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Frankfurt vor Europa League : Die neue Gier der Eintracht

Nächster Grund zum Feiern? In der Europa League will die Eintracht auch das Heimspiel gegen Lazio Rom gewinnen. Bild: dpa

Mit dem Europa-League-Heimspiel gegen Lazio Rom erwartet Eintracht Frankfurt das erste große Highlight dieser Saison. Gegen den Klub aus Italien soll „offensive Power“ zum Sieg verhelfen – und eine besondere Aktion der Fans.

          Der Tag nach dem Befreiungsschlag beginnt mit einer Danksagung. Eintracht-Trainer Adi Hütter spricht zur Mannschaft und zollt ihr seinen Respekt. Das 4:1 gegen Hannover 96 hat für Erleichterung gesorgt. Tabellarisch haben sich die Frankfurter Fußballprofis von unangenehmen Tabellenpositionen entfernt. Atmosphärisch haben sie nach dem ersten Saisonheimsieg besonders die Nähe zu ihren Fans gesucht, deren Unterstützung sie weiterhin benötigen.

          Und sportlich haben Hütters Kicker gegen eine zugegeben schwache 96-Mannschaft gezeigt, dass sie dem Druck standgehalten haben. „Dieser Sieg hat schon einen besonderen Stellenwert“, sagt Bruno Hübner. „Er gibt uns Sicherheit und hat gezeigt, dass Qualität in der Mannschaft steckt.“

          Montagvormittag. Es ist ziemlich genau elf Uhr, als der Sportdirektor der Eintracht gemeinsam mit Trainer Hütter aus der Mannschaftskabine kommt und Kurs Richtung Trainingsplatz nimmt. Hütter kümmert sich danach gemeinsam mit seinen Assistenten um die Vorbereitung auf das Europa League-Spiel am Donnerstag gegen Lazio Rom. Hübner sucht das Gespräch mit der Presse.

          „Ante allein kann Spiele gewinnen“

          Auch wenn Hübner eine Nacht über das 4:1 geschlafen hat: An seiner Einschätzung hat sich nichts geändert. „Ante Rebic ist ein Ausnahmespieler“, sagt der Sportdirektor begeistert. „Wir sind sehr froh, dass wir ihn langfristig halten konnten. Ante allein kann Spiele gewinnen.“ Rebic als Anführer – doch erst im Verbund mit harmonierenden Mitspielern wie beispielsweise Sébastien Haller und Filip Kostic ist es der Eintracht gelungen, Hannover von Anfang bis Ende auf Distanz zu halten. „Wir hatten die Gier und Galligkeit, dieses Spiel zu gewinnen“, sagt Hübner. „Adi Hütter hat mit seiner Aufstellung richtig gelegen, und wenn Ante Rebic alles abruft, macht er den Unterschied aus.“

          Gegen die „Roten“ von 96 hat der kroatische Weltmeisterschaftszweite den Unterschied ausgemacht. Er hat zugleich Signale ausgesendet und neue Hoffnung verbreitet. Denn nicht nur Hübner ist sicher, „dass uns dieser Sieg Schwung für die Europa League geben wird“. Schon am Vortag zeigte sich Eintracht-Trainer Hütter angetan. „4:1, das ist ein tolles Ergebnis, wenngleich es spielerisch vielleicht zu wenig gewesen ist.“

          Mit breiter Brust: Ante Rebic (links) bringt die Eintracht voran.

          Eine korrekte Einschätzung. Spielerisch hat die Mannschaft weiterhin Luft nach oben. Doch sie hat auch überrascht. Mit Allan Souza durfte erstmals überhaupt ein Mittelfeldmann von Beginn an mitmischen, den kaum jemand zuvor auf der Rechnung gehabt haben dürfte. „Er hat sich im Training aufgedrängt“, begründete Hütter die Nominierung des vom FC Liverpool ausgeliehenen Brasilianers. „Er hat es sehr gut gemacht und ist sogar die meisten Kilometer von allen gelaufen.“

          Ein Kader ohne Souza

          Sportdirektor Hübner spricht am Tag danach ähnlich respektvoll über Souzas Vorstellung. „Er hat spielerische Elemente hereingebracht. Es zeigt, dass wir vor der Saison richtig gehandelt und ihn zu uns geholt haben.“

          Pech für Souza und die Eintracht: Am Donnerstag, wenn sich von 21 Uhr an Lazio Rom im zweiten Gruppenspiel in der ausverkauften Frankfurter Arena vorstellt, wird der kleine Brasilianer nur als Beobachter dabei sein. Er steht nicht im Kader, den die Eintracht vor Beginn der Europapokalspiele bei der Europäischen Fußball-Union angeben musste.

          David Abraham gehört selbstverständlich dazu. Doch ob der aktuell an den Adduktoren verletzte Kapitän schon gegen die Römer wieder aktiv dabei sein, ist mehr als fraglich. Hübner wünscht es sich zwar ebenso wie Hütter. Doch vieles spricht dafür, dass der argentinische Abwehrchef erst nach der Länderspielpause am 19. Oktober im Heimspiel gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf wieder zur Verfügung steht.

          „Frische“ bei der Eintracht

          Was Abraham am Sonntag als aufmerksamer Beobachter von der Bank aus gesehen hat, dürfte ihm gefallen haben. In der von Trainer Hütter angeordneten Dreierkette harmonierte die Eintracht-Abwehr bestens. Mit Makoto Hasebe als Libero an zentraler Stelle in der Mitte, „der es einfach überragend macht“, wie Sportdirektor Hübner findet. Als Stellvertreter von Abraham fand sich auf rechts Routinier Marco Russ wieder, und auch der 33 Jahre alte Abwehrrecke machte seine Sache ebenso verlässlich wie auf links der 19 Jahre alte Torschütze Evan Ndicka.

          „Bei Russ weiß man, was man hat“, sagte Coach Hütter. Was seine Mannschaft insgesamt gegen Hannover wiedergefunden hat, wusste Hütter auch: Frische. „Die hat uns zuletzt gefehlt.“ Und weil dank des überragenden Rebic nun auch „offensive Power“ das Spiel der Eintracht charakterisiert, ist dem 48 Jahre alten Österreicher vor dem, was kommt, nicht bange.

          Die Vorfreude auf das zweite Europa-League-Spiel ist nach dem überraschenden 2:1-Auftaktsieg bei Olympique Marseille groß. Am Tag danach bringt es Hübner auf den Punkt. „Für uns ist dies ein Highlight. Und auch die Fans werden ihren Beitrag zu einem Highlight leisten.“ Die Stadionbesucher dürfen sich auf eine große Choreographie freuen. Und vielleicht auch auf eine Fortsetzung der Offensivpower vom 4:1 gegen Hannover.

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