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Eintracht-Trainer Funkel : „Ich habe noch nie im Leben Angst gehabt“

  • -Aktualisiert am

Als „leader” zu selten am Ball: Eintracht-Defensivmann Chris Bild: dpa

Der viel gerügte Eintracht-Trainer Funkel gibt sich kämpferisch. Und bricht eine Lanze für Vorstandschef Bruchhagen: „Wenn er hier nicht mehr die Verantwortung trägt, bricht alles zusammen.“

          Eine Grippe war so ziemlich das Letzte, was Friedhelm Funkel in diesen aufreibenden Frühsommertagen gebrauchen konnte. Doch nun hat ihm zu allem Überfluss auch noch die Gesundheit einen schlechten Streich gespielt. Der Coach der Eintracht beließ es am Vormittag bei 75 Minuten Training für die Profis und legte sich dann zum Auskurieren bis auf Weiteres ins Bett. Ob er an diesem Mittwoch die Vorbereitung seiner Mannschaft auf das letzte Saisonspiel zu Hause gegen den Hamburger SV wieder wird planen und leiten können, ist fraglich.

          Am Dienstag sah der Fußball-Lehrer reichlich mitgenommen aus. Seiner Lust, um seine Weiterbeschäftigung in Frankfurt zu kämpfen, konnten Husten, Schnupfen und Heiserkeit aber nichts anhaben: „Ich habe noch nie im meinem Leben vor irgendetwas Angst gehabt. Schon gar nicht davor, dass ich meinen Job verlieren könnte“, behauptete der Fünfundfünzigjährige, der im Laufe seiner Trainer-Laufbahn bereits in Duisburg (2000), Rostock (2001) und Köln (2203) die unschöne Erfahrung machte, vor Ende der eigentlich vereinbarten Vertragslaufzeit den Stuhl vor die Tür gestellt zu bekommen.

          Schwache Rückrundenbilanz

          Überhaupt, so Funkel, sei die bevorstehende Partie, die einige Fangruppen zur ultimativen Abrechnung mit seiner Person nutzen möchten, „ein ganz normales Spiel. Es erfordert keine besonderen Maßnahmen.“ Die Bemerkung, dass es momentan denkbar erscheint, dass aufgrund der unbefriedigenden Rückrundenbilanz auf der Aufsichtsratssitzung am kommenden Montag das Ende seiner Dienstzeit am Main eingeleitet wird, ließ er unkommentiert. Er sagte nur: „Ich habe ein gutes Trainerteam, ich weiß einen guten Vorstand und gute Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle hinter mir – deswegen fühle ich mich in dieser Situation in keinster Weise alleingelassen.“

          Funkel nutzte die Gelegenheit vielmehr, um auch noch einmal eine Lanze zu brechen für seinen größten Rückhalt in den vergangenen fünf Jahren bei der Eintracht: Heribert Bruchhagen. Der Ostwestfale, der mit Gelassenheit und Vertrauen so manche Krise mit seinem Vertrauten Funkel meisterte, sei die wichtigste Person für den Traditionsklub: „Egal, wer hier eines Tages Trainer ist. Wenn Bruchhagen nicht mehr die Verantwortung trägt, bricht alles zusammen“, prognostizierte Funkel, „dann haben manche hier ganz schnell Verhältnisse wie vor sieben Jahren.“

          Damals, im Anschluss an ein Monate langes Chaos in der Vereinsführung, wäre der Eintracht beinahe die Lizenz für die zweite Liga verweigert worden. Funkel appellierte, bevor er sich zum Genesen in die eigenen vier Wände zurückzog, an die „Vernünftigen bei diesem Verein, dass Bruchhagen auch nächste Wochen noch im Amt ist“. Er deutete damit an – ob bewusst oder ungewollt –, dass auch sein engster Mitstreiter angesichts der unerwarteten Entwicklungen gegebenenfalls mit einer Abberufung durch den Aufsichtsrat rechnen muss oder aber von sich aus einen Schlussstrich unter sein Frankfurter Kapitel ziehen könnte.

          Funkel wird Schuld angelastet

          Nichts Genaues weiß man nicht. Denkbare Szenarien werden rund um den Klub allerhand diskutiert. Was dabei momentan besonders auffällt: Vor allem Funkel wird von vielen Seiten die Schuld an der sportlichen Misere angelastet. Über die Spieler dagegen, die seit Wochen beharrlich hinter den Erwartungen zurückbleiben, verliert kaum jemand ein böses Wort – auch ihr Vorgesetzter nicht, der spätestens nach den deutlichen Misserfolgen gegen Bremen (0:5) und Bochum (0:2) eigentlich allen Grund dazu hätte. Aber auch für den jüngsten Fehlschlag am vergangenen Wochenende im Ruhrgebiet fand Funkel am Dienstag relativierende Worte.

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