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Frankfurt gegen Benfica : Hütters Plan für das perfekte Spiel

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„Für mich ist Benfica nach dem Ergebnis des ersten Spiels 55:45-Favorit“: Eintracht-Trainer Adi Hütter Bild: dpa

Die Eintracht muss das 2:4 aus dem Hinspiel aufholen, um ins Europa-League-Halbfinale einzuziehen. Zuvor erklärt der Trainer, wie das gegen Benfica klappen soll – und freut sich über gleich zwei gute Nachrichten.

          Ob das ein Zufall war? Genau 29 Stunden vor dem Anpfiff des Viertelfinal-Rückspiels gegen Benfica Lissabon brachte die Frankfurter Eintracht sich und der Öffentlichkeit noch einmal ins Gedächtnis, welches Schnäppchen ihr gelungen ist. Am Mittwoch um 16 Uhr gab der hessische Traditionsklub die offizielle Mitteilung heraus, dass er die Kaufoption für Mittelstürmer Luka Jovic gezogen habe.

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          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Diese Entscheidung war seit Monaten angekündigt, was angesichts der Entwicklung des 21 Jahre alten serbischen Torjägers keine Überraschung darstellt. Vor eindreiviertel Jahren als gescheitertes Talent leihweise von Benfica an den Main gekommen, wurde aus Jovic in Frankfurt Europas umworbenster Nachwuchs-Torjäger. 25 Tore in 49 Bundesligaspielen sowie acht Treffer in elf Begegnungen in der Europa League haben das Interesse von Real Madrid, dem FC Barcelona und Bayern München geweckt. Der Marktwert des Serben wird zwischen 55 und 70 Millionen Euro geschätzt.

          Eine Selbstverständlichkeit, dass die Eintracht nach 200.000 Euro Leihgebühr nun auch eine Ablöse von zirka sieben Millionen Euro nach Lissabon überweist. Damit wird zum 1. Juli 2019 ein Vertrag zwischen Jovic und der Frankfurter Eintracht bis einschließlich 30. Juni 2023 wirksam. Eine Nachricht, die die Stimmung vor der Viertelfinal-Auseinandersetzung in Frankfurt an diesem Donnerstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League, bei RTL und DAZN) hebt und in Lissabon zumindest ein wenig schwärzt, wird Benfica doch noch einmal bewusst gemacht, welch eine Begabung es für vergleichsweise wenig Geld aus den Händen gegeben hat.

          Martin Hinteregger beim Abschlusstraining

          Die zweite gute Nachricht des Mittwochs für die Eintracht kam unverhoffter. Martin Hinteregger konnte am Abschlusstraining teilnehmen. Der österreichische Linksverteidiger schlich am Sonntag im Bundesligaheimspiel gegen Augsburg nach 26 Minuten mit Oberschenkelbeschwerden vom Platz. Bis dahin hatte er mehr gelungene Aktionen gezeigt als sein Kollege Toure in 90 Minuten und sein Ersatzmann Ndicka in knapp 70 Minuten. Ob Hinteregger gegen Lissabon ins Spiel kommt, entscheidet sich erst kurz vor dem Anpfiff. Auf jeden Fall stellte der Trainingsversuch des Österreichers so etwas wie eine Entwarnung dar. Einen Muskelfaserriss hat er sich nicht zugezogen, sondern irgendetwas zwischen Muskelverhärtung und leichter Zerrung.

          Trainer Adi Hütter kündigte an, am Donnerstag kein großes Risiko eingehen zu wollen, es stehe noch viel in den kommenden Wochen im Bundesliga-Endspurt auf dem Spiel. „Ich werde Martin fragen, er kennt seinen Körper am besten, seine Meinung ist mir wichtig“, erklärte Hütter. Sagte Hinteregger ab, käme Simon Falette zum Einsatz, der, so der Eintracht-Trainer, „in der Europa League immer seinen Mann gestanden hat.“ Immerhin machte der 27 Jahre alte Franzose vier Gruppenspiele mit.

          Hütter verbreitete am Mittwoch Optimismus, aber nicht mehr ganz so großen wie unmittelbar nach der 2:4-Hinspielniederlage in Lissabon. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit ließ sich der Vorarlberger darauf ein, die Erfolgschancen seiner Mannschaft zu quantifizieren: „Für mich ist Benfica nach dem Ergebnis des ersten Spiels 55:45-Favorit.“ Es bedürfe eines „perfekten Spiels“, um den Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen. Hütter definierte perfektes Spiel mit diesen Details: „Bei Ballverlust höllisch aufpassen, kaum gegnerische Torchancen zulassen, zum richtigen Zeitpunkt in der Offensive das Richtige machen, vor dem Tor effektiv sein und ein Spiel mal zu elft beenden.“

          Mischung aus Wucht und Zielstrebigkeit

          Zuletzt haperte es an allem. Platzverweise von Ndicka in Lissabon und Fernandes gegen Augsburg brachten die Eintracht auf die schiefe Bahn, die sie nicht mehr verlassen konnte, weil in der Offensive viele Tormöglichkeiten durch falsche Entscheidungen gar nicht erst zustande kamen und von denen, die sich ergaben, viele verschludert wurden. „Wir müssen so spielen wie gegen Marseille, Lazio und Donezk“, sagte Hütter. In jedem der drei Europa-League-Heimspiele erzielte die Eintracht mit einer Mischung aus Wucht und Zielstrebigkeit vier Treffer. Hütter: „Das heißt nicht, dass wir gegen Benfica auch vier Tore schießen, aber es heißt, dass wir es können.“

          Dabei soll wieder das Frankfurter Publikum helfen. Die leidenschaftliche Atmosphäre auf den Rängen zeige Wirkung bei den Spielern, sagt der Eintracht-Trainer. „Es ist ein Gänsehautmoment, wenn wir die Treppe hochkommen und die Choreographie sehen“, sagte Hütter. Mittelfeldspieler Gelson Fernandes pflichtete seinem Trainer bei: „Solche Abende geben uns Kraft.“ Kraft, die zuletzt bei der 1:3-Heimniederlage gegen den FC Augsburg zu fehlen schien. Einem Eindruck, dem Hütter allerdings widersprach: „Wir haben gegen Lissabon und gegen Augsburg in Unterzahl Druck gemacht und Torchancen kreiert. Ich habe keine Müdigkeit gesehen, wir hatten den Punch. Allerdings hat uns die geistige Frische gefehlt. Deshalb habe ich Dienstag frei gegeben, damit die Spieler die geistige Frische wieder kriegen.“

          Sie wird nötig sein, um auf die gefährliche Mannschaft von Benfica Lissabon reagieren zu können. Hütter lobt das spielerische Vermögen der Portugiesen, ihr Umschaltspiel und ihre schnellen, beweglichen Stürmer. „Joao Felix ist sicher ihr Schlüsselspieler. Er kann alles. Aber auch Pizzi, Silva und Seferovic sind gefährlich“, warnt der Eintracht-Trainer. Seine Hoffnung besteht darin, dass Benfica im Hinspiel seine Stärken vor allen in Unterzahl ausspielen konnte, die Eintracht im Spiel elf gegen elf und in der Schlussphase überlegen war. „Wir müssen die Räume eingrenzen, über die Zweikämpfe ins Spiel kommen“, fordert Hütter und fügt an: „Aber wir dürfen nicht wieder in Unterzahl geraten.“ Das ist der Spagat, der den Frankfurtern in der heißen Europapokalnacht gelingen muss: Große Emotionen und Leidenschaft entwickeln und dabei einen klaren Kopf bewahren.

          Evan Ndicka sieht in Lissabon Rot, was die Eintracht gegen Benfica auf die schiefe Bahn brachte.

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