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Thomas Schaaf im Gespräch : „Es sind noch einige Fragezeichen da“

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Da schau her: Schaaf geht seine neue Aufgabe schon vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn so an, wie es seinem Naturell entspricht – unaufgeregt, sachlich, in aller Ruhe. Bild: REUTERS

Spielweise, Förderung von Talenten, Perspektiven über die Saison hinaus: Der neue Eintracht-Trainer Thomas Schaaf verrät, was der Verein von ihm zu erwarten hat – und warum es so lange gedauert hat, bis sich beide einig wurden.

          Was haben Sie in Ihrem Jahr Pause getan, was Ihnen zuvor in Ihrem Trainer-Hamsterrad nicht möglich war?

          Ich habe versucht Abstand zu gewinnen, nachdem ich so viele Jahre als Spieler und Trainer nonstop dabei war. Ich habe mich mehr um Familie und Freunde gekümmert, denen ich sehr viel abverlangt habe. Unsere Tochter studiert im Ausland, da haben wir die Zeit genutzt und sie besucht. Das war mir in dem Sieben-Tage-Job nicht möglich gewesen. Oder ich hatte einfach Zeit für die Freunde, denen ich so oft abgesagt hatte. Es war eine neue Erfahrung, mal die Situation zu erleben, dass ich Zeit für sie hatte und sie nicht konnten, weil sie zu tun hatten.

          Haben Sie irgendwo hospitiert oder sich anderweitig weitergebildet?

          In der ersten Hälfte der Saison habe ich mich weniger um Fußball gekümmert, bis auf einen Trainer-Ausbildungskurs bei der Uefa. Im Frühjahr habe ich für die Uefa auch Spiele der Champions League und Europa League beobachtet. Die Uefa möchte als Veranstalter der Spiele ihr Produkt bewertet haben, möchte eine Einschätzung haben, wie viel fußballerische Qualität vorhanden ist. Für mich war es am Anfang schwierig, die Subjektivität herauszubekommen, weil man immer denkt: Wie würdest du da spielen, wie würdest du in bestimmten Situationen selbst handeln? Aber es geht nur darum, was man sieht. Welches System wird gespielt, greift man früh an, lässt man den Gegner kommen. Ich war auch beim Champions-League-Finale dabei und habe mich mit Kollegen ausgetauscht, die einen sehr großen Erfahrungsschatz haben wie Alex Ferguson und Roy Hodgson. Denen hört man gerne zu, von denen kann man viel lernen.

          Sind Sie ein Trainer mit festen Vorstellungen, wie zu spielen ist, oder sind Sie der Pragmatiker, der alles vom Kader und den Umständen abhängig macht?

          Das eine ist vom anderen abhängig. Ich habe schon feste Vorstellungen, was ich irgendwo in meiner Mannschaft wiederfinden möchte. Auf der anderen Seite wäre es fatal, nur über diese Vorstellung zu kommen und nicht zu merken, dass die Mannschaft das gar nicht leisten kann. Als Trainer muss ich sehr genau hinschauen, wozu die Mannschaft imstande ist, und dabei den Vorstellungen so nahe kommen, wie es nur geht.

          Welchen Fußball möchten Sie gerne sehen?

          Ich möchte erst mal sehen, dass sich meine Mannschaft mit der Arbeit, die sie auf dem Platz leistet, total identifiziert. Dass man den Spielern den Spaß ansieht, die Aufgaben zu verfolgen, auch wenn es mal schwierig ist. Darüber hinaus geht es mir auch darum, Fußball wirklich zu spielen. Ich stehe dafür, dass man versucht zu kombinieren und nach vorne zu spielen. Eine gewisse Offensive möchte ich schon immer wieder erleben.

          Was ist Ihnen in diesem Jahr in der Bundesliga aufgefallen, mit dem Abstand, den Sie hatten?

          Dass das Geschäft immer schneller wird, dass ein immenser Druck aufgebaut wird. Man sieht es bei Bayern München. Worüber diskutiert man? Die Mannschaft hat zwei Titel geholt und stand im Halbfinale der Champions League. Wir sprachen von einer unfassbaren Dominanz, so früh Meister werden zu können. Und wenn der Erfolg sich dann nicht ganz so fortsetzt, wird sofort daran herumgemäkelt. Das zeigt, dass wir in einer verdammt schnellen Zeit leben und aufpassen müssen, dass wir uns nicht selbst überholen. Eine gewisse Ruhe und Souveränität würde guttun und das eine oder andere verbessern.

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