergmann

Verkehrte Welt beim Frankfurter Hallenturnier: Zweitligist FSV fertigt die Eintracht mit 6:0 Toren ab und wird Turnier-Sieger. Stammkeeper Trapp meldet sich beim Bundesliga-Neunten gesund zurück.

          Die Wiedersehensfreude beruhte auf Gegenseitigkeit. Schon als Kevin Trapp  den Rasen der Wiesbadener Arena betrat, brandete Beifall auf. Lauter wurde es, als der Stadionsprecher des SV Wehen Wiesbaden die Mannschaftsaufstellung der Eintracht vorlas und als ersten Namen „Kevin Trapp“ ins Mikrofon brüllte. Der Frankfurter Anhang reagierte entzückt: Immer wieder erklangen Rufe nach dem Keeper durch die Arena. Es war ein herzlicher Empfang im Wiesbadener Dauerregen, der der Stimmung nichts anhaben konnte. Gut die Hälfte der rund 4200 Zuschauer, die sich den freundschaftlichen Vergleich der Eintracht mit dem ambitionierten Drittligaklub am Freitag anschauten, sympathisierte mit der Eintracht, die nicht nur 2:0 durch die Tore von Gastspieler Musashi Suzuki und Martin Lanig gewann, sondern sich am Ende des Fußballabends auch über eine noch wichtigere Botschaft freuen konnte: Kevin Trapp ist wieder da, das Comeback geglückt.

          Dass Trapp knapp 24 Stunden später beim Hallenturnier in der Frankfurter Ballsporthalle keine aktive Rolle spielen würde, sondern nur als Autogrammschreiber vor Ort erschien, war geplant. Er erlebte so als Zuschauer, wie seine Kollegen bei der Vergabe des Titels leer ausgingen. Sie verloren das entscheidende Vorrundenspiel, das über den Einzug ins Finale entschied, ausgerechnet gegen den FSV Frankfurt überaus deutlich: mit 0:6 Toren wurden sie geschlagen. Die übrigen Spiele gegen Zürich (3:1), Greuther Fürth (3:5) und Darmstadt 98 (5:2) verliefen nicht so unangenehm einseitig. Den Turniersieg sicherte sich der FSV durch ein 2:1 gegen Greuther Fürth im Endspiel, wobei Matchwinner Kauko ein Doppelpack gelang. Überschattet wurde das Turnier von Ausschreitungen. Beim Spiel zwischen Darmstadt und Zürich kam es zunächst auf dem Spielfeld zu Rudelbildung. Daraufhin flogen Gegenstände aus dem Fanblock der Schweizer auf die Darmstadt-Anhänger. Die Polizei zog auf, das Spiel wurde beim Stand von 4:3 für Darmstadt nicht wieder angepfiffen. Ernsthaft verletzt wurde ersten Informationen zufolge niemand.

          Eintracht-Coach Thomas Schaaf hatte bewusst darauf verzichtet, seinen Kapitän in der Halle ins Tor zu stellen. Er wollte auf dem rutschigen Kunstrasen jedes überflüssige Verletzungsrisiko für Trapp, die Rekonvaleszenten im Team sowie Leistungsträger wie Alexander Meier, Stefan Aigner oder Bastian Oczipka vermeiden. Die Erinnerungen an die Traditionsveranstaltung, die die Frankfurter zuletzt 2007 gewonnen hatten, waren schließlich nicht nur blendend; zuletzt hatte es vor zwölf Monaten bei gleicher Gelegenheit Sonny Kittel böse am Knie erwischt, so dass das Talent für Monate ausfiel.

          Trapp meldete sich an der frischen Luft in Wiesbaden rundum belastbar zurück. Der Riss der Syndesmose, den sich der Vierundzwanzigjährige im Bundesliga-Heimspiel gegen Mainz 05 am 23. September zugezogen hatte, ist auskuriert, und als er nach dem neunzigminütigen Einsatz von seinen Eindrücken berichtete, lag ein zufriedener Ausdruck auf seinem Gesicht: „Alles in Ordnung“, sagte er, „ich habe meine Leistung nachgewiesen.“ Nur ein Zufall? Erstmals seit dem 2:0 am 30. November gegen Dortmund blieb die Eintracht mal wieder ohne Gegentor. Gewiss: Der Gegner war kein erstklassiger. Doch die couragierten Männer aus der Landeshauptstadt, von Trainer Marc Kienle für den Vergleich mit dem Favoriten ordentlich eingestellt, brachten Trapp auf Trab. Doch egal, wer auch Maß nahm: Der Keeper ließ sich nicht überlisten. Er hielt, was zu halten war.

          Stellvertreter liebäugeln mit Abgang

          In der Ballsporthalle am Samstagabend deutete Emil Balajew an, dass es auch ihm auf dem Posten zwischen den Pfosten nicht an Talent mangelt. Bei der 37. Auflage des „Frankfurt-Cups“ hielt er vor allem zu Beginn gegen den Grashopper Club Zürich seinen Vorderleuten den Rücken frei. Beim Erfolg gegen die Schweizer, bei denen der ehemalige Frankfurter Caio versuchte, dem Auftritt seines Teams eine torgefährliche Struktur zu verleihen und der während seiner Einsatzminuten von den 5000 Zuschauern immer wieder beklatscht wurde, war Balajew der auffälligste Akteur auf dem Feld.

          Wieder fit: Eintrachts Stammtorwart Kevin Trapp

          Mit einer Handvoll Paraden half der Aserbaidschaner der Eintracht, die eine elfköpfige Auswahl aufbot, in der lediglich Jan Rosenthal, Piazon, David Kinsombi sowie Slobodan Medojevic über Profierfahrung in der Bundesliga verfügten; der Rest waren Jugendspieler wie Adrian Matuschweski, Volkan Egri oder Enis Bunjaki. Beim abschließenden Auftritt, der zu einer Vorführung durch den FSV geriet, stand der A-Jugendliche Yannick Zummack bei seiner Bewährungsprobe als Schlussmann, ohne Unterstützung der Mitstreiter, auf verlorenem Posten.

          Aktuell ist der in der Winterpause verpflichtete Balajew nur die vierte Wahl für Schaaf, doch womöglich ändern sich die Perspektiven des 20-jährigen rasch. Noch ist immer nicht absehbar, wie sich in dieser Transferperiode die Dinge entwickeln: Timo Hildebrand und Felix Wiedwald, die zuletzt ihre Stellvertreterrolle gut erfüllten, liebäugeln weiterhin mit einem Abgang – an einem gesunden Trapp (in Normalform) gibt es für das Duo kein Vorbeikommen. Doch der ehemalige U21-Nationaltorwart kann im Sommer aufgrund einer Klausel ein Jahr vor Ende seines Vertrags den Klub verlassen.

          Trapp ist furchtlos

          Trapp klang bei seiner momentanen Lageeinschätzung ziemlich gelassen. Er verspüre keinen Druck, sagte er, und habe Freude, wieder richtig mitmischen zu können: „Angst hat keine Rolle gespielt“, sagte er in Wiesbaden. Der Kopf sei „wieder frei“. Schon in den Tagen vor dem ersten Test verspürte Trapp Vorfreude auf das Comeback. Und nun folgte die Bestätigung: „Das ist ein guter Anfang und ein guter Weg.“ Sein nächster Wunsch, „gesund zu bleiben und in der Bundesliga im Tor zu sein“, kann in Erfüllung gehen.

          Er will die kommende Arbeitswoche im Eintracht-Trainingslager in Abu Dhabi weiter dazu nutzen, um „die nächsten Schritte“ zu machen, wie er es in der Ballsporthalle formulierte. Sein erster Auftritt 2015 hatte da gezeigt, dass die Richtung schon stimmt – für alle Beteiligten ein schönes Zeichen zum Start ins neue Sportjahr, das noch wichtigere Prüfungen bereit halten soll als ein Einladungsturnier unterm Hallendach.

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