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Eintracht Frankfurt : Eine Sache der Einstellung

  • -Aktualisiert am

Keine Kompromisse: Ante Rebic setzt sich im Training voll gegen Omar Mascarell ein. Bild: Jan Huebner

Stürmer Ante Rebic scheint sich die Kritik von Trainer Niko Kovac zu Herzen genommen zu haben. Gegen Hoffenheim und im Training hat der Kroate zuletzt überzeugt.

          26 Punkte nach 14 Spieltagen, Tabellenplatz fünf mit nur einem Zähler Rückstand auf Rang drei, aber 16 Punkten Vorsprung vor dem Relegationsplatz. Das ist alles kein Grund für Eintracht-Trainer Niko Kovac, auch nur einen Millimeter nachzulassen. Wie immer versammelte er seine Profis am Dienstag schon um 8.30 Uhr zum Frühstück. Danach begannen erste Übungen in den Räumen der Lizenzspielerabteilung im Geschäftsstellentrakt unter der Tribüne. Und um 10 Uhr wurde es dann ungemütlich. Wer frei von jeglichen Beschwerden war, musste hinaus in die Kälte. Dort hatten die 15 Feldspieler und zwei Torhüter ein knackiges Zweistundenprogramm zu absolvieren. Alex Meier, Marco Fabian, Makoto Hasebe, Jesus Vallejo und Shani Tarashaj durften im Warmen bleiben und sich dort langsam auf das nächste Bundesligaspiel am kommenden Samstag gegen den VfL Wolfsburg vorbereiten.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Einer der Auffälligsten auf dem Trainingsplatz: Ante Rebic. Der 23 Jahre alte Kroate hatte schon am vergangenen Freitag positiv auf sich aufmerksam gemacht. Nach gut einer Stunde für Haris Seferovic ins Spiel gebracht, belebte Rebic auf Rechtsaußen das Frankfurter Offensivspiel durch seine Dribbelstärke und sein Geschick im Zweikampf. Der Kroate kreierte einige gefährliche Momente im Hoffenheimer Strafraum, zudem eroberte schon verloren geglaubte Bälle zurück, sicherte sie und verhalf so der Defensive zu Momenten des Durchschnaufens. Das Lob von Niko Kovac für die rundum gelungenen 30 Minuten fiel ziemlich unterkühlt aus. „Ante hat seine Sache ordentlich gemacht.“

          „Wenn er es nicht lernt, dann spielt er eben nicht.“

          Vor zwei Monaten klang der Eintracht-Trainer, angesprochen auf Rebic, noch deutlich freundlicher. Er hob die Stärken seinen Angreifers hervor und zeigte Verständnis für dessen Schwächen. Die liegen jenseits der fußballerischen Grundausbildung. Fußball ist auch Kopfsache, aber mit der richtigen Einstellung zum Beruf und zu seinem Berufsumfeld hatte es Rebic nicht so sehr. „In Kroatien werden Talente sehr schnell in den Himmel gehoben, das muss man als junger Mann erst einmal verkraften“, hatte Kovac im Frühherbst erklärt. Und durchaus Optimismus signalisiert, den Spieler „hinzukriegen“. Als kroatischer Nationaltrainer hatte ihn der 45 Jahre alte Fußall-Lehrer an allen Vorrundenspielen der WM 2014 teilnehmen lassen, so überzeugt war und ist er von dessen Talent.

          Aber Rebics weitere Entwicklung verlief nicht wie gewünscht. In allen Klubs, für die er spielte, eckte er an. Auch bei RB Leipzig, wo er es in Zweitligazeiten sich gleich mit zwei Trainern verscherzte: Der Vorwurf war immer der gleiche: Rebic arbeitet zu sehr für sich und zu wenig für die Mannschaft, er findet nach Ballverlust einfach nicht den Rückwärtsgang. Vor einer Woche kritisierte Kovac erstmals seinen kroatischen Landsmann mit deutlichen Worten. „Wenn er es nicht lernt, dann spielt er eben nicht.“ Nach den Eindrücken des Freitags und des Dienstags scheint Rebic den Ernst der Lage verstanden zu haben. Wenn die Einsicht von Dauer ist und er über längere Zeit verletzungsfrei bleibt, ist der Kroate gut für einen Stammplatz.

          „Eine Mannschaft im Abwärtsstrudel ist immer gefährlich“

          Einer, der sich immer für die Gemeinschaft aufopfert und ihm ein hervorragendes Beispiel für Arbeitsethos geben könnte, ist Oscar Mascarell. Der 23 Jahre alte Spanier hat sich im Mittelfeld unverzichtbar gemacht – mit seiner taktischen Disziplin, Laufstärke und Zweikampffreude. Der zuletzt für Sporting Gijón aktive Profi von der Sonneninsel Teneriffa denkt und läuft für die Kollegen mit. Nach Jahren des Karriere-Stillstands genießt er endlich eine Erfolgsserie. „Es ist die Belohnung für und die Frucht unserer Arbeit“, sagt Mascarell. Es soll in Wolfsburg genauso weitergehen mit ihm und der Eintracht: „Wir setzen alles in jedem Spiel um, darum läuft es für uns so gut. Wir müssen auch in Wolfsburg unsere Waffen ausspielen.“

          Dass mit Klaus Allofs der Wolfsburger Fußball-Boss entlassen wurde, hat für den Spanier keinen Einfluss auf das Spiel: „Wir dürfen an so etwas gar nicht denken. Wir müssen nur daran denken, wie wir unser Spiel durchsetzen.“ Einfach werde es nicht, denn Wolfsburg benötige die Punkte ganz dringend. „Eine Mannschaft im Abwärtsstrudel ist immer gefährlich“, sagt er. Für die Begegnung sucht Trainer Kovac noch einen Rechtsverteidiger für den gesperrten Timothy Chandler. Ob er in Frage käme? „Ich traue es mir zu, wenn der Trainer es so will. Und ich werde mein Bestes geben. Aber ich habe noch nie in meiner Karriere auf dieser Position gespielt.“Man gewinnt im Gespräch den Eindruck, eine andere Lösung wäre ihm lieber. Zum Beispiel sein Landsmann Vallejo: „Jesus ist ein seriöser, ernsthafter Spieler. Ihm traue ich es auf jeden Fall zu, dass er diese Position gut ausfüllen kann.“

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