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Erfolgsrezept der Eintracht : „Das sind drei Granaten“

Ein bisschen Spaß muss sein: Gaćinović und Rebić spielen zur Abwechslung eine Runde Handball. Bild: Jan Huebner

Mijat Gaćinović sitzt bei der Eintracht öfter als gedacht draußen. Der Serbe ist trotzdem voll des Lobes für die Mitspieler, die beim Trainer aktuell erste Wahl sind.

          Es war eine Stippvisite, die verdeutlichte, dass seine vollständige Rückkehr in den Trainingsbetrieb näher rückt. Gonçalo Paciência drehte flotten Schrittes seine Runden über den Rasen und verfolgte aus dem Augenwinkel, wie die Mitspieler an einer für sie eher untypischen Übungseinheit ihre Freude hatten. Trainer Adi Hütter kam es zu Beginn der vorletzten englischen Woche des Sportjahres offensichtlich darauf an, dass das Vergnügen nicht zu kurz kam.

          Er ließ die Fußballprofis deswegen unter anderem ihr mehr oder weniger ausgeprägtes Talent im Handball vorführen, was für Lacher sorgte. Für Paciência kommen solche Übungen, in denen abrupte Tempowechsel gefragt sind, noch zu früh. Dem Portugiesen riss vor drei Monaten der Außenminiskus im linken Knie. Wenn seine Genesung weitere Fortschritte macht, wird er womöglich noch vor der Winterpause wieder eine Alternative sein können: wahrscheinlicher ist sein Comeback aber erst im Januar.

          Im Angriff, wo Paciência seine Stärken haben soll, von denen er im Eintracht-Trikot allerdings noch nicht viel zeigen konnte, glänzen die Frankfurter aktuell durch eine Variabilität und Durchsetzungskraft, die in der Bundesliga ihresgleichen sucht. So dass Hütter sich Zeit lassen kann, den Rekonvaleszenten ohne Druck wieder an den Ernst des Alltags heranzuführen. Ante Rebić, Luka Jović und Sébastien Haller präsentierten sich auch beim Sieg in Augsburg (bei dem sich David Abraham eine Muskelblessur zuzog, die ihn nun zu einer 14-tägigen Pause zwingt) in blendender Verfassung.

          „Es läuft super für uns“

          Ihre Treffsicherheit verschafft dem Team Perspektiven, die unlängst, als sich Paciência abmeldete, nicht zu erahnen waren. Als er ausfiel, stand der Klub noch unter dem Eindruck der Pokal-Blamage in Ulm, des Supercup-Debakels gegen den FC Bayern und der Heimniederlage gegen Bremen. Für den 24-Jährigen überwies die Eintracht im Sommer drei Millionen Euro Ablöse an den FC Porto – in der Hoffnung, dass der 1,84 Meter große Stürmer beim Neuaufbau den internen Wettbewerb beleben kann. Paciência wird, wenn die Kollegen so weitermachen wie bisher, Glück benötigen, um demnächst aus ihrem Schatten treten zu können.

          „Das sind drei Granaten vorne drin“, sagte Mijat Gaćinović über das Goalgetter-Trio. Der 23-Jährige kam zuletzt weniger als von ihm ursprünglich angenommen zum Einsatz, doch am Montag sagte er, dass ihm der Status quo nicht über Gebühr zu schaffen mache. „Es läuft super für uns“, kommentierte der serbische Nationalspieler die anhaltende Glückssträhne, die am Wochenende um das zehnte ungeschlagene Spiel hintereinander verlängert wurde. Für den Coach, so formulierte es Gaćinović, bestehe daher kein Handlungsbedarf, die Erfolgsformation grundlegend zu verändern.

          Hütters Schachzug, in vorderster Reihe Haller sowie Jović und Rebić leicht versetzt als Zehner dahinter aufzubieten, kostete ihn den Platz in der Startformation, in der ein offensiv ausgerichteter Mittelfeldspieler nicht vorgesehen ist. In Augsburg kam Gaćinović in der 78. Minute rein, nachdem er bis dahin auf der Ersatzbank beobachtet hatte, wie die Frankfurter Scharfschützen die Abwehr des Gegners düpierten: „Es macht Spaß, ihnen zuzusehen. Wir spielen so gut und machen so viele Tore.“ Gaćinović sagte, er sei bereit, nach der Verletzung von Lucas Torró als Sechser auszuhelfen: „Ich kann das spielen, der Trainer weiß das. Wenn einer nicht spielen kann, bin ich da.“

          Kampfansage an die Konkurrenz?

          Die Atmosphäre in der Kabine werde vom Höhenflug beeinflusst. Das stimmt Gaćinović positiv. Der vorhandene Teamgeist sei ein Faktor, der die Eintracht pushe. „Es ist zu früh, mit dem Rechnen anzufangen“, sagte Gaćinović mit Blick auf die Tabelle, in der nach zwölf Spieltagen 23 Punkte zu Buche stehen; nur Dortmund (30) und Gladbach (26) haben mehr erreicht. Auf die Frage, ob es am Ende zur Qualifikation für die Champions League oder gar zur Beteiligung am Rennen um den Meistertitel reiche, antwortete der Nationalspieler verschmitzt lächelnd und fügte einen Satz an, der gleichwohl als Kampfansage an die Konkurrenz verstanden werden konnte. „Für uns heißt es: Weiter geht’s!“

          Er fügte an, die Eintracht habe im Mai bewiesen, dass sie in der Lage ist, spektakulär über sich hinauszuwachsen. Zum Triumph im Pokalfinale trug er die krönende Schlusspointe bei. Sein Sprint in der Nachspielzeit über siebzig Meter auf das verwaiste Bayern-Tor und die Kurve mit den Frankfurter Fans zu, die er mit dem Treffer zum 3:1 in Ekstase versetzte, sicherte ihm für immer und ewig einen Ehrenplatz in der Eintracht-Vereinschronik.

          An den, der sie damals zum Coup in Berlin führte, dachte Gaćinović auch kurz zurück: Niko Kovač. Sein Förderer von einst steht in München vor dem Aus. „Es tut mir leid für ihn“, kommentierte Gaćinović die Entwicklung, die er aufmerksam verfolge. Am Samstag vor Heiligabend beschließen die Frankfurter zwölf aufregende Monate ausgerechnet gegen den kriselnden Branchenprimus. Dass es dabei zum vorweihnachtlichen Wiedersehen mit dem einstigen Boss kommt, ist gerade eher weniger vorstellbar.

          Eintracht in China

          Eintracht Frankfurt treibt die Internationalisierung weiter voran. Am Montag verkündete der Klub die Gründung einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft in China, die am 1. Dezember ihre Tätigkeit aufnimmt. Die Räume in Peking sind bereits bezogen. Im Frühjahr 2019 soll die Eröffnung folgen. Bisherige Partner vor Ort sind unter anderem die Sportuniversität Peking und der chinesische Universitätssportverband. (F.A.Z.)

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